Schädlinge vor der Mensa: Große Rattenplage an der Uni
VON J.-CH. FAYS UND A. MILZ - zuletzt aktualisiert: 06.09.2010 - 18:20Durch zahlreiche Bauarbeiten auf dem Campus der Heine-Uni sind Ratten aufgescheucht worden. Ihr neues Quartier liegt nun in einem Innenhof, der an Mensa und Cafeteria grenzt. Das Studentenwerk und die Uni haben sich Hilfe gegen die Schädlinge geholt. Der Innenhof ist vorerst gesperrt.
Als Gerhard Meyerhof seine Nichte vorige Woche in Düsseldorf besuchte und sich mit der Studentin auf einen Kaffee an der Uni traf, traute er seinen Augen nicht: „Der ganze Innenhof wimmelte nur so vor Ratten.“ Für den promovierten Mediziner, der selber oft an Hochschulen in ganz Deutschland als Referent zu Gast ist, ein Szenario, das er hierzulande noch nie gesehen hat.
Vereinzelt mal eine Ratte, klar, das gebe es. „Aber, dass sie sich zu mehreren Duzend tummeln, darf nicht sein. Zumal die Tiere auch Überträger von vielen Krankheiten sind.“
Die Heinrich-Heine-Universität und das Studentenwerk als Betreiber der Mensa reagierten prompt. Aktuell wir der Sache nachgegangen und eine Firma ist bereits mit der Schädlingsbekämpfung beauftragt. „Wir vermuten schwer, dass sich die Ratten im Zuge der vielen Bauarbeiten auf dem Campus im Innenhof der Mensa einquartiert haben“, erklärt Kerstin Münzer vom Studentenwerk.
Der nasse August
Laut der Schädlingsexperten der Stadt mehrten sich die Einsätze zur Bekämpfung von Ratten im August. Durch den starken Regen wurden viele Nager aus den Kanälen vertrieben, und sie suchten anderenorts trockene Räume, um ihren Nachwuchs aufzuziehen.
Bis die Ratten beseitigt sind, ist der Innenhof bis auf Weiteres gesperrt. Der Grund: Es soll vermieden werden, dass sich die unliebsamen Gäste auch in den Innenräumen der Mensa einnisten.
"In Düsseldorf gibt es mindestens eine Ratte pro Einwohner"
Die Rattenplage an der Uni-Mensa ist kein Einzelfall. „In diesem Jahr waren wir bereits 517 mal wegen Schädlingsbekämpfung im Einsatz“, sagt der Leiter des Ordnungsamts, Michael Zimmermann. In 75 bis 80 Prozent der Fälle handele es sich bei den Einsätzen um die Beseitigung von den Nagern. Allerdings seien diese etwa 400 Meldungen von Rattenbefall keine Besonderheit.
Während Zimmermann in diesem Jahr mit 750 Einsätzen zur Schädlingsbekämpfung rechnet, waren es 695 Einsätze im vergangenen Jahr und 873 in 2008. Auch die Kosten zur Bekämpfung der Ratten lägen konstant bei 60.000 bis 80.000 Euro pro Jahr.
Die Plage an der Heine-Uni falle jedoch nicht in den Zuständigkeit der Stadt. „Dafür ist die Univerwaltung zuständig, und ich habe Gewissheit, dass sie die Plage umfassend bekämpft.“ Um das sicherzustellen, hat sich jetzt auch das Amt für Verbraucherschutz eingeschaltet. „Unsere Kontrolleure werden erst aktiv, wenn wir Hinweise von Verbrauchern bekommen“, sagt der Leiter des Amtes für Verbaucherschutz, Klaus Meyer.
Bislang seien für die Heine-Uni keine Beschwerden eingegangen, aber nun werde das Amt überprüfen, ob die Mensa geschlossen werden muss, erklärt Zimmermann. „Die Mensaleitung muss sicherstellen, dass die Ratten nicht in den Mensabereich kommen.“
Mindestens 580.000 Ratten in Düsseldorf
Das Amt für Verbraucherschutz werde die Cafeteria und die Mensa im Innenhof des Mathematischen Instituts in den kommenden Tagen auf Rattenkot überprüfen. Dabei würden vorwiegend Ränder und Ecken unter die Lupe genommen, an denen sich Nager in Innenräumen gerne aufhalten. Außerdem würden verpackte Lebensmittel auf Fraßstellen untersucht. Zudem müsse die Mensaleitung dafür Sorge tragen, dass die Türen geschlossen sind und bodendicht schließen. Auch die Fenster müssten mit einem Insektenschutz versehen sein.
Dass die Ratten aber nicht ganz auszurotten, sondern nur punktuell zu bekämpfen sind, macht der Geschäftsführer von Asgard Schädlingsbekämpfungen, Michael Malaise, deutlich. Dafür seien es einfach zu viele. „In Düsseldorf gibt es mindestens eine Ratte pro Einwohner,“ schätzt Malaise. Demnach gäbe es in Düsseldorf mehr als 580.000 Nager, die vorwiegend in der Kanalisation aktiv sind und im Sommer ans Tageslicht kommen.
Der Diplom-Biologe Harald Fänger, der als technischer Berater bei einem Neusser Großhändler für Schädlingsbekämpfungsprodukte arbeitet, weiß, was die Nager an die Oberfläche lockt: „Meistens kommen die Ratten über defekte Hausanschlüsse an die Oberfläche.“ Fänger rät auch der Düsseldorfer Mensaleitung diese zu überprüfen. Das könne neben der kurzfristigen Schädlingsbekämpfung eine langfristige Lösung des Problems sein.
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