Schlecker-Überfall: Haft für Ex-Stasi-Mitarbeiter
VON WULF KANNEGIESSER - zuletzt aktualisiert: 09.02.2010 - 17:22Düsseldorf (RPO). Kurzen Prozess machte das Landgericht am heutigen Dienstag mit einem früheren Box-Champion der DDR: Für sechseinhalb Jahre muss der Ex-Stasi-Helfer (65) in Haft, weil er bei einem Raubüberfall 400 Euro erbeutet hat.
Fast schon flehentlich beteuerte der Angeklagte vor dem Landgericht immer wieder seine Unschuld: „Ich hab’ nur das Pech, dass ich vorbestraft bin“, schnaubte der 65-jährige Bewohner einer Obdachlosenunterkunft gestern auf der Anklagebank. Im August 2009 soll er an der Kölner Straße eine Schlecker-Filiale überfallen, eine Verkäuferin mit einem Steakmesser bedroht und den Kassenbestand von 400 Euro erbeutet haben. „Aber das ist ganz klar gelogen, die Frau hat das erfunden, hat das Geld selber eingesteckt“, wetterte der Angeklagte. Das Gericht war nach Anhörung des Überfalls-Opfers jedoch vom Gegenteil überzeugt und schickte ihn wegen schweren Raubes für sechseinhalb Jahre hinter Gitter.
„Noch niemals“ habe er eine Frau bedroht, betonte der kleine, kantige Mann. Immerhin habe er einst neun Kinder mit sechs Frauen gezeugt und habe sich für ein weiteres amouröses Abenteuer am Überfalltag in jenem Drogeriemarkt an der Kölner Straße noch extra mit Kondomen versehen. „Ich hab’ die bezahlt, bin raus, das ist alles gewesen!“ Doch das Gedächtnis der 25-jährigen Verkäuferin wurde ihm zum Verhängnis. Die Frau konnte eine präzise Beschreibung des Räubers abgeben, sogar dessen Socken schildern – und sich daran erinnern, dass er eine Wollmütze trug, an der ein etwa sieben Zentimeter langer Faden abstand. Und genau so eine Mütze ist zwei Wochen später beim Angeklagten gefunden worden.
Unter Tränen berichtete die Frau gestern, dass sie beim Durchblättern von Polizeifotos damals eine Aufnahme des Angeklagten sofort erkannt habe: „Das war, als stünde er plötzlich wieder neben mir, ich habe sofort losgeweint und innerlich gezittert.“ Zwischen dieser Aussage und der Version des Angeklagten mussten die Richter also entscheiden. Laut Urteil gab es aber keine Zweifel, wer hier die Wahrheit gesagt hatte.
Immerhin ist der Lebenslauf des Angeklagten von jeher durch Gewalt geprägt. Der Ex-Kampfschwimmer und Berufssoldat der DDR-Armee will danach als Boxer und DDR-Staatsamateur auch dem späteren Box-Weltmeister Sven Ottke den Faustkampf beigebracht haben. Und Anfang der 1980-er Jahre hatte der Angeklagte vom DDR-Ministerium für Staatssicherheit sogar den Auftrag zur Ermordung eines geflüchteten DDR-Fußballers akzeptiert.
Aber nur zum Schein, wie er angab. Er habe bloß seine damalige Frau in den Westen nachholen wollen, aber den Mordauftrag nie ausgeführt. Doch hat er hier inzwischen seit 1981 neun Vorstrafen angesammelt (auch wegen Körperverletzung) sowie zwei Bewährungen. Unter allen diesen Umständen hatte die Staatsanwältin für den Überfall auf den Schlecker-Markt sogar acht Jahre Haft beantragt.
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