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Fortuna Düsseldorf - Hamburger SV
  Foto: dpa, Jonas Güttler
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Fußballspiele und Konzerte: "Haftstrafen für Bengalo-Chaoten"

VON STEFANI GEILHAUSEN - zuletzt aktualisiert: 27.11.2012 - 08:32

Düsseldorf (RPO). HSV-Fans setzten mit ihren Fackeln eine Fahne in der Arena in Brand, beim Konzert der Toten Hosen brannten Bengalos im Publikum. Die Polizei ermittelt wegen Sprengstoffdelikten, CDU-Politiker Andreas Hartnigk will härtere Sanktionen.

Die Brandschutzwache der Düsseldorfer Feuerwehr hat am Freitagabend in der Arena das Schlimmste verhindert, in dem sie schnell ein durch bengalische Fackeln in Brand gesetztes Banner am Zaun des Gästefan-Blocks löschte. Mit dem übrigen von der Fortuna engagierten Sicherheitspersonal gingen Kommunalpolitiker am Montag hart ins Gericht. „Wenn die Einlasskontrollen mangelhaft sind, nützen auch Sicherheitskonzepte nichts“, sagte Manfred Neuenhaus (FDP).Feuerwerkskörper seien viel zu leicht in die Arena zu bringen: „Wir brauchen keine Ganzkörperkontrollen. Eine Nachschulung für die Ordner würde womöglich reichen.“

Und auch der ordnungspolitische Sprecher der CD-Ratsfraktion, Andreas Hartnigk, zweifelt am privaten Sicherheitsdienst in der Arena: „Man konnte den Eindruck haben, dass die Ordner die Ersten wären, die bei Gefahr die Beine in die Hand nehmen.“ Hartnigk hat das Feuer im HSV-Block selbst im Stadion erlebt. „Eine gefährliche Situation“, in der die Ordner hätten einschreiten müssen. „Das kann nicht Sache der Polizei sein, die wird anderswo gebraucht, etwa um Gewalttäter in der Altstadt aufzuhalten.“

Info

Tatbestände

Giftgas-Gefahr oder Sprengstoff-Delikt

Sprengstoffgesetz In Paragraph 40 heißt es: „Wer ohne erforderliche Erlaubnis (...) explosionsgefährliche Stoffe erwirbt oder mit diesen Stoffen umgeht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Wer wissentlich durch eine der (...) bezeichneten Handlungen Leib oder Leben eines anderen (...) gefährdet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Giftgas Einige Staatsanwaltschaften beschuldigen Bengalo-Täter wegen der Rauchentwicklung auch der „schweren Gefährdung durch die Freisetzung von Giften“.

Hartnigk, hauptberuflich Rechtsanwalt, plädiert für deutlich härtere Strafen gegen alle, die bei Veranstaltungen mit Pyrotechnik hantieren. „Feuerwerk darf in Deutschland vom 28. bis 31. Dezember verkauft und nur zu Silvester abgebrannt werden. Alles andere ist verboten, und wer sich daran nicht hält, muss gnadenlos bestraft werden – bis hin zu Freiheitsstrafen.“ Auch bei zwei Konzerten der Toten Hosen am Wochenende hatten Fans im ISS-Dome die bis zu 2000 Grad heißen Bengalos angezündet. Die Polizei ermittelt deshalb wegen eines Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz.

Entsprechend lautet auch der Vorwurf gegen die Hamburger Fußballfans, die mit der Fackel ihr eigenes Banner zerstörten. Anhand der Videoaufnahmen aus dem Stadion hoffen die Ermittler, die Täter identifizieren zu können. Norbert Czerwinski (Grüne) sieht dringenden Handlungsbedarf in Sachen Bengalos. „Wir können nicht warten, bis so ein Ding mal in der U-Bahn brennt. Die Fackeln müssen geächtet werden.“

Das sieht auch Martin Volkenrath (SPD) so. Wenn die Masse der Fans sich gegen Pyrotechnik stelle, sei mehr zu erreichen als mit Repressalien. „Die beste Kontrolle kommt immer aus der eigenen Gruppe.“ „Die Fortuna hat die besten Fans der Welt“, versichert Ratsherr Neuenhaus. Allerdings fühlten sie sich schnell kriminalisiert und neigten dazu, sich auch mit denen zu solidarisieren, „die sich kriminell verhalten.“ Neuenhaus appelliert an die Fans, sich von den Straftätern in den eigenen Reihen zu distanzieren und sich mit den Gefahren der Pyrotechnik auseinanderzusetzen. „Stimmungsvoll ist das nicht.“

Martin Volkenrath kritisiert auch die Ínnenministerkonferenz, die einen Vorstoß des DFB, in einigen Stadien Pyrotechnik in gesichertem Rahmen abzubrennen, gestoppt hatte. „Da wurden die Fans ausgegrenzt, statt sie in die Sicherheitskonzeption einzubinden.“ Wenn die Verantwortlichen aber nicht die Fans mit ins Boot holten, fürchtet Volkenrath eine Situation wie in England, mit hohen Ticketpreisen und emotionsloser Atmosphäre in Sitzplatzstadien: „So einen Fußball will ich nicht.“ Aktuell sieht Volkenrath keinen anderen Weg als starke Polizeipräsenz, „auch wenn das teuer ist und für die Beamten sicher nicht angenehm.“

Im Zusammenhang mit dem HSV-Spiel leisteten Polizisten in Düsseldorf mehrere Tausend Stunden Dienst. Am Dienstagabend wird das in Dortmund nicht anders sein, und wenn am Freitagabend die Frankfurter Eintracht zu Gast in der Arena ist, wird die Polizei das als hochriskant eingestufte Spiel mit einem noch größeren Aufgebot sichern.

Lesen Sie auch den Kommentar "Fans sollten sich zur Wehr setzen".

Quelle: jco/ila/top
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