Siebter Krimi beginnt in Afghanistan: Horst Eckert führt ins "Purpurland"
zuletzt aktualisiert: 03.10.2003 - 11:04Düsseldorf (rpo). Mord und Totschlag, viele Leichen und die unergründlichen Tiefen der menschlichen Seele - Horst Eckert versteht es, seinen Lesern eine Gänsehaut zu verschaffen. Schon zweimal wurde Eckert als bester deutschsprachiger Krimiautor ausgezeichnet. Und auch mit seinem neuen Krimi "Purpurland" versteht es der gelernte Journalist seine Leser in den Bann zu ziehen: Spannend bis zur letzten Seite, ein guter Plot und ein Wiedersehen mit alten Bekannten aus dem Düsseldorfer Polizeipräsidium.
Horst Eckert, der sonst seine Leser auf eine Gangsterjagd durch Düsseldorf führt, schlägt mit "Purpurland" zunächst einen Bogen. Die Story beginnt in der Fremde, in den Wirren des Krieges in Afghanistan. Dort erlebt der Bundeswehrsoldat Tim Sander den Angriff auf ein Bergdorf, bei dem Menschen beschossen werden, Kinder sterben. Ein Hilfstransport entpuppt sich als Waffenlieferung aus Deutschland, der Beschuss des Bergdorfes - ein Versehen heißt es später. Von offizieller Seite werden weder Waffenlieferung noch das Friendly Fire hinterfragt.
Fünf Wochen danach ist der Einsatz beendet, allerdings darf Sander nicht sofort nach Düsseldorf zu seiner Frau Julia, sondern kommt zur Erholung in eine Kurklinik an den Bodensee. Dort lernt er Felix May kennen, einen SEK-Polizisten, der ebenfalls aus der rheinischen Metropole stammt. Von nun an überschlagen sich die Ereignisse, denn May war dabei, als bei einem Einsatz ein harmloser Student mit einem flüchtigen Räuber verwechselt und erschossen wurde.
Als May hört, dass sein Partner Kottmann, der unglückliche Schütze, Selbstmord begangen hat, bricht er Kur und SEK-Karriere ab. Er macht die aus vorherigen Krimis schon bekannte Ela Bach, Leiterin des KK 11 und ermittelnde Beamtin, im Fall des toten Studenten verantwortlich für den Tod des Partners. Diese macht sich heftige Vorwürfe und stürzt sich in die Ermittlungsarbeit. Eine vermisste Prostituierte, eine grausam zugerichtete Leiche - und plötzlich gibt es eine Verbindung zu Afghanistan.
Lüge, Schuld, Gewalterfahrung und die Auswirkungen auf die menschliche Seele sind die Themen in Eckerts siebten Roman. Die Wirren des Krieges bilden dabei einen politischen Hintergrund, werden aber selbst nicht zu einem politischen Thema gemacht. Eckert schafft es in diesem Krimi einen spannungsreichen Bogen von den Gebirsgwüsten Afghanistans in die Schattenseiten der Stadt Düsseldorf zu schlagen. Wie auch in seinen anderen Romanen gerät das Treiben des Polizeiapparats in den Mittelpunkt des Geschehens. Eckerts Kriminalbeamten ermitteln, weil sie getrieben sind von der Idee, ihr eigenes Leben in Ordnung zu bringen, wenn sie nur die Welt von Gewalt und Verbrechen befreien.
Krimifans werden in "Purpurland" ihre helle Freude haben, denn Eckert bleibt mit Mord und Totschlag nicht allein beim Verbrechen. Er buddelt das aus, was in den Bann zieht: Gesellschaftliche Hintergründe, Korruption, verkorkste Lebensläufe und psychologische Verstrickungen.
Von BIRGIT KRANZUSCH
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