Eltern protestieren: Härtere Fronten im Kita-Streik
VON ANANDA MILZ - zuletzt aktualisiert: 10.06.2009 - 07:58Düsseldorf (RPO). Rund 60 Eltern sind vor das Rathaus gezogen, um mit OB Dirk Elbers zu sprechen. Später kamen 400 Erzieherinnen dazu. Elbers zeigte sich nicht vor der Tür. Dennoch will die Stadt die Versorgung für hilfesuchende Eltern verbessern.
Der Unmut über den andauernden Kita-Streik wächst. Und zwar auf allen Seiten. Gestern waren es nicht nur rund 400 Erzieherinnen, die auf dem Marktplatz demonstrierten. Der Lärm, der mit dröhnenden Tuten und schrillen Pfeifen schon am Morgen ans Rathaus gedrungen ist, kam diesmal von mehr als 60 betroffenen Eltern. Im lauten Sprechgesang protestierten sie: "Wir haben jetzt die Nase voll, und finden es auch gar nicht toll."
Die Forderung der Eltern am 13. Streiktag: Sie wollen den Oberbürgermeister sprechen, um ihm persönlich einen Brief zu überreichen. "Wir sind Bürger dieser Stadt, und Elbers ist unser Ansprechpartner", betonte Andrea Hölscher, Elternratvorsitzende der Kita Emil-Barth-Straße.
In den an Elbers adressierten Brief skizzieren die Eltern ihre Probleme, die sich seit Beginn der Warnstreiks vor mehr als vier Wochen für sie stellen und immer mehr zuspitzen. Zu wenig Notfallplätze, Kinder, die hin- und hergeschoben werden, ungeduldige Arbeitgeber und mittlerweile sogar der drohende Verlust von Arbeitsplätzen – all das seien Themen, mit denen sich betroffene Eltern und vor allem alleinerziehende Mütter auseinandersetzen müssten, erklärte Hölscher.
Im Rathaus indes herrschte Zurückhaltung. Elbers zeigte sich zur persönlichen Übergabe des Briefs vor dem Rathaus nicht. "Ich habe Verständnis für die Erzieherinnen. Ich habe kein Verständnis für das, was vor dem Rathaus abläuft", begründete er seine Distanziertheit. Denn so Elbers weiter: "Die Verhandlungen zwischen Gewerkschaften und dem Verband der kommunalen Arbeitgeber laufen. Und trotzdem sind es wieder 47 von 106 Kitas, die bestreikt werden."
In kleinerer Runde setzte sich Sozialdezernent Burkhardt Hintzsche jedoch mit Vertretern des Elternrats zusammen und gab folgendes Versprechen: "Mit dem Jugendamt wollen wir eine gezieltere Versorgung für alle Eltern schaffen, die sonst in große Schwierigkeiten kommen würden." Des Weiteren sicherte das Jugendamt zu, dass Betriebsausflüge wie am Montag in der Kita Düsselthaler Straße oder Fortbildungen während der Streikphase komplett untersagt werden sollen. Zudem wächst die Nachfrage bei privaten Kita-Betreibern der Stadt wie dem PME-Familienservice. "Die Eltern sind ganz schön in der Bredouille. Bei uns sind in den vergangenen Wochen 50 Kinder dazugekommen", sagte Einrichtungsleiterin Sarah Petereit.
Generell scheint die Solidarität der Eltern gegenüber den Streikenden zu sinken. Als zusätzlich zu den protestierenden Eltern um die Mittagszeit rund 400 Erzieherinnen den Marktplatz bevölkerten, wurde die Stimmung noch angespannter.
"Es heißt immer so lapidar, man streikt für die Kinder. Aber in Wirklichkeit ist das ein Kampf auf dem Rücken der Eltern und Kinder", sagte Gitta Kleinberger, Mutter eines Zweijährigen. Einige Eltern überlegten inzwischen sogar, die Überweisung der Kita-Gebühren zu stornieren. Der Grund: Die Leistung dafür werde nicht erbracht.
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