Düsseldorf: Hunde-Experte gegen Kontrollen
VON JAN WIEFELS - zuletzt aktualisiert: 18.05.2010 - 08:03Düsseldorf (RPO). Dass der OSD verstärkt kontrolliert, ob Hundebesitzer ihre Tiere anleinen, hält Tierpsychologe Martin Rütter für den falschen Weg. Er plädiert für mehr Auslaufflächen und für eine bessere Ausbildung der Halter.
Verschärfte Kontrollen, höhere Bußgelder: Die intensivere Überprüfung des Düsseldorfer Ordnungs- und Servicedienstes (OSD), ob Hunde in Parks angeleint sind, hält der Tierpsychologe Martin Rütter für den falschen Weg. ´Natürlich kann ich die Ängste mancher Menschen vor nicht angeleinten Hunden nachvollziehen. Aber die zentrale Frage muss sein, wie man die Hundehalter dazu bringt, ihre Tiere besser zu erziehen´, so der TV-bekannte Hundetrainer. Dies funktioniere nur durch Fortbildungen und nicht mit höheren Bußgeldern.
Ein sogenannter Hundeführerschein könnte aus der Sicht des 39-Jährigen dazu beitragen, dass alle Hundehalter über das nötige Wissen über das Verhalten ihrer Tiere verfügen. In der Schweiz ist dieser Nachweis verpflichtend, und auch in Deutschland könnte er verhindern, dass kritische Situationen entstehen. ´Die meisten Hundehalter hätten dagegen nichts einzuwenden´, meint Rütter.
Zur Person
Tierpsychologe Martin Rütter (39) betreibt seit 1995 das Zentrum ´Mensch und Hund´. 56 Standorte existieren bundesweit.
Bekannt wurde der gebürtige Duisburger vor allem durch TV-Sendungen wie ´Eine Couch für alle Felle´ im WDR sowie ´Der Hundeprofi´ und ´Der V.I.P.-Hundeprofi´ auf VOX.
Kritisch sieht der Tierpsychologe auch das Angebot an Auslaufflächen für die Vierbeiner in der Landeshauptstadt. ´Es muss in Düsseldorf mehr Flächen wie die Rheinwiesen geben´, fordert er. Nur solche Areale seien wirklich artgerecht und böten genügend Eindrücke für die Tiere. Die 32 auf den Grünanlagen in der Stadt verteilten Auslaufflächen würden diesem Anspruch keineswegs gerecht: ´Auf den eingezäunten Plätzen bekommen Hunde viel zu wenig Reize. Es ist wichtig, dass freilaufende Hunde auch in den Kontakt mit Menschen kommen können.´
Oftmals sei der Name ´Hundeauslaufplatz´ sogar irreführend. ´Der Platz an der Theodor-Heuss-Brücke beispielsweise ist so klein, dass dort Hunde überhaupt nicht ihre maximale Geschwindigkeit erreichen können´, so Rütter, der auch die Wirksamkeit der Zäune für zweifelhaft hält. Manche Rassen, wie zum Beispiel Border Collies, könnten aus dem Stand über die Abgrenzungen springen.
In einem Punkt aber stimmt der Hundeexperte mit den Plänen der Stadt überein: ´Wenn Halter den Kot ihrer Tiere nicht entfernen, sollten sie dafür auch eine Strafe bekommen.´ Die Ausrede mancher Hundebesitzer, dass keine Kotbeutel in der Nähe sind, gelte mittlerweile nicht mehr. ´Dies ist wirklich ein Punkt, bei dem es die Stadt einfach hat´, so Rütter. Als Hundehalter sei man verpflichtet, die Hinterlassenschaften seines Tieres auch zu entfernen.
Ob die Stadt als Lebensraum für Hunde geeignet ist, hänge stark davon ab, ob die Tiere dort auch aufgewachsen sind. ´Hunde sind sehr anpassungsfähig. Die verbreitete Ansicht, dass Hunde ab einer bestimmten Größe für die Haltung in der Stadt ungeeignet sind, stimmt nicht. Ein kleiner Jack Russel Terrier zum Beispiel hat einen viel stärkeren Bewegungsdrang als andere größere Rassen.´
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