Einstimmiger Beschluss: Humme fristlos gekündigt
VON HANS ONKELBACH - zuletzt aktualisiert: 01.04.2008 - 08:16Düsseldorf (RPO). Wirtschaftsprüfer fanden bei der Stadtsparkasse neues belastendes Material, darunter eine von Mitarbeitern über Spesen abgerechnete Bordellrechnung. Der Hauptausschuss entschied, dem Vorstandsvorsitzenden zu kündigen.
Dem bis jetzt beurlaubten Vorstandsvorsitzenden der Stadtsparkasse, Heinz-Martin Humme, ist gestern fristlos gekündigt worden. Der Hauptausschuss der Sparkasse, der gestern Vormittag tagte, hat entschieden, dem Verwaltungsrat für dessen heutige Sitzung eine entsprechende Entscheidung vorzulegen. Der Verwaltungsrat ist das Kontrollgremium, in ihm sitzen Vertreter der Politik und der Arbeitnehmer der Sparkasse. Da dieses Gremium die Entscheidungskompetenz auf den Hauptausschuss übertragen hat, ist die Zustimmung des Verwaltungsrates dazu nur noch Formsache. Die Kündigung ist Humme noch gestern zugestellt worden.
Humme war wegen der so genannten Pooth-Affäre unter Druck geraten und beurlaubt worden. Die Sparkasse hatte Franjo Pooth (Ehemann von Verona Pooth) für dessen Firma Maxfield Kredite in der Gesamthöhe von 9,2 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Nachdem Maxfield Insolvenz angemeldet hatte, stellte sich heraus, dass diese Kredite ohne wirkliche Sicherheiten vergeben worden waren.
Sowohl dem Vorstandsvorsitzenden Humme und seinem Stellvertreter Karl-Heinz Stiegemann waren außerdem zu enge private Kontakte zum Ehepaar Pooth vorgeworfen worden. Stiegemann ist inzwischen fristlos entlassen worden, gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschafte wegen Bestechlichkeit und Untreue, gegen Humme ermittelt sie wegen Untreue.
Während bei Stiegemann die Rechtslage nach Einschätzung des Verwaltungsrates von vorneherein so eindeutig war, dass man eine fristlose Kündigung aussprechen konnte, war man sich dieser Lage bei Humme nicht sicher. Zuerst wollte man die internen Prüfungen abwarten, mit denen man das Unternehmen KPMG beauftragt hatte. Inzwischen, so heißt es, hat man da „noch einiges gefunden“.
Unter anderem wurde offenbar von Mitarbeitern die Rechnung eines auswärtigen Bordells als Spesenabrechnung eingereicht, vom Vorstand abgezeichnet und auch beglichen. Es wurden außerdem Briefe gefunden, in dem sich führende Sparkassen-Mitarbeiter beim Ehepaar Pooth für Geschenke (Designer-Schuhe, Rauchutensilien) bedankten.
Ohne Details zu nennen, beschreiben Sparkassen-Insider die gefundenen Einzelheiten als derart „bunt“, dass sie auch als Vorlage für einen Roman taugen würden.
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