Unfreundliche Taxifahrer: Höflichkeit bleibt auf der Strecke
VON GÖKÇEN STENZEL - zuletzt aktualisiert: 29.09.2008Düsseldorf (RPO). Je kürzer die Fahrt, desto unfreundlicher der Taxifahrer? Gerade nach einer langen Wartezeit sind viele Fahrer oft enttäuscht, wenn es nur kurz ums Eck geht. Die Taxi-Genossenschaft geht gegen die schlechten Manieren vor. Erste Stimmen fordern Pflichtkurse in Freundlichkeit.
Er ist der Prototyp des rüpelhaften Taxifahrers: Günther Warnke alias Comedian Hape Kerkeling hat in der RTL-Serie „Hallo Taxi“ nichts von dem ausgelassen, was man als Fahrgast nicht braucht – bis hin zum unappetitlichen Verzehr einer Currywurst hinterm Steuer.
So weit ist der Taxifahrer am Flughafen zwar nicht gegangen, aber unwirsch reagierte auch er auf das nahe Ziel einer zusteigenden Kundin: eine Straße in Kaiserswerth, nur zehn Minuten Fahrt. Originalton: „Drei Stunden habe ich auf diese Fahrt in der Schlange gewartet. Und nun geht es nur bis Kaiserswerth!“ Das Schlimmste daran: Das sei nun schon die zweite Fahrt, die „nur“ bis in den nächsten Stadtteil gehe. „Nur“ ist gut: Mit 15 Euro schlägt die Fahrt sogar teurer zu Buche als zur Messe mit 13 Euro.
Leserforum
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Die Frau ist entnervt. Und sie ist nicht die Einzige, der Unhöflichkeit entgegenschlägt. Einige hundert Kundenbeschwerden zählt die Taxi-Genossenschaft im Jahr. Dabei geht es oft um die Umwege, die manche Fahrer nehmen – und um die schlagartig schlechte Laune, wenn das Fahrtziel genannt wird. Manche Fahrer verweigern die Beförderung: ein Fall für das Straßenverkehrsamt, das über schwere Verstöße gegen das Personenbeförderungsgesetz zu befinden hat.
1000 Euro Strafe
„Es ist unerträglich, wenn Fahrer so reagieren, und wir gehen hemmungslos gegen unhöfliche Fahrer vor“, sagt Dennis Klusmeier, Vorstand der Taxi Genossenschaft, in der 570 Unternehmer angemeldet sind. „Wenn man im Lokal nur eine Suppe isst, will man ja auch keine Beschwerde des Kellners hören.“ Dagegen sollte sich der Fahrgast durchaus beschweren – und zwar schriftlich. Beschwerdeformulare können im Internet unter der Adresse www.taxi-duesseldorf.de heruntergeladen werden. Fahrer müssen mit Strafen rechnen: Eine 1000-Euro-Strafe wurde in diesem Jahr bereits verhängt.
Die Maßnahmen der Innung reichten nicht aus, findet Rolf-Jürgen Bräer (SPD), Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Rat. „Wenn der freiwillige Weg nicht funktioniert, müssen wir über Pflichtkurse in Höflichkeit nachdenken“, sagt er und verweist auf die höheren Taxitarife ab November. „Mit der Einnahme-Situation sollte sich auch die Freundlichkeit auf kurzen Strecken verbessern.“
Denn die Kurzstrecke wird in einem Monat billiger. Im Standardpreis von 5,50 Euro sind dann die Grundgebühr und die ersten beiden Kilometer enthalten, jeder weitere Kilometer kostet 1,70. Der Fahrer bekommt mehr für die kurze Strecke als bisher, und für Fahrgäste wird es interessant, wenn sie zu mehreren unterwegs sind.
Bei 1400 der 3700 Düsseldorfer Fahrer dürfte es eigentlich schon jetzt keinen Grund zur Beschwerde geben. Sie sitzen in Service-Taxis und unterscheiden sich von anderern Chauffeuren dadurch, dass sie in Höflichkeit, Auftreten und Dienstleistung geschult sind.
"Sie müssen auch verlieren können"
Sie haben Kurse der Dekra besucht und können speziell angefordert werden, auch am Flughafen. „Am Airport stehen aber immer noch zu viele Fahrer, die zocken wollen“,sagt Klusmeier, der Pflichtkurse befürwortet. „Sie hoffen auf die große Fahrt. Sie müssen aber eben auch verlieren können.“ Wer es nicht könne, der werde ausgesiebt.
Das bestätigt Taxi-Unternehmer Ralf Holland, der die Branche seit 20 Jahren kennt. Er sagt aber auch: „Die schlechten Fahrer wachsen nach.“ Weit schwieriger als andere Halteplätze in der Stadt sei das Flughafen-Ankunftsterminal. Die Idee des Service-Taxis findet Holland gut. Er kann sich auch Pflichtkurse für alle neuen Fahrer vorstellen: „Die Stadt muss aber auch klären, wer solche Kurse bezahlen soll.“
Experten sprechen davon, dass die Probleme in den Großstädten identisch sind. Allerdings nicht die Zahlen der Droschken. In Düsseldorf gibt es 1327 Taxis – bezogen auf die Bevölkerung gehört die Stadt zu den Städten mit der höchsten Taxi-Dichte. In Köln kommt ein Taxi auf 778 Bewohner, in Düsseldorf eines auf 435 Bewohner.
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