Hock oder Wurm: Heute entscheidet die SPD
VON DENISA RICHTERS - zuletzt aktualisiert: 26.02.2007 - 08:30Düsseldorf (RPO). Die anstehende Wahl der Fraktionsspitze, bei der Bürgermeisterin Gudrun Hock gegen Amtsinhaber Günter Wurm antritt, hat die Sozialdemokraten viele Nerven gekostet. Heute Abend gegen 20 Uhr heißt es: Er oder sie?
Günter Wurm ist tief in der Düsseldorfer SPD verankert und kann auf eine klassische Genossen-Karriere blicken: 1973 trat er in die Partei ein, begann als Schriftführer im Ortsverein Friedrichstadt, dessen Vorsitzender er 16 Jahre lang war, er war zehn Jahre Mitglied der Bezirksvertretung 3 und wurde 1989 Ratsherr. Wurm ist Experte für Stadtplanung und Bauen.
2002 wurde er Fraktionschef, nachdem Hans-Otto Christiansen aus Altersgründen den Posten geräumt hatte. Wurm galt vielen anfangs als spröde, genießt inzwischen aber auch in weiten Teilen der Partei Respekt für seine Arbeit in der Fraktion. Als nach der verlorenen Kommunalwahl 2004 und einigem Hin und Her feststand, dass Hock den Fraktionsvorsitz nicht übernimmt, wurde Wurm mit einer Gegenstimme wiedergewählt.
Er gilt in der Fraktion als Teamplayer, der andere Meinungen akzeptiert und ausdiskutiert, bis die Genossen eine einheitliche Meinung nach außen vertreten. Das Rampenlicht war nie Wurms Sache. Von Beginn an stellte er klar, dass er als OB-Kandidat nicht in Frage kommt. Er kennt die Fähigkeiten der Fraktionsmitglieder und lässt ihnen auf Kompetenz-Gebieten den Vortritt. Sollte Wurm gewinnen, will er mit dem gleichen Vorstand, unter anderem Stellvertreterinnen Petra Kammerevert und Helga Leibauer wieder antreten.
Projekte, an denen der 57-Jährige beteiligt war und auf die er stolz ist, sind „Leben in der Fabrik“ (Salzmannbau Bilk), die Umgestaltung des Fürstenplatzes, die Entwicklung des Hafens und die Tieferlegung der Rheinuferstraße, für die er sich einst von Gegnern sogar mit Tomaten bewerfen ließ.
Gudrun Hock räumt selbstbewusst ein, keine typische SPD-, sondern eine Fach-Karriere gemacht zu haben - über Vorschlagsrecht in den Spitzen verschiedener Stadtverwaltungen. Ein rotes Parteibuch besitzt sie seit 1980 und legt auch Wert darauf, stets in den Städten, in denen sie gelebt hat, dem jeweiligen Ortsvereins- bzw. Bezirksvorstand angehört zu haben.
Konkrete Projekte habe sie in Düsseldorf noch nicht umsetzen können, das sei aus der Opposition heraus schwierig. Aber Themen, für die sie steht, weiß die 48-Jährige viele: Die Diskussion um kinder- und familienfreundliche Politik sei eine „Herzenssache, in der ich die CDU selbstverständlich vor mir hergetrieben habe“. Weitere Anliegen sind preiswertes Wohnen in der Stadt für Alt und Jung, hohe Lebensqualität und stabile Gebühren. „Dafür stehe ich mit meiner Vita.“ Auch der Mittelstand liegt Hock am Herzen, denn der werde von Oberbürgermeister Erwin vernachlässigt, so ihre feste Überzeugung. Der ausgleichende Stil eines Günter Wurm ist Hocks Ding nicht.
Als Fraktionschefin möchte sie Verantwortung nach innen und nach außen tragen, nach eigenen Worten eine klare Linie vorgeben und eine Strategie in die Zukunft. Sie möchte für Einheit in der Fraktion sorgen und „nicht von früh bis spät verschiedene Meinungen diskutieren“. Polarisieren gehört auch zu ihrem Verständnis von Opposition. Besonders gerne reibt sie sich thematisch am OB und will „dort hinterfragen, wo Erwinsche Politik Glanz und Glamour hinterherjagt“. Dass sie die Fraktionswahl mit ihrer Spitzenkandidatur verbindet, sieht Hock im Gegensatz zu anderen nicht als Druckmittel: „Ich habe nur ein Angebot gemacht, unter welchen Voraussetzungen ich wieder antrete.“
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