Düsseldorf: Hafen greift eigenen Rekord an
VON STEFAN KAUFMANN - zuletzt aktualisiert: 17.10.2008 - 07:57Düsseldorf (RPO). Vor fünf Jahren fusionierten die Häfen von Düsseldorf und Neuss. 2007 wurden mit Schiff und Bahn 16,2 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen, die GmbH erzielte 40 Millionen Euro Umsatz. Zahlreiche Produkte passieren das Logistik-Zentrum: Früchte, Erdöl und jährlich 500 000 Autos.
Täglich steuern riesige Schiffe voll bepackt mit Containern die Anlegestellen in Düsseldorf und Neuss an, Eisenbahnen transportieren Waren aus aller Welt von den Seehäfen Rotterdam und Antwerpen in den Hafen der Landeshauptstadt. Ananas kommt aus Kolumbien, Jeans aus Hongkong, Aluminiumoxid aus Australien. Im Schatten des Medienhafens wurden im vergangenen 16,2 Millionen Tonnen Güter mit Schiff und Bahn umgeschlagen. Ein Rekordergebnis für die vor fünf Jahren fusionierten Neuss-Düsseldorfer Häfen.
Wie hat sich das Geschäft seit 2003 entwickelt?
Die Fusion beendete den jahrzehntelangen Wettbewerb zweier Häfen in unmittelbarer Nachbarschaft. Seitdem stieg die Menge der Güter, die die Häfen passiert, kontinuierlich: Der Schiffsgüterumschlag von rund 7,5 Millionen (2003) auf etwa zehn Millionen Tonnen (2007), der Eisenbahngüterverkehr von knapp vier Millionen (2003) auf rund 6,2 Millionen Tonnen (2007).
Zurzeit bremst die Konjunktur-Krise das Transport-Geschäft. „Wir erwarten aber, dass wir in diesem Jahr an das Vorjahresergebnis herankommen“, sagt Rainer Schäfer, Geschäftsführer der Häfen-GmbH. „Damit stehen wir besser da als die meisten anderen am Markt.“ Das Wachstum spiegelt sich auch bei den Beschäftigten wider: 185 waren es vor fünf Jahren, heute sind es 270.
Wie groß ist der Industriehafen?
Das Hafengelände erstreckt sich über rund 500 Hektar. 150 davon liegen auf Düsseldorfer Stadtgebiet. Durch den Medienhafen und das Kraftwerk auf der Lausward kann nicht weiter expandiert werden. Es geht den Hafen-Betreibern daher vor allem darum, die bestehende Fläche besser zu nutzen. Zurzeit wird ein Container-Terminal für zehn Millionen Euro umgebaut.
Wer profitiert vom Hafen?
„Unsere Aufgabe ist die Versorgung der Region mit Konsumgütern“, sagt Schäfer. Zudem wickeln zahlreiche Unternehmen ihre Import- und Exportgeschäfte über die Drehscheibe ab. Der Düsseldorfer Industriehafen (ohne Neuss) bedient den Markt bis ins Bergische Land – vor allem Automobil-Zulieferbetriebe – und im Süden bis Monheim. Rund 250 Firmen nehmen den Hafen in irgendeiner Form direkt in Anspruch.
Welche Güter werden dort umgeschlagen?
In der Automobil-Logistik sind Neuss und Düsseldorf der größte Standort in Nordrhein-Westfalen. Etwa 500 000 Fahrzeuge werden dort pro Jahr umgeschlagen, Daimler verschifft beispielsweise seine Sprinter nach ganz Europa. Aus Asien kommen hochwertige Elektroartikel und Kleidungsstücke nach Düsseldorf, der Einzelhandel wird mit Lebensmitteln versorgt, die in gekühlten Containern transportiert werden. Angeliefert werden außerdem Brennstoffe (Mineralöl), Papier, Getreide. Küstenmotorschiffe beliefern den Düsseldorfer Haferflocken-Hersteller Fortin mit Hafer aus Finnland. Der Transport von Steine und Erden für die Firma Knauf Gips ist ein weiteres lukratives Standbein.
Wie funktioniert der Industriehafen?
Der Hafen führt Lkw, Eisenbahnen und Schiffe zusammen. Im Jahr 2007 erreichten etwa 9100 Binnenschiffe und 4800 Züge den Knotenpunkt. Tägliche Verbindungen über die Schiene gibt es nach Rotterdam, Antwerpen, Rostock, Lübeck Hamburg, nach Italien und Österreich. Über den Rhein sind die Neuss-Düsseldorfer Häfen mit Rotterdam, Antwerpen und Amsterdam verbunden. Im vergangenen Jahr stagnierte der Schiffsverkehr erstmals seit der Fusion vor fünf Jahren, verlagerte sich ein Teil des Transports von der Wasserstraße auf die Schiene. „Die Seehäfen laufen mit Containern voll“, erläutert Schäfer.
Welchen Stellenwert haben die Neuss-Düsseldorfer Häfen?
Unter den deutschen Binnenhäfen rangiert das Hafen-Duo mit 16,2 Millionen Tonnen Güterumschlag und einem Jahresumsatz von etwa 40 Millionen Euro auf Platz drei. Unangefochten an der Spitze steht Duisburg, gefolgt von Köln. „Wir holen auf, haben Köln vor Augen“, sagt Schäfer. Dass drei Binnenhäfen aus der Region die Spitzenplätze belegen, liegt an der Struktur von NRW. Die Bevölkerungsdichte und die immer noch ausgeprägte Industrielandschaft spielen den Logistik-Zentren in die Hände.
Gibt es Neuheiten am Standort?
Auf Neusser Seite werden sich im kommenden Jahr zwei Weltkonzerne niederlassen: Stahlproduzent Arcelor-Mittal bekommt ein neues Distributionszentrum für Europa, der weltgrößte Container-Reeder Maersk baut ein eigenes Terminal. Integriert wird darin ein Fruchtzentrum für exotische Leckereien aus Südamerika. Expandieren können die Neuss-Düsseldorfer Häfen inzwischen auch in Krefeld – die GmbH hält seit Mai diesen Jahres am dortigen Rheinhafen 49 Prozent der Anteile und hat auch die wirtschaftliche Verantwortung übernommen.
Was sind die Aufgaben der Zukunft?
Nach Studien des Landes wird sich der Container-Umschlag in NRW bis 2015 in NRW verdoppeln. Durch zunehmende Arbeitsteilung und den wachsenden Markt in Asien werden immer mehr Produkte und Vorprodukte über Meere und Flüsse verschifft. Als Schnittstellen in diesem Warenverkehr kommt auf die Häfen die Aufgabe zu, dieses Wachstum zu verwalten.
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