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Autoren bitten zum "Tango Criminale": Horst Eckert über die deutsche Kriminalliteratur

zuletzt aktualisiert: 24.04.2005 - 11:03

Düsseldorf (dto). Der Hochsauerlandkreis wird ab Mittwoch zum Zentrum des literarischen Verbrechens. Auf rund 90 Veranstaltungen präsentieren sich auf der "Criminale" zahlreiche Krimi-Autoren ihrem Publikum. Organisiert wird die "Criminale" von der Autorenvereinigung "Das Syndikat", deren Sprecher der Düsseldorfer Autor Horst Eckert ist. Im Interview spricht der 44-jährige ehemaligen TV-Journalisten über die deutsche Kriminalliteraur.

Es gibt immer mehr Krimi-Festivals in Deutschland. Warum begeistern die Leute sich so für Krimis?

Horst Eckert: Literatur, die sich mit Verbrechen befasst, dringt viel tiefer in die seelischen Abgründe ein. Es geht um Konflikte und die Schattenseiten des Lebens - Dinge, die wir selbst nicht erleben wollen, die aber in uns schlummern, die ständig geschehen. Schon bei den alten Griechen war das Stoff für große Tragödien. Alles, was versucht, mehr als ein Krimi zu sein, ist oft weniger und nicht einmal spannend.

Wie wichtig ist es für einen Autor, auf Lesungen und Festivals den Kontakt zu den Lesern zu suchen?

Eckert: Es ist schön, wenn der Autor mal aus seinem Kämmerchen herauskommt. Lesungen sind nicht nur Werbemaßnahmen für neue Bücher. Im direkten Gespräch mit dem Publikum kann der Autor das eigene Schreiben reflektieren. Leute wollen Fragen stellen, und dann ist man gezwungen, Stellung zu beziehen. Das kann wieder eine Rückkopplung zum eigenen Schreiben haben. Und nicht zu vergessen: Auf Festivals trifft man ja auch Autoren-Kollegen.

Nach dem Niederrhein ist mit dem Hochsauerlandkreis wieder eine ganze Region Schauplatz der Criminale. Warum?

Eckert: Der Landkreis hat sich beworben und ein überzeugendes finanzielles und organisatorisches Konzept vorgelegt. Auch für uns Autoren ist es eine schöne Sache, eine Landschaft kennen zu lernen und an den Nachmittagen mal wandernd die Region zu erkunden. Das Sauerland ist bekanntlich auch touristisch attraktiv.

Und warum schon wieder in Westdeutschland? Wird im Rest Deutschlands literarisch nicht gemordet?

Eckert: Die Criminale fand auch schon in München, Jever oder in Potsdam statt. Sie tourt durch ganz Deutschland. Ausschlaggebend ist, welche Stadt sich bewirbt, das ist wie bei Olympia. Es ist für eine Region eine tolle Sache, die 'Criminale' zu Gast zu haben. Und es ist kostengünstiger als etwa ein Balletttreffen oder ein Filmfestival. Die 'Criminale' ist ein attraktives Kulturevent zu einem günstigen Preis. Sie ist zu einer Marke geworden, die nächsten Festivals bis 2009 sind bereits vergeben: In den nächsten Jahren geht es nach Koblenz, Eisenach, die Südpfalz und nach Singen.

Der Krimi kämpft ja schon lange mit einem Imageproblem. Nicht nur Elke Heidenreich hält Krimis nicht für Literatur.

Eckert: Das ist dann das Problem von Elke Heidenreich. Ihr entgeht damit viel gute Literatur. Wir merken aber, dass sich diese Vorbehalte in den vergangenen Jahren langsam in Luft aufgelöst haben.

Warum standen Krimis so lange in der Schmuddelecke?

Eckert: Großartige klassische Kriminalliteratur aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kommt meist aus angelsächsischen Ländern. Da fehlen in Deutschland die großen Namen. Im Kaiserreich und in der Nazizeit war es nicht opportun, über die Schattenseiten der Gesellschaft zu schreiben. Dies wurde als Nestbeschmutzung zensiert. Die heutige deutsche Krimiszene ist erst in den 60er Jahren entstanden. In der Schweiz gab es mit Friedrich Glauser, nach dem unser Krimipreis benannt ist, und Friedrich Dürrenmatt schon viel früher große Krimiautoren.

Deutsche Krimis werden oft mit dem Stempel Regionalkrimi versehen und als Heimatliteratur belächelt.

Eckert: Dieses Etikett wird den Autoren meist von den Medien aufgedrückt. Natürlich spielt Lokalkolorit im Krimi oft eine Rolle, wenn ein Tatort beschrieben wird oder das Milieu der Figuren. Aber man darf Kriminalromane nicht darauf reduzieren. Henning Mankell schreibt ja auch keine Schwedenkrimis. Was als Köln- oder Eifelkrimi publiziert wird, ist oft großartige spannende Literatur.

Quelle: afp

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