Sprung aus dem Fenster: Haft: Ex-Fortune soll Auftraggeber sein
VON PETER BÖTTNER UND STEFANI GEILHAUSEN - zuletzt aktualisiert: 19.02.2010 - 07:28Düsseldorf (RPO). Der frühere Abwehrspieler der Fortuna-Reserve, Hassan N., soll den Auftrag gegeben haben, einen Schuldner zu verprügeln. Der war in Panik vor den Schlägern – einer ist vorbestrafter Profiboxer– aus dem Büro im dritten Stock gesprungen. Das betreibt N. mit einem ehemaligen Team-Kollegen.
Zwei Tage nach dem panischen Sprung eines 24-Jährigen aus dem dritten Stock eines Bürohauses an der Berliner Allee fahndet die Polizei mit Hochdruck nach den beiden Männern, die den jungen Düsseldorfer geschlagen und bedroht haben sollen. Einer von ihnen ist Kalonga T., ein Schwergewichtsboxer aus dem Kongo, der schon einmal nur von einem Spezialeinsatzkommando der Polizei überwältigt werden konnte.
Im Sommer 2003 hatte der damals 20-jährige 104-Kilo-Mann mit drei Komplizen eine Litauerin verschleppt und vergewaltigt, die zur Prostitution gezwungen werden sollte. Unter anderem wegen schweren Menschenhandels war der in Neuss aufgewachsene T. zu einer sechsjährigen Jugendstrafe verurteilt worden. Seit seiner Haftentlassung lebt er als Profiboxer in Düsseldorf und interessiert sich laut seiner eigenen Internetseite für "Museen und moderne Kunst".
Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass er und sein noch nicht identifizierter Komplize den 24-Jährigen im Auftrag eines Call-Center-Betreibers verprügelt haben sollen. Dem schuldete der junge Mann Geld, weshalb Hassan N. ihn am Dienstagabend zu sich bestellte. Doch statt des angeblich versprochenen ruhigen Gesprächs über eine moderate Rückzahlung, soll N. das Opfer eingesperrt und die Schläger auf ihn losgelassen haben.
Vor denen war der Düsseldorfer, der selbst erst kürzlich aus dem Gefängnis entlassen worden ist, in Panik aus dem Fenster gesprungen. Warum er Hassan N. Geld schuldet, hat der Schwerverletzte der Polizei bislang nicht sagen wollen.
Zumindest polizeilich war Hassan N. bislang ein unbeschriebenes Blatt. Bei Fortuna hat der 29-Jährige eine Zeitlang in der zweiten Mannschaft gespielt und zuletzt im September einen Zwei-Jahres-Vertrag mit Turu Düsseldorf vorzeitig beendet.
Zu alt für die Bank
"Als der Trainer ihn nicht aufstellte, hat er seine Sachen gepackt und gesagt, er sei zu alt, um auf der Bank zu sitzen", sagt Turu-Hauptsponsor Heinz Schneider, der N. selbst zum Verein geholt hatte. "Ich habe ihn als liebenswerten Menschen und aufrechten Sportsmann kennengelernt – aber keinen privaten Kontakt zu ihm." Auch zu den anderen Spielern habe der mit Frau und Kind in Kaarst lebende N. keine persönlichen Kontakte gepflegt.
Bei Fortuna war das offenbar anders. Mit Teamkamerad Ben Abelski betreibt N. seit zweieinhalb Jahren die Telefonmarketingfirma, aus der sich der 24-Jährige jetzt stürzte. Abelski, der selbst vor wenigen Monaten im Zusammenhang mit dem DFB-Wettskandal als Zeuge vernommen worden ist, versicherte unserer Zeitung: "Diese Sache hat mit der Firma nichts zu tun."
Erkenntnisse darüber, ob Sportwetten der Hintergrund für die Schulden des 24-Jährigen bei Hassan N. sind, hat die Staatsanwaltschaft derzeit nicht. Sie wirft N. Geiselnahme und versuchte Nötigung vor. Das Amtsgericht erkannte lediglich auf Freiheitsberaubung und versuchte Nötigung, erließ einen Haftbefehl und setzte den außer Vollzug. Nach einer Beschwerde der Staatsanwaltschaft muss nun das Landgericht entscheiden, ob N. weiter in Untersuchungshaft bleibt.
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