Nach Gewalt gegen Ordnungshüter: Hilfe für die Altstadt-Polizei
VON STEFANI GEILHAUSEN - zuletzt aktualisiert: 02.12.2008 - 07:26Düsseldorf (RPO). Von ihrem obersten Dienstherrn hat die Düsseldorfer Polizei im Kampf gegen die Altstadt-Gewalt wohl keine Hilfe zu erwarten. Innenminister Ingo Wolf (FDP) ließ am Montag ausrichten, die kräftezehrenden Einsätze auf der Partymeile seien „ein ausschließlich lokales Problem“, er könne sich „nicht um alle 47 Polizeipräsidien kümmern“. Dafür seien die Präsidenten da.
Nach dem Hilferuf eines Altstadtpolizisten, der vor einer sich „immer schneller drehenden Gewaltspirale“ warnte, hat Polizeipräsident Herbert Schenkelberg am Wochenende die Nachtschicht um gut 30 Beamte verstärkt.
Hier lesen Sie Auszüge des Hilferufs im Wortlaut.
Das funktionierte gut, wird aber keine Dauerlösung sein können. Denn so viele Polizisten hat das Präsidium Düsseldorf nicht. Gleichwohl scheint es derzeit keine bessere Lösung zu geben, als die Polizeipräsenz in der Altstadt zu verstärken.
Das sagt auch Theo Kassigkeit. Seit 20 Jahren ist er Türsteher, am Weißen Bär an der Bolker Straße eine Institution, die sich durchzusetzen weiß. Viele Polizisten könnten das nicht: „Die sind zu jung, um von unseren Gästen für voll genommen zu werden.“ Zumindest nicht von denen, die selbst voll sind. Dann steht schon mal eine Meute Volltrunkener ohne Job und Schulabschluss am Rande eines Polizeieinsatzes und grölt „Bravo, Polizeischule“.
Was sagen Sie zur zunehmenden Gewalt in der Altstadt?
Die Polizisten, auch die jungen, können damit leben, sagen sie. Ihr Chef Dieter Höhbusch, Leiter der Gefahrenabwehr im Präsidium, sieht im niedrigen Durchschnittsalter der Altstadtwache auch Vorteile. Junge Beamte sind fit und den allnächtlichen körperlichen Auseinandersetzungen mit Betrunkenen bestens gewachsen.
Alkohol ist eines der Hauptprobleme in der Altstadt. Er ist aber auch die Haupteinnahmequelle. Trotzdem sind auch den Wirten die Betrunkenen auf der Straße ein Dorn im Auge. Sie geben den Büdchen die Schuld. „Da decken sich viele mit billigem Bier ein und machen bei uns vor der Tür Ärger“, sagt Knoten-Chefin Isa Fiedler. Türsteher Kassigkeit weiß aus eigener Beobachtung: „Da wird auch an Minderjährige Schnaps verkauft.“
Die Büdchen abzuschaffen, sei rechtlich nicht möglich, betonte gestern Ordnungsdezernent Werner Leonhardt. Für Polizeipräsident Schenkelberg nicht zwingend ein Hinderungsgrund: Er hofft, die Düsseldorfer Land- und Bundestagsabgeordneten für eine Gesetzesänderung gewinnen zu können.
Schenkelberg will aber auch eine andere Möglichkeit prüfen, den Suffexzessen Einhalt zu gebieten: ein Alkoholverbot auf den Altstadt-Straßen. Im Rat war ein entsprechender Vorstoß der CDU für die Freitreppe am Burgplatz gescheitert. Für die gesamte Altstadt aber hält Schenkelberg das für machbar.
Türsteher Kassigkeit ist von dieser Aussicht begeistert: „Wenn keiner mehr mit Flaschen durch die Straßen rennt – das wäre eine echte Verbesserung.“ Tobias Ludovigs, Sprecher der Altstadtwirte, findet die Idee nicht schlecht, hat aber Zweifel: „Wer soll das kontrollieren?“
Dass der Polizeipräsident neulich andeutete, die Verlängerung der Sperrstunde – seit sieben Jahren gibt es bloß noch 60 Minuten Putzpause von fünf bis sechs Uhr – würde die Polizeiarbeit erleichtern, hat die Wirte dagegen erschreckt. Isa Fiedler ist sicher: „Das wäre für 90 Prozent der Kneipen das Ende.“ Die langjährige Altstadt-Wirtin sähe lieber auch die letzte Sperrstunde fallen: „Dann entzerrt sich die Lage.“
Die Rheinbahn hat ihre Betriebspause übrigens schon aufgegeben. Seit Mitte Oktober pendeln an den Wochenenden die ganze Nacht lang Züge zwischen Heine-Allee und Hauptbahnhof – seitdem, so Rheinbahn-Sprecher Georg Schumacher, gibt es weniger Ärger an der U-Bahn-Station.
Wie bereits der Oberbürgermeister hat gestern auch der Ordnungsdezernent der Polizei Unterstützung zugesagt. Auch die Wirte wollen Vorschläge für ein Sicherheitskonzept machen. Dass die Polizei sich an der Warnkette der Gastronomen, die sich telefonisch über bedrohliche Bewegungen in der Altstadt informieren, nicht beteiligt, sei den häufigen Führungswechseln in der Wache geschuldet, vermutet Isa Fiedler: „Früher klappte das besser.“
Über solche Dinge soll bald am runden Tisch geredet werden. Auch darüber, dass die Türsteher oft viel zu lange auf die Polizei warten müssen. „Dann ist alles schon gelaufen“, sagt Kassigkeit: „Es sind einfach zu wenig Beamte.“ Vor fünf Jahren war’s schon einmal so. Da setzte die Polizei wochenlang ein so genanntes Interventionsteam ein, das ausschließlich zur Prävention da war.
Mit Erfolg. „Das war klasse, damals. Das brauchen wir wieder“, sagt Kassigkeit. Dafür aber braucht die Polizei das Personal. Und spätestens an diesem Punkt ist auch der Minister wieder gefragt.
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