Düsseldorfer Courage: Handeln statt weggucken
VON STEPHANIE SCHOLZ - zuletzt aktualisiert: 24.08.2005 - 17:06Düsseldorf (dto). Acht couragierte Düsseldorfer wurden jetzt mit der silbernen Ehrennadel der Aktion „Düsseldorfer Courage“ ausgezeichnet. Werner Leonhardt, Ordnungsdezernent und Vorsitzender des Kriminalpräventiven Rates (KPR), lobte die stolzen Preisträger für ihren selbstlosen Einsatz . „Wo andere Leute weggeschaut haben, griffen diese acht Bürger beherzt ein. Düsseldorf kann stolz auf sie sein“, erklärte er.
„Ich habe gar nicht darüber nachgedacht“, erzählte Taxifahrer Aptulkadir Isiksoy. Der 30-Jährige stellte im März 2005 gegen Abend einen Mann, der eine junge Frau vergewaltigen wollte. „Plötzlich riss die zitternde junge Frau die Tür meines Taxis auf und stotterte geschockt ,Überfall...Elektroschocker...Hilfe`. Sie zeigte auf einen Mann und ich dachte gar nicht darüber nach und fuhr einfach los,“ berichtete Isikosy stolz. An einer Unterführung stieg er aus und verfolgte den Täter zu Fuß.
„Der Mann drehte sich um und zeigte mir seinen Elektroschocker.“ Daraufhin packte den mutigen Taxifahrer die Wut, er drängte den Täter in eine Böschung und rief per Handy die Polizei. Die junge Frau hatte Glück, bei dem Täter handelte es sich um einen verurteilten Mörder, der seine Haft allerdings schon abgesessen hatte. Die Vergewaltigung war von ihm offensichtlich geplant worden, denn die Polizei fand Handschellen, Elektroschocker und Klebeband.
Olaf Kelterbaum (38) bewies sich mindestens genauso couragiert, als er an einem Abend im Oktober 2004 bemerkte, dass die dritte Etage des Nachbargebäudes brannte. Er zögerte keinen Moment und rannte in das in bereits Flammen stehende Haus. Kelterbaum klopfte an jede Tür und informierte die geschockten Bewohner über den Brand. Als er zu der brennenden Wohnung kam, trat er die Tür ein und führte den schwerverletzten Bewohner hinaus. „Es ist doch die normalste Sache der Welt, dass man anderen Menschen hilft,“ erklärte er bescheiden während der Preisübergabe. Mit einem Feuer hatten auch die beiden Arbeitskollegen Marcus Finkbeiner (30) und Thomas Neuhausen (37) zu kämpfen. Als sie im Juni dieses Jahres mit ihrem Werkstattwagen einer Rohrreinigungsfirma unterwegs waren, fiel ihnen ein brennendes Auto auf. Beherzt griffen sie zu der Hochdruckpumpe in ihrem Fahrzeug und löschten den Brand. „Das Auto ist in bester feuerwehrtechnischer Manier gelöscht worden“, lobte später die Feuerwehr.
Auch viele Jugendliche zeigen immer wieder Zivilcourage lobt Ordnungsdezernent Leonhardt. So auch der 16-jährige Vadim Hartok und sein 18-jähriger Freund Vitali Sebold. Beide stellten im November 2004 einen Einbrecher. Obwohl der Dieb mit einem Messer bewaffnet war, gelang es den beiden jungen Männern ihn zu stellen. Karl-Heinz Heesch (43) im Juni seiner 73-jährigen Nachbarin, die von einer jungen Frau im Hausflur bedrängt wurde. Die alte Frau klammerte sich geschockt an ihre Handtasche, während die Täterin sie mit einer Schere bedrohte. Gemeinsam mit anderen Passanten überwältige Heesch die heroinsüchtige 19-Jährige.
Hülya Goerke war die einzige Frau unter den ausgezeichneten Helden. Sie verhinderte Anfang März, dass eine britische Touristin am Flughafen-Bahnhof von drei Mädchen ausgeraubt wurde. Als sich die Handtaschendiebe aus dem Staub machen wollten nahm Goerke die Verfolgung auf und konnte eine Täterin niederringen. Die anderen zwei Langfinger konnte sie auf der Wache anhand von Fotos identifizieren.
Leonhardt betonte, dass Düsseldorf mehr Menschen braucht, die bei Verbrechen beherzt eingreifen und ihren Mitmenschen helfen. „Es ist aber auch wichtig, dass man sich nicht selbst gefährdet, oft genügt es schon wenn man per Handy schnell die Polizei ruft. Was wir nicht brauchen ist heldenhafter Aktionismus.“
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