Kunst und Wirtschaft: Gute Geschäfte mit Picasso
VON UWE REIMANN - zuletzt aktualisiert: 14.03.2007 - 10:39Düsseldorf (RPO). Beispiel Picasso-Ausstellung: Ein Duftwasser, einen gelben Bademantel und zwei Eintrittskarten gibt es in einer Parfümerie. Die Kooperation Kunst und Wirtschaft wird immer enger. Düsseldorf ist Vorreiter in Deutschland.
Wir sagen nur zwei Worte: gelber Bademantel. Schon weiß jeder, dass es sich um die derzeit im K20 laufende Picasso-Ausstellung handelt. Das Werbeplakat mit dem Meister in Gelb ist so markant, so sehr im Stadtbild verankert, dass die Werbung für die Ausstellung ausgezeichnet funktioniert. Seit 1998 klappt die Kooperation Kunst und Werbung, bei der begleitend zu fünf Ausstellungen beispielsweise Händler ihre Schaufenster dekorieren, Flyer verteilen, Fahnen und Plakate im Stadtbild erscheinen oder auch Mitmach-Aktionen am Flughafen zum Kunstbesuch animieren sollen. Es funktioniert ausgezeichnet, sagt Otmar Böhmer, Geschäftsführer der Kunstsammlung NRW.
Das ist auch bitter notwendig. Der Etat der Kunstsammlung NRW für das Bewerben einzelner Ausstellungen ist arg begrenzt, wird enger, sagt Böhmer. Um auf beispielsweise 280000 Besucher wie bei der Matisse-Ausstellung 2005 zu kommen, müssen andere Dinge her. Zwar fließen rund 500.000 Euro aus dem Etat in die Werbung für die Picasso-Schau. Das reiche aber vorne und hinten nicht, sagt Böhmer.
„Die jeweilige Ausstellung wird in die Stadt getragen“, beschreibt der Vorsitzende des Forum Stadtmarketing, Harald Feit, das Szenario. Das Carschhaus hat Schaufensterfronten dekoriert, in der Parfümerie Schnitzler gibt es neben Düften auch die gelben Bademäntel und Tickets zu kaufen. Picasso an jeder Ecke. Am Infopunkt in den Schadow Arkaden gibt seit dieser Woche Tickets, Kataloge und Produkte aus dem Museumsshop. Bisher kamen erst 55000 Besucher zu Picasso, die Veranstalter hoffen mittlerweile auf nur noch 150000 Besucher. Deshalb wird die Ausstellung im K20 auch bis zum 10.Juni verlängert.
Die Infrastruktur für das flächendeckende Werben in den Geschäften ist jedoch da. „Wir greifen zurück auf mehr als 2500 Adressen des Einzelhandelsverbandes“, sagt Feit. Viele machen mit und werben in unterschiedlichster Form für Kunst. Solche Kooperationen sind einmalig in Deutschland. „Wir sind Vorreiter. Vorher gab es das nur einmalig beim Moma-Projekt in Berlin und in einem Museum in Emden“, erzählt Böhmer.
Doch es gibt auch noch einen interessanten Punkt, der den Verantwortlichen aber verschlossen bleibt: der Hauptbahnhof. „Die Deutsche Bahn verlangt Geld, damit wir dort werben könnten. Anders kommen Sie dort nicht hinein“, sagt Böhmer. Dabei sprudeln andere Einnahmequellen immer üppiger. Wie während der Berliner Moma-Austellung, gewinnt auch in Düsseldorf das Merchandising ein immer größeres Gewicht. Während die Bilder von Matisse in der Kunstsammlung hingen, stieg der Umsatz beim Verkauf von Tassen, Kalendern oder Katalogen auf mehr als eine Million Euro. „Mehr geht fast nicht“, sagt Böhmer.
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