"Abscheuliche Rache der serbischen Streitkräfte": Handke verurteilt Massaker von Srebrenica
zuletzt aktualisiert: 01.06.2006 - 17:41München/Berlin (dto). Peter Handke hat sich im Streit um die Vergabe des Heinrich-Heine-Preises nun selbst zu wort gemeldet und gegen Kritik an seiner Haltung zum Jugoslawien-Konflikt zur Wehr gesetzt. In einem Beitrag für die "Süddeutsche Zeitung" verwies Handke darauf, dass von allen Beteiligten des Kriegs im früheren Jugoslawien Verbrechen begangen worden seien. Zugleich nannte Handke das von bosnischen Serben verübte Massaker an Moslems in Srebrenica vom Juli 1995 "das schlimmste Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das in Europa nach dem Krieg begangen wurde". Srebrenica sei eine "abscheuliche Rache der serbischen Streitkräfte" gewesen.
Kritiker werfen Handke unter anderem geistige Nähe zum verstorbenen jugoslawischen Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic vor. Die Mehrheit aus SPD, FDP und Grünen im Düsseldorfer Rathaus hatte am Dienstag angekündigt, die Entscheidung der Heine-Preis-Jury für Handke zu kippen. In der "SZ" begründete Handke seine Teilnahme an der Beisetzung Milosevics im März damit, er habe sich gegen eine Vorverurteilung Milosevics und die Sprache der Medien wehren wollen. Loyalität zu Milosevic sei nicht das Motiv gewesen. Zugleich plädierte der österreichische Autor für ein offenes Gespräch über den Krieg im früheren Jugoslawien und dessen Folgen.
Nordrhein-Westfalens Kulturstaatssekretär und Jury-Mitglied Hans-Heinrich Große-Brockhoff distanzierte sich derweil erneut von der Entscheidung der Jury, an deren Sitzung er nicht teilgenommen hatte. Das Preisgremium habe die "ganz klaren Vorgaben" nicht eingehalten, sagte Grosse-Brockhoff im Deutschlandradio Kultur. "Dann ist es ein gutes Recht des Rates, der die Jury-Entscheidung bestätigen muss, dass er diese Bestätigung nicht vornimmt." Von einer Aberkennung könne keine Rede sein, da der Preis noch gar nicht anerkannt worden sei. Grosse-Brockhoff verwies in diesem Zusammenhang auf die lediglich beratende Funktion der Jury. Der "SZ" sagte der Staatsssekretär, er habe "nicht im Traum gedacht, dass es für Handke in der Jury eine Mehrheit geben würde". "Hätte ich das geahnt, hätte ich an der Sitzung teilgenommen."
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