Streit um Anmeldelisten: Gymnasien so gefragt wie nie
VON GÖKÇEN STENZEL, LAURA IHME UND OLGA JALOWY - zuletzt aktualisiert: 23.03.2011 - 08:00Düsseldorf (RPO). Dennoch: Alle Düsseldorfer Schüler sollen einen Platz bekommen. Um die Anmeldelisten der Verwaltung gibt es Streit. Sie vergleichen nicht länger die Zahlen der einzelnen Schulen und machen ein Ranking unmöglich.
Die Gymnasien werden immer beliebter – und immer voller. Das geht aus den aktuellen Anmeldezahlen hervor, die Dienstag vorgelegt wurden und für Streit in der Politik sorgten. Demnach werden vom Sommer an rund 1770 Schüler in den fünften Klassen der Gymnasien sein. Das bedeutet, dass einige Schulen eine Klasse mehr einrichten müssen: Das Cecilien-Gymnasium, das Humboldt, das Geschwister-Scholl- und das Gymnasium Koblenzer Straße haben einen Zug mehr als noch im Vorjahr.
"Kein Wettrennen"
"Steigt die Schülerzahl in den nächsten Jahren weiter", so Schuldezernent Burkhard Hintzsche (SPD) im Schulausschuss, "müssen wir anbauen." Insgesamt abgelehnt und "umberaten" wurden 154 künftige Gymnasiasten sowie 116 Realschüler, wobei die Raumkapazitäten bei den Realschulen reichen. Die Gesamtschulen mussten 290 Kinder ablehnen, 180 davon allein an der Hulda-Pankok-Schule. Abgelehnt wurden auch viele Kinder aus dem Umland, eine Entscheidung, die Hintzsche verteidigte: "Wenn wir alle Wünsche aus dem Umland berücksichtigen wollen, brauchten wir ein weiteres Gymnasium." Düsseldorf müsse zuerst gewährleisten, dass alle Kinder aus der Stadt versorgt seien.
Der Streit entzündete sich an einem neuen Verfahren: Anders als in den Vorjahren hatte die Verwaltung nicht aufgeführt, wie viele Anmeldungen auf die einzelnen Schulen gefallen waren, stattdessen hatte sie die bereits "bereinigte" Liste ausgegeben. Sie enthält die tatsächlichen Aufnahme-, nicht aber die Anmeldezahlen und macht so ein "Ranking" der beliebtesten Schulen unmöglich.
"Ein Unding", so Clara Deilmann (Grüne), die beantragte, zum alten Verfahren zurückzukehren und dabei von der SPD unterstützt wurde. "Die Listen sind nicht aussagekräftig, denn sie sagen nichts über den Elternwillen. Wir brauchen die Zahlen, um die Schulentwicklung vernünftig zu planen." CDU und FDP lehnten den Antrag mit ihrer Mehrheit ab. Grund: Die konkreten Zahlen spiegelten auch immer eine "gewisse Mode bei den Eltern" wider, und es sei doch "erstaunlich", dass gerade die Grünen, die öffentliche Rankings bei Schulen stets ablehnten, hier anderer Meinung seien. Hintzsche hat das neue Vorgehen damit begründet, dass es ausdrücklicher Wunsch der Schulen gewesen sei, sich nicht länger an dem "Wettrennen" zu beteiligen. Dem sei man gefolgt.
Nach RP-Recherchen liegen bei den städtischen Gymnasien das Cecilien, Marie-Curie, Humboldt und Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium in der Spitzengruppe. Aufgeholt hat das Friedrich-Rückert-Gymnasium in Rath. Bei den privaten bleiben Suitbertus, Ursulinen und Fliedner an der Spitze. Alle drei Ersatzschulen hatten weit über 200 Anmeldungen, können aber nur zwischen 128 und 150 neue Schüler aufnehmen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







