22.000 Besucher: Großer Andrang bei Museumsnacht
VON CHRISTIAN HERRENDORF - zuletzt aktualisiert: 11.05.2009 - 07:28Düsseldorf (RPO). Mit 180 Programmpunkten lockten die Düsseldorfer Museen und Galerien 22.000 Besucher, darunter auffällig viele unter 30, die sonst selten bis nie in die Häuser kommen. Das eröffnet dem Festival neue Möglichkeiten, vor allem in den Szene-Vierteln der Landeshauptstadt.
Überall auf der Wiese und den Bänken im Ehrenhof sitzen Jugendliche und bewundern eine Installation der Künstlergruppe Studio Azzurro. Vor den großen Gemälden im Foyer des Landtags tanzen mehrere Studenten. In die Galerie "Damen und Herren" drängen noch so viele junge Gäste, dass auch auf dem Bürgersteig alle Stehplätze vergeben sind – und das um ein Uhr morgens.
Wohin Besucher bei der "Nacht der Museen" am Wochenende auch kamen, sie trafen vor allem auf Neugierige, die deutlich jünger als 35 Jahre sind. "Es ist besonders schön zu sehen, wie viele junge Leute in die Museen kommen. Das alles verleiht der ,Nacht der Museen' ihren entspannten und fröhlichen Charakter", resümierte Düsseldorfs Kulturdezernent Hans-Georg Lohe.
200 Quadratmeter Kunstwerk
Dass so viele junge Besucher wie nie zuvor kamen, bescherte der "Nacht der Museen" ein ähnliches Ergebnis wie 2008, obwohl wegen der Bauarbeiten in der Kunstsammlung (K 20) ein wesentlicher Anziehungspunkte fehlte. 22.000 Besucher zählten die Veranstalter, 1000 weniger als im Vorjahr.
Neben jungen Ausstellungsthemen (zum Beispiel die Arbeiten über die experimentelle Rockband Sonic Youth) waren es vor allem die 180 Programmpunkte der 37 teilnehmenden Museen und Galerien, die Hemmschwellen beim Besucher-Nachwuchs abbauten: Roberto Freire lockte mit schnell gezeichneten Karikaturen ins Museum Kunstpalast, eine schräge Performance mit als Arien gesungenen Thesen zum Klimawandel füllte die Bibliothek des Heine-Instituts, der Schauspieler Rufus Beck warb mit seinen Lesungen für die aktuelle Schau im Haus der Architekten.
Zur größten Attraktionen avancierte ein Mann in knapper roter Hose und mit rot-weißer Badekappe. Der so gewandete Herr kraulte seine Bahnen in einer Projektion über eine knapp 50 Meter lange Strecke aus zwölf Leinwänden, die die Gruppe Studio Azzurro an der Fassade des NRW-Forums installiert hatte.
Die 200-Quadratmeter-Installation namens "Der Schwimmer" beschäftigte die Betrachter dauerhaft, weil immer wieder überraschende Gegenstände im Wasser auftauchten und die jazzige Musik einen Moment der Ruhe im Treiben der Museumsnacht bot.
Die K 21 förderte den Nachwuchs auf andere Weise. Sie versteigerte in seiner sehr gut besuchten Kuppel 42 Arbeiten von jungen Künstlern, die sich den Erlös von knapp 55.000 Euro mit dem "Kunstverein 701" teilen.
Eine Premiere erlebten die Gäste im Hafen der Landeshauptstadt. Der nordrhein-westfälische Landtag beteiligte sich erstmals am Festival und eröffnete den Bürgern damit einen selten möglichen Blick auf seine Kunstschätze.
Das Parlament beherbergt unter anderem das große Nagel-Kunstwerk "Interferenzen" von Günther Uecker, Jörg Immendorffs "Malrede", die dessen typische Affen am Rednerpult des Hauses zeigt, und den "Phönix" von Beuys-Lehrer Ewald Mataré.
Galerien gern gesehen
Die neue Begeisterung der jungen Besucher zeigt den Machern der Museumsnacht zugleich Möglichkeiten für die nächsten Jahre auf. Galerien in Szene-Vierteln wie Flingern oder Pempelfort könnten das Angebot erweitern. "Wir würden das sehr begrüßen", sagt Projektkoordinatorin Barbara Raff. "Es müssten sich mehrere Galeristen eines Viertels zusammentun. Dann macht es für die Rheinbahn Sinn, neue Routen für die Shuttlebusse zu erstellen."
Außerdem müsste die Galeristen neben ihren Ausstellungen einige Programmpunkte erarbeiten. Mühen, die sich lohnen, wenn weit nach Mitternacht noch mehr als 100 Besucher den Bürgersteig bevölkern.
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