OB Erwin informierte Schriftsteller per Telefon: Heine-Preis 2004 für Robert Gernhardt
zuletzt aktualisiert: 03.03.2004 - 17:01Düsseldorf (dto). "Wer schreibt, bleibt - Wer spricht, nicht!" Die Gedichtzeile von Robert Gernhardt scheint zu stimmen. Denn der Schriftsteller, Lyriker und Karikaturist ist der diesjährige Träger des Heinrich-Heine-Preises. Die Auszeichnung ist mit 25.000 Euro dotiert und wird im Dezember verliehen. Per Telefon informierte OB Joachim Erwin den Gewinner. Gernhardt will mit „Freuden annehmen“.
Mit Heine verbindet den Autor so manches, nicht zuletzt das gemeinsame Geburtsdatum, der 13. Dezember. Die Preis-Jury begründete ihre Entscheidung wie folgt: „Robert Gernhardt begleitet seit Jahrzehnten im Sinne Heinrich Heines als kritischer Beobachter, Dichter und Karikaturist die „deutschen Zustände“. Alles Hohle, alles Vordergründige gibt er der Lächerlichkeit preis. Mit Humor und Ehrlichkeit setzt er sich für ein demokratisches Miteinander ein.“
Gernhardt wurde am 13. Dezember 1937 als Sohn eines Richters in Reval /Estland (heute Tallinn) geboren. Er studierte Malerei und Germanistik in Stuttgart und Berlin. Seit 1954 lebt er als freier Schriftsteller, Maler, Zeichner und Karikaturist in Frankfurt am Main. Er gehörte zu den Stars der Satire-Zeitschriften „Pardon“ und „Titanic“.
Anfang der 80er Jahre gelang ihm dann der Durchbruch zum „anerkannten Gegenwartsliteraten“, wie er voller Selbstironie bekundete. Kinderbücher, Zeichnungen, Gedichte, Essays, Erzählungen, auch ein Bühnenstück und ein Roman demonstrieren, dass sich Gernhardts Werk längst nicht mehr auf das Humorfach beschränken. Besonderen Stellenwert genießt nach wie vor die Lyrik.
Seine Parodiekunst demonstrierte er 1998 wieder mit dem Band „Klappaltar. Drei Hommagen“, in dem er sich mit Respekt aber auch Lust den Dichtern Heine, Brecht und Goethe widmete. Den Rezensenten lieferte er damit das Stichwort, Gernhardt selbst sei in die Tradition großer deutscher Dichter wie Heine, Brecht und Kästner zu stellen.
Den Preis, den Düsseldorf zu Ehren des 1797 geborenen Heinrich Heine gestiftet und 1972 erstmals verliehen hat, wird in diesem Jahr zum 15. Mal verliehen. Zu den bisherigen Preisträgern zählen unter anderem Walter Jens (1981), Carl Friedrich von Weizsäcker (1983), Max Frisch (1989), Wolf Biermann (1993), Hans-Magnus Enzensberger (1998) und Elfriede Jelinek (2002).
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