Dichtkunst auf der Bolkerstraße: Heine-Haus wird zum Literaturzentrum
zuletzt aktualisiert: 16.02.2006 - 17:42Düsseldorf (dto). Zwischen Kebap-Häusern, Altbierständen und holländischen Frittenbuden ist ein neues Literaturzentrum entstanden. Dort, wo Harry Heine am 13. Dezember 1797 das Licht der Welt erblickte, zieht nach umfassender Sanierung eine Buchhandlung ein und bildet den Eingang zu einem 235 Quadratmeter großen Veranstaltungsraum. Im alltäglichen Betrieb wird der Saal von der Buchhandlung als Literaturcafé und Treffpunkt für Literaturinteressierte geführt. Die Baukosten betrugen rund eine Millionen Euro.
„Dieses Haus wird einst sehr merkwürdig sein, und der alten Frau, die es besitzt, habe ich sagen lassen, dass sie beileibe das Haus nicht verkaufen solle. Für das ganze Haus bekäme sie jetzt doch kaum so viel wie schon allein das Trinkgeld betragen wird, das einst die grünverschleierten, vornehmen Engländerinnen dem Dienstmädchen geben, wenn es ihnen die Stube zeigt, worin ich das Licht der Welt erblickt“, schrieb Heinrich Heine in seinem Werk „Ideen. Das Buch Le Grand“ über sein Geburtshaus. Was rund zwei Jahrhunderte später aus dem Gebäude an der Bolkerstraße geworden ist, hätte den Dichter bestimmt gefreut:
Ins Erdgeschoss des Heine-Hauses zieht auf rund 110 Quadratmetern die Literaturhandlung „Müller & Böhm“ ein. Der neue multifunktionale Veranstaltungsraum im hinteren Bereich (235 Quadratmeter) ist allein allein durch die Buchhandlung zugänglich und bietet eine kleine Gastronomie. Die Verantwortung für den Saal trägt der Verein zur Förderung des Heinrich-Heine-Geburtshauses. Er koordiniert mit Partnern wie der Heinrich-Heine-Gesellschaft, dem Heine-Institut, dem Literaturbüro NRW oder dem Kulturamt und der Buchhandlung das kulturelle Programm. Im alltäglichen Betrieb wird der Saal von der Buchhandlung als Literaturcafé und Treffpunkt für Literaturinteressierte geführt.
Das Gebäude an der Bolker Straße hatte die Landeshauptstadt Düsseldorf gemeinsam mit der Stiftung Naturschutz, Heimat und Kulturpflege im Oktober 1990 erworben. Bereits damals waren Überlegungen angestellt worden, den seinerzeit zur Mata-Hari-Passage gehörenden Teil des Erdgeschosses zu einem Veranstaltungsraum umzubauen. Weil die Ladenpassage aus Brandschutzgründen zunächst geschlossen und dann ganz aufgeben wurde, wurde der Weg frei für die neue Lösung. Mit den Umbau- und Erweiterungsarbeiten wurde im Spätsommer 2005 begonnen. Die Baukosten von rund einer Million Euro wurden zu zwei Dritteln von der Stadt Düsseldorf aufgebracht, zu einem Drittel vom Land NRW. Auch die neu gegründete Bürgerstiftung Düsseldorf hat einen Beitrag zur Realisierung geleistet.
Der Umbau beschränkt sich auf das Erdgeschoss einschließlich der Kellerräume und die Fassade. Die Gestaltung der Fassade wurde in Abstimmung mit dem Denkmalschutz wieder an historische Vorbilder angelehnt. Die ältesten Fotoansichten, die der Denkmalpflege vorliegen, stammen aus dem Beginn des vergangenen Jahrhunderts und zeugen von einer kontinuierlichen Ladennutzung mit großen Schaufenstern im Erdgeschoss. Diese Fassadengestaltung wurde jetzt wieder aufgenommen.
Die Übergabe des Heine-Hauses durch Oberbürgermeister Joachim Erwin und NRW-Kulturstaatssekretär Hans- Heinrich Grosse-Brockhoff wird am 17. Februar, Heines 150. Todestag, an die künftigen Nutzer - die Literaturhandlung Müller & Böhm und den Förderverein des Heine-Geburtshauses - feierlich übergeben. Am Wochenende folgt im neuen Heine-Haus ein Lesemarathon mit Peter Bichsel, Oswald Egger, Wilhelm Genazino, Durs Grünbein, Georg Klein, Barbara Köhler, Yoko Tawada, Birgit Vanderbeke und Christian Brückner. Der Lesemarathon beginnt Samstag um 16 und Sonntag um 12 Uhr. Der Eintritt ist frei.
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