Kultur-Staatssekretär schließt Neuvergabe aus: Grosse-Brockhoff gegen Heine-Preis für Handke
zuletzt aktualisiert: 01.06.2006 - 15:07Düsseldorf (dto). NRW-Kultur-Staatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff geht davon aus, dass Schriftsteller Peter Handke den Heine-Preis nicht erhalten wird. Er unterstützt die bevorstehende Entscheidung des Düsseldorfer Stadtrates, den Preis nicht an den österreichischen Literaten zu vergeben. Die Jury habe bei ihrem Votum für Handke nicht die Vorgaben eingehalten, sagte der CDU-Politiker am Donnerstag dem "Deutschlandradio Kultur".
Die geplante Auszeichnung Handkes war wegen dessen Nähe zum früheren serbischen Machthaber Slobodan Milosevic im In- und Ausland heftig kritisiert worden. Die Fraktionen von SPD, FDP und Grünen im Düsseldorfer Stadtrat hatten sich am Mittwoch darauf verständigt, gegen die Auszeichnung Handkes zu stimmen. Auch Ratsmitglieder der CDU-Fraktion kündigten ihr Veto an. Die endgültige Entscheidung will der Stadtrat am 22. Juni treffen.
Von einer Aberkennung des Preises könne nicht die Rede sein, da er noch gar nicht zuerkannt worden sei, sagte Grosse-Brockhoff. Die Jury habe eine lediglich beratende Funktion. Eine Neuvergabe des Preises schloss der Kultur-Staatssekretär aus. "Ich gehe auch hier davon aus, dass er dann in diesem Jahr nicht vergeben wird, sondern erst wieder in zwei Jahren."
Der Heine-Preis ist mit 50.000 Euro einer der höchstdotierten deutschen Literaturpreise. Er wird seit 1972 an Persönlichkeiten verliehen, die durch ihr geistiges Schaffen "den sozialen und politischen Fortschritt fördern, der Völkerverständigung dienen oder die Erkenntnis von der Zusammengehörigkeit aller Menschen verbreiten". Zu den bisherigen Preisträgern gehörten unter anderen die österreichische Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, die Schriftsteller Carl Zuckmayer und Max Frisch sowie der Liedermacher Wolf Biermann.
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