Wett-Unfall in Düsseldorf: Heftige Kritik am ZDF
VON M. BRÖCKER UND G. VOOGT - zuletzt aktualisiert: 05.12.2010 - 22:08Düsseldorf (RPO). Düsseldorf (RP). Einem 23-Jährigen droht nach einem Unfall bei „Wetten, dass..?“ die Lähmung. Politiker werfen dem Sender Verantwortungslosigkeit vor. Schon bei der Probe der gefährlichen Wette hatte es Unfälle gegeben.
Die ZDF-Sendung „Wetten, dass..?“ ist am Samstagabend in Düsseldorf nach einem schweren Unfall abgebrochen worden. Ein 23-jähriger Wettkandidat wollte mit Sprungfedern an den Füßen über fünf frontal auf ihn zufahrende Autos unterschiedlicher Größe springen. Beim vierten Wagen stürzte der Student kopfüber auf den Bühnenboden und erlitt schwere Halswirbelverletzungen. Nach einer Notoperation in der Universitätsklinik Düsseldorf wurde er in künstliches Koma versetzt.
NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft zeigte sich bestürzt über den Zwischenfall. Die SPD-Politikerin saß bei der Sendung in der ersten Reihe. „Das ist unmittelbar vor uns passiert“, sagte die Ministerpräsidentin, „ich war geschockt und bestürzt und habe dann gebetet.“ Kurt Beck (SPD), Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Verwaltungsratsvorsitzender des ZDF, verlangte eine Aufklärung des Unglücks. Jetzt müsse in den Gremien hinterfragt werden, ob „die Grenzen des Verantwortbaren überschritten“ wurden.
"Verantwortungslos"
Monika Düker, Landeschefin der Grünen, warf dem Sender „Verantwortungslosigkeit“ vor. In der Probe zu der ZDF-Show war der Student zweimal schwer gestürzt. „Der Kampf um die Quote darf nicht zulasten der Sicherheit gehen“, erklärte Düker.
Peter Biesenbach, Innenexperte der CDU-Landtagsfraktion, forderte das ZDF auf, das Konzept der Sendung zu überdenken. „Auftritte, die nur dem Adrenalin-Kick dienen, gehören da nicht hin“, sagte Biesenbach. Die Sendung sollte sich auf Wetten beschränken, die „originell oder amüsant“ seien. FDP-Innenexperte Horst Engel sagte: „Der TÜV hätte so einen Auftritt niemals genehmigt, wenn man ihn gefragt hätte.“
ZDF-Moderator Thomas Gottschalk wies die Vorwürfe zurück. Riskante Wetten seien Teil des Programms. „Wir hatten sie immer schon, ob mit Motorrädern oder auf Skisprungschanzen“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“. Jetzt müsse man „überlegen, ob das so bleiben kann“. Das hänge auch davon ab, wie rasch es dem Kandidaten besser gehe. Programmdirektor Thomas Bellut erklärte, man werde „nicht einfach zur Tagesordnung übergehen“. Das Team werde daraus Lehren ziehen.
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