Grüne in Umfragen bundesweit vor SPD: Grünes Hoch: SPD bleibt gelassen
VON DENISA RICHTERS - zuletzt aktualisiert: 07.10.2010 - 07:52Düsseldorf (RPO). Erstmals sind die Grünen in einer Befragung bundesweit zweitstärkste Kraft – vor der SPD. Auch die Düsseldorfer Politiker registrieren den Höhenflug aufmerksam. Denn klar ist, dass damit andere Bündnis-Optionen als Schwarz-Gelb oder Rot-Grün im Rathaus wahrscheinlicher werden.
Wenn es um die rasant wachsende Zustimmung der Bürger für die Grünen geht, greifen Düsseldorfer Politiker gerne auf den Fußball zurück: "Die Umfragen sind so erstaunlich wie die Tabellen der Bundesliga", sagt Norbert Czerwinski, Vize-Chef der Grünen-Ratsfraktion. "Die Grünen haben im Moment die Siegesserie, die sich Fortuna und Bayern München wünschen würden", meint die Düsseldorfer SPD-Chefin Karin Kortmann.
Auslöser sind die seit Monaten glänzenden Umfragewerte der Grünen. Die Meinungsforscher von Forsa sehen die Ökopartei nun erstmals mit 24 Prozent nach der CDU (31 %) als zweitstärkste Kraft in Deutschland – einen Punkt vor der SPD. FDP und Linke stagnieren bei fünf bzw. zehn Prozent.
"Ansporn für Kommunalwahl"
Die Düsseldorfer Grünen bemühen sich sichtlich, trotzdem auf dem Boden zu bleiben. "Umfragen sind nur Momentaufnahmen", betont Kreissprecherin Mona Neubaur. Sie bezeichnet die guten Werte aber auch als Ansporn, sich mit Blick auf die Kommunalwahl 2014 strategisch gut aufzustellen. Konkret geht es darum, für die dann vermutlich weiter steigende Zahl an Mandaten geeignete Köpfe aufzubauen. "Kommunale Parlamente sind die Grundschule der Demokratie", sagt Neubaur. Als Grund für den Erfolg sieht sie die Glaubwürdigkeit der Grünen bei Themen wie Atomkraft oder Stuttgart 21.
"Bei so hohen Umfragewerten brauchen wir auch innerhalb der Partei eine größere Spannbreite", sagt Czerwinski. Ziel sei, die Grünen dauerhaft auf Augenhöhe mit SPD und CDU zu bringen. Neue Bündnisoptionen schließt er nicht aus, sieht aber kaum Gemeinsamkeiten mit der CDU im Rathaus: "Sie wird nicht dadurch hübscher, dass die SPD hässlicher geworden ist." Parteichefin Neubaur schließt nicht aus, dass die Grünen 2014 mit einer eigenen OB-Kandidatur ins Rennen gehen. 2008 hatten sie die SPD-Chefin Kortmann zur gemeinsamen Kandidatin gekürt. Bei Bündnissen hält Neubaur alles für möglich – sofern die Grünen den Kurs bestimmen.
Kortmann räumt ein, dass die SPD bei den vergangenen Wahlen enorme Probleme gehabt habe. "Wir sind aber auf dem Kurs der Erneuerung, korrigieren Positionen bei der Agenda 2010 – das braucht Zeit." In Düsseldorf sei die SPD Garantin der "sozialen Daseinsvorsorge". Ihr Vize Gerd Blatz sieht bei Industriepolitik und Flughafen Unterschiede zwischen SPD und Grünen. "Das müssen wir deutlicher herausstellen", so SPD-Fraktionschef Markus Raub, "und natürlich dafür sorgen, dass wir mehr Stimmen als die Grünen bekommen."
Während Czerwinski der SPD Nervosität attestiert, sieht er die FDP "in Panik". Manfred Neuenhaus, Fraktionschef und Partei-Vize der Liberalen, weist das von sich: "Selbst unter den schwierigen Umständen würden die Düsseldorfer das schwarz-gelbe Bündnis im Rathaus bestätigen." Die Bürger seien zufrieden mit ihrer Stadtregierung.
Auch der CDU-Kreisvorsitzende Klaus-Heiner Lehne sieht nach wie vor die größten Gemeinsamkeiten bei CDU und FDP, die Grünen aber auch als potenzielle Partner. Jedoch seien sie für die CDU auch Konkurrenz. Das zeigte sich bereits bei der Kommunalwahl 2009: In Friedrichstadt Ost lag die Kandidatin der CDU, Hildegard Kempkes, nur 32 Stimmen vor Dietmar Wolf (Grüne).
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