Kirche will Gottesdienst aufwerten: "Höchste Zeit für bessere Pfarrer"
VON GÖKÇEN STENZEL - zuletzt aktualisiert: 29.09.2008Düsseldorf (RPO). Die Evangelische Kirche hat zur Qualitätsoffensive für Gottesdienste aufgerufen: Eine Forderung, die auf ungeteilte Zustimmung bei Kirchgängern stößt. Sie wollen, dass sie mit der Predigt „etwas anfangen“ können, dass sie nicht abstrakt ist oder nichts sagend bleibt.
Als Pfarrer Uwe Vetter gestern einen Tauf-Gottesdienst in der Neanderkirche hielt, war unter den zahlreichen Gästen auch ein besonderer Kirchgänger: Stadtsuperintendent Ulrich Lilie lauschte seinem Kollegen, als der Till Metzing taufte und in der Gemeinde der Christen willkommen hieß. Dass Lilie dabei war, um Vetters Predigt zu prüfen – das wies der Intendent allerdings von sich: „Ich bin nicht der Tüv“, so Lilie, „sondern schlicht interessiert an den Gottesdiensten der Stadt.“
Dabei hatten andere Kirchgänger durchaus gemutmaßt, dass Lilie genauer hinsieht – schließlich hat die Evangelische Kirche eine Qualitätsoffensive für ihre Gottesdienste angekündigt. Am 6. Oktober startet der erste Workshop für die insgesamt 108 Düsseldorfer Pfarrer, bei dem ein auswärtiger Referent mit den Predigern über Sprache und Darstellung arbeiten will. Der Gottesdienst sei das Kerngeschäft der Kirche; darauf müssten sich die Seelsorger stärker einstellen.
Gute Pfarrer gesucht
Wir wollen wissen: Welche Pfarrer und Pfarrerinnen machen ihre Sache besonders gut? Schreiben Sie uns Ihre Einschätzung und begründen sie sie kurz. Die Adresse: Rheinische Post, Lokalredaktion Düsseldorf, Blumenstraße 14, 40196 Düsseldorf, E-Mail stadtpost@rheinische-post.de oder Fax 505-2294.
„Schulungen für Pfarrer – das wird auch allerhöchste Zeit“, sagt Julius Schulz. Er ist regelmäßiger Kirchgänger und sieht große Unterschiede bei der Qualität der Predigten. „Für Pfarrer Vetter kommen die Leute eigens angefahren“, hat er beobachtet. Er sei rhetorisch perfekt, rede deutlich und verstehe es, Gleichnisse zu deuten und für den modernen Alltag zu interpretieren. Kirchgänger Horst Gosen ergänzt: „Vetters Predigten sind Höhepunkte, nicht etwa der Durchschnitt.“ Beliebtheit des Pfarrers und Güte der Predigt schlügen sich auch in der Höhe der Kollekten-Einnahmen nieder, erzählt Schulz.
Besonders stört es die Männer, wenn Pfarrer zu schnell sprechen, ihren Gottesdienst nicht zelebrieren und ihre Texte einfach herunterlesen. In einigen Gemeinden im Osten der Stadt sei das die Regel, eine Fortbildung der Pfarrer sei dort dringend nötig, sagt etwa Kirchgänger Eckehard Wolfram. Er kommt lieber in die Innenstadt-Kirchen, weil ihm die Gottesdienste dort stärker zusagen.
"Besser geht es nicht"
Auch Elke Grünenwald und Christine Tomschi sind mit dem Tauf-Gottesdienst zufrieden: „Besser geht es nicht“, befinden die Kirchgängerinnen. Neben Predigt und Seelsorgern sind den Frauen aber auch Atmosphäre und Architektur der Kirchen selbst wichtig.
Geradezu „verwöhnt“ fühlen sich viele Kaiserswerther Gläubige. „Die Predigten unseres Pfarrers Jonas Marquardt sind keine leichte Kost in Alltagssprache“, sagt etwas Gustav Meyer zu Schwabedissen. „Wir mögen es aber anspruchsvoll und nehmen auch immer etwas mit in die Woche.“ Die Stadtkirche an der Fliednerstraße ist sonntags voll, auch Carsten Erkelenz ist oft da.
Er hat einen Unterschied ausgemacht zwischen Marquardt und Pfarrer Daniel Kaufmann aus Lohausen, der gestern als Vertreter predigte: „Pfarrer Kaufmann hat eine sehr handfeste Predigt gehalten“, so Erkelenz, der das von Marquardt so nicht kennt. „Es war anders – aber nicht schlecht.“Dass Zielgruppen wichtig sind und die Predigten in Kaiserswerth andere sind als in sozialen Brennpunkten, wissen Lilie und Kaufmann auch.
Für Pfarrer Kaufmann steht die Predigt aber nicht alleine da: „Musik ist auch wichtig“, sagt er. Und: „Wir müssen neben dem Sonntagmorgen auch andere Termine anbieten.“ Der Diskurs hat begonnen.
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