museum kunst palast ehrt Jan Wellem: Himmlisch, herrlich, höfisch
VON ANNA HARTNACK - zuletzt aktualisiert: 10.09.2008Düsseldorf (RPO). Einer der Höhepunkte der neuen Ausstellung im museum kunst palast ist ein Prunkschlitten, der wahrscheinlich Jan Wellem gehört hat. Zu seinem 350. Geburtstag wird das ehemals blattvergoldete Exponat ab 20. September ausgestellt.
Dem Museum Kunst Palast hat das Historische Museum Basel eine Leihgabe von unschätzbarem Wert gemacht. Zur Ausstellung „Himmlisch-Herrlich-Höfisch“ stellt dasDüsseldorfer Museum einen Prunkschlitten aus dem Jahr 1710 aus – ein Gefährt, das wahrscheinlich von Kurfürst Johan Wilhelm und seiner Frau Anna Maria Luisa de’ Medici genutzt wurde.
Gefertigt wurde der barocke Prunkschlitten von Jan Wellems Hofbildhauer, Chevalier Gabriel de Grupello – eines der Indizien dafür, dass er dem Düsseldorfer Kurfürsten gehörte. Seit gestern steht der bronzierte Schlitten aus Massivholz im Museum Kunst Palast. Diana, Göttin der Jagd, des Mondes und der Toten, thront auf dem Schlitten – auch sie deutet auf das Düsseldorfer Fürstenpaar hin, das gleichermaßen jagdbegeistert war.
Rubens im Mittelpunkt
Direkte Beweise dafür, dass sich der Prunkschlitten im Besitz Jan Wellems und Anna Maria Luisa de’ Medicis befunden hat, gebe es nicht, aber eine Reihe von Indizien, sagt Eduard Belser vom Historischen Museum Basel. Als Kurier hat er das 130 Kilo schwere Einzelstück in einer gepolsterten Holzkiste nach Düsseldorf begleitet.
Der Schlitten ist mit weiteren Göttern und Halbgöttern versehen: zwei Tritonen, also Meeresgötter mit doppeltem Fischschwanz, begleiten den Schlitten. Sie sind in der Nähe der Kufen angebracht und nur wenige Zentimeter über dem Schnee in dem von einem Pferd gezogenen Gefährt dahin geglitten. Die Rückseite des Schlittens zieren musikalische Halbgötter – wegen der Kunst- und Sammelleidenschaft des Kurfürstenpaares deuten auch sie darauf hin, dass der Schlitten in deren Besitz war. Dass er als Dauerleihgabe in Düsseldorf bleibt – zuerst geht er nach London und in die USA – sei laut Kuratorin Bettina Baumgärtel „wünschenswert und denkbar“.
3-D-Animation
Mit Jan Wellems Prunkschlitten hat das Museum Kunst Palast eine direkte Verbindung zwischen der Himmlisch-Herrlich-Höfisch-Ausstellung und dem Jan-Wellem-Jahr hergestellt. Die Ausstellung stellt weitere Aspekte des Düsseldorfer Kurfürsten in den Mittelpunkt: Peter Paul Rubens’ Gemälde „Mariä Himmelfahrt“, das Jan Wellem ohne dessen Prunkrahmen einer Brüsseler Kirche abgekauft hatte, und das in Düsseldorf zu sehen ist, wird mit Hilfe einer 3-D-Animation in seinen Originalrahmen zurückversetzt. Insgesamt sei Rubens ein wichtiges Thema der Ausstellung, so Kuratorin Bettina Baumgärtel.
Kunst aus der Eremitage
Das Museum Kunst Palast hat auch im Musée des Beaux-Arts de Caen und der St. Petersburger Eremitage Leihgeber gefunden, wie auch in den Uffizien und dem Pitti Palast in Florenz – Museen in der Heimatstadt der Kurfürstin, denen Anna Maria Luisa de’ Medici ihre Kunstsammlung vermacht hat.
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