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Aus der Stadtgeschichte: Historische Bilder: Düsseldorf im Zweiten Weltkrieg

VON JAN CASPERS - zuletzt aktualisiert: 17.08.2011 - 10:27

Düsseldorf (RPO). Zerstörte Gebäude, amerikanische Panzer, heimkehrende Soldaten: Historische Bilder, die das Stadtarchiv der Redaktion zur Verfügung gestellt hat, vermitteln einen Eindruck davon, wie die Düsseldorfer den Zweiten Weltkrieg erlebt haben.

Herrschte beim Überfall auf Polen am 1. September 1939 in Düsseldorf zunächst noch keine große Kriegsbegeisterung, so wuchs diese nach den schnellen Erfolgen über den östlichen Nachbarn stetig an. Nach der Kapitulation Norwegens, Belgiens und der Niederlande feierten am 9. Juni 1940 bereits tausende Menschen auf der Königsallee, wie in dem Buch "Krieg und Frieden in Düsseldorf" (erschienen im Grupello Verlag) nachzulesen ist. Mit dem Sieg über Frankreich glaubte man schließlich, die erlittene Schmach aus dem Ersten Weltkrieg getilgt zu haben. So zeigen die Bilder siegreiche Soldaten, die im September 1940 aus Frankreich nach Düsseldorf heimkehren.

Mit zunehmender Kriegsdauer hatten die Düsseldorfer allerdings immer weniger Lebensmittel zur Verfügung. Daher bauten sie in den Parkanlagen und öffentlichen Grünflächen in der Folge Kartoffeln, Salat, Möhren und anderes Gemüse an. Dennoch musste die Bevölkerung bald täglich für eingeteilte Lebensmittelrationen anstehen. Eine ausreichende Grundversorgung galt aber zunächst als gesichert. Die Verpflegungsstelle am Oberbilker Markt, an der auf eine anstehende Zusatzverpflegung hingewiesen wird, ist auf einem Bild zu sehen.

Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter

Um dem Mangel an Arbeitskräften in den Rüstungsbetrieben der Stadt zu begegnen, der durch die Einberufung junger Männer zur Wehrmacht entstanden war, setzte man ab dem Jahr 1942 das System der Zwangsrekrutierung ein, bei dem verschleppte Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter in über 400 Lager und Baracken im Stadtgebiet eingesperrt wurden. So unterstand das KZ-Außenlager „Berta“, eines von sechs KZ-Außenlagern, mit etwa 800 Häftlingen aus Osteuropa organisatorisch dem KZ Buchenwald und wurde durch die SS bewacht.

Auch die Stadtverwaltung beschäftigte solche Zwangsarbeiter und unterhielt ein eigenes Lagersystem. In den beiden größten stadteigenen Barackenlagern waren etwa 1500 Zwangsarbeiter untergebracht. Fast 4500 ausländische Zwangsarbeiter starben bis Ende des Krieges.

Ebenso systematisch schaltete die Gestapo auch innenpolitische Gegner aus. Hatte in den ersten Kriegsjahren noch ein starker kommunistischer Widerstand geherrscht, so verhaftete die Gestapo nun hunderte Kommunisten, die daraufhin zu langen Zuchthausstrafen verurteilt wurden. Fast 200 dieser Inhaftierten starben während der Haft.

Königsallee für Juden gesperrt

Im November 1938 waren im Zuge der Pogromnacht die Düsseldorfer Synagoge zerstört und zahlreiche jüdische Düsseldorfer in das KZ Dachau verschleppt worden. Die Anzahl der Düsseldorfer Juden sank von 5000 Einwohnern im Jahr 1933 auf 1813 Bewohner im Jahr 1939. Zudem wurden Ausgangssperren verhängt, Umzüge in gekennzeichnete „Judenhäuser“ erzwungen und Ausgänge nur mit Sondergenehmigung der Gestapo bewilligt. Juden durften bestimmte Straßen, wie etwa die Schadowstraße oder auch die Königsallee, nicht mehr betreten. Im Jahr 1941 wurde schließlich jede Emigration verboten.

Am 28. Oktober 1941 brachte der erste Deportationszug mehr als 1000 Juden in das Ghetto von „Litzmannstadt“ (Lodz) und von dort weiter in das Vernichtungslager Chelmno. Insgesamt fuhren zwischen 1941 und 1944 neun Transporte vom Derendorfer Güterbahnhof in die Ghettos von Lodz, Minsk, Riga, Theresienstadt und Izbica bei Lublin. Nur 56 jüdische Düsseldorfer, die in „Mischehen“ oder in der Illegalität gelebt hatten, erlebten den Einmarsch der US-Truppen. Etwa die Hälfte der 5000 Mitglieder der jüdischen Gemeinde Düsseldorfs wurde ermordet. Andere konnten sich lediglich durch die Flucht nach Großbritannien, Palästina oder in die USA retten, wo sie in Sicherheit waren.

Luftangriffe zerstören die Stadt

Als der Vormarsch der deutschen Truppen an der Ostfront 1942 ins Stocken geriet, stieg auch die Zahl der alliierten Luftangriffe stark an. Bis Kriegsende starben in Düsseldorf dabei 5800 Menschen, davon etwa 4500 Zivilisten. Von 1942 bis 1945 erlebte die Stadt 16 Luftangriffe. Allein beim „Pfingstangriff“ vom 11. und 12. Juni 1943 kamen über 1200 Menschen ums Leben. Die Anzahl der Luftschutzbunker reichte für die Bevölkerung nicht aus. Englische Bomben zerstörten zudem 3.800 Wohnhäuser und 57 öffentliche Gebäude wie den Jägerhof, die Tonhalle oder das Schauspielhaus. Die Bilder belegen, dass auch der Bereich um den Düsseldorfer Hauptbahnhof von mehreren Bomben getroffen wurde. Arbeitskräfte der Wehrmacht, der Technischen Nothilfe und des Reichsdienstes versuchten gemeinsam mit Freiwilligen die Trümmer zu beseitigen.

Als die US-Truppen im März 1945 die linksrheinischen Stadtgebiete besetzten, wurden auf der anderen Uferseite noch zahlreiche Deserteure erschossen. Die Nationalsozialisten versuchten, eine kampflose Übergabe der Stadt an die Amerikaner zu verhindern. Ohne nennenswerte Gegenwehr konnte Düsseldorf schließlich am 17. April 1945 durch die US-amerikanischen Truppen, die auf den Fotos mit Panzern über die Flurstraße in Richtung Dorotheenplatz rollen, befreit werden.

Das Buch "Krieg und Frieden in Düsseldorf", das in Zusammenarbeit mit dem Düsseldorfer Stadtarchiv beim Grupello Verlag erschienen ist, kann unter www.grupello.de bestellt werden.


 
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