CPD-Auftakt 2010: Igedo feiert Neuanfang
VON MARCEL BERNDT - zuletzt aktualisiert: 07.02.2010 - 12:16Mehr Aussteller und kreative Pläne für die Zukunft. Nach schmerzlichen Einschnitten hat die Igedo wieder Grund zum Feiern. Dies tat sie Samstagabend im Club "Ufer 8" an der Rheinuferpromenade mit Promis, wie Model Sarah Kern und Gülcan Kamps.
Am Anfang ist Dunkelheit. In diesem Nichts setzt sich quasi magisch ein weißes lichtdurchflutetes Haus zusammen. Das zeigte der Image-Film, den die Igedo auf der CPD-Eröffnungsparty präsentierte. Die Igedo durchschritt tatsächlich lange ein dunkles Tal, aus dem sie sich gerade versucht herauszuarbeiten.
Erste Früchte: Die Ausstellerzahl hat diese Saison wieder die 500er-Marke geknackt. 519 Aussteller sind mit 1.010 Kollektionen vertreten, die sich auf 22 Modenschauen präsentieren werden. Das modernere Design des Messeauftritts, das vergangenes Mal 80 Prozent der Besucher postiv bewerteten, hat die Igedo dieses Jahr verfeinert.
Anstoßen auf ein gutes Gelingen
Darauf stießen unter anderem an: Sarah Kern, Gülcan Kamps und Kai Ebel. Das illustre Publikum feierte unter anderem zu der Performance der "lebenden Discokugel". Die Künstlerin Bella Berlin schlüpfte in einen hautengen Pailletten-Anzug und ließ sich beim Tanzen von grünen Lasern bestrahlen.
Trotz aller Feierlaune: Mit vier Hallen ist die heutige CPD mit der einstigen Größe von zwölf Hallen nicht mehr zu vergleichen. Die Verkleinerung folgt ironischerweise unter anderem aus dem Wunsch nach mehr Größe: Anstatt das Bestehende zeitgemäß weiterzuentwickeln, konzentrierte sich der Veranstalter auf den Expansionskurs der einst weltgrößten Modemesse.
Äußerlich wuchs sie, innerlich herrschte Stagnation. Gesellschafter Philipp Kronen, Neffe des langjährigen Geschäftsführers Manfred Kronen, ist nun dabei diese Fehler wieder rückgängig zu machen. Er strich die Zusatzmessen, zuletzt die Unterwäsche-Messe Bodylook. Damit geht die CPD dieses Jahr wieder als alleinige Messe für die Igedo an den Start. Auf diese Einzelmesse mit dem Segment Damenoberbekleidung möchte sich das Unternehmen zukünftig konzentrieren.
Raus aus den Messehallen, rein in die Stadt
Als nächsten Schritt möchte die Igedo den Sprung weg vom Messegelände in die Stadt wagen. Dafür sorgen Mirjam Dietz, Executive Director Fashion bei der Igedo, und ihre Kollegin Verena Malta. Beide arbeiteten einst auf der erfolgreichen Berliner Modemesse Bread&Butter. Was diese anders macht? Sie findet unter anderem nicht auf einem Messegelände, sondern auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof statt. Nun möchte auch die Igedo raus aus den Messehallen und rein in die Stadt.
Auf der CPD-Auftaktparty stellten Mirjam Dietz und Verena Malta den neuen Messebereich "Impulse. The Showroom" vor. Hier sollen auf der kommenden Sommermesse etablierte, stilgebende Marken ihre Kollektionen in einem Industrieloft am Oberkasseler Belsenplatz vorstellen. Geplant ist, dass Einkäufer dort in cooler Atmosphäre mit Live-Musik, umgeben von Kunst-Installationen und bei einem geselligen Barebcue die Kleider für ihre Boutquen ordern können. "Wir wollen nicht nur drei Wände aufstellen und sagen: Hier, das ist euer Stand", sagt Mirjam Dietz.
Was die Branche wollte und die CPD nicht bot
Kreative, außergewöhnliche Präsentationsformen sind das, was sich vor allem gehobene Marken wünschen. Da sie dies in der Vergangenheit nicht auf dem Messegelände gefunden haben, sind sie abgwandert und haben in der Stadt eigene Showrooms eröffnet. Dadurch wurde der stetige Aussteller- und Besucher-Rückgang auf der Modemesse eingeleitet. "Viele Einkäufer sagen, dass sie zur CPD fahren, ohne dabei die Messe selbst zu besuchen", erklärt Mirjam Dietz. Sie kämen dann nur in die Stadt, um in den Showrooms zu ordern.
Gerade diese Tatsache, dass sich das Messegeschehen von den Ausstellerhallen in die Stadt verlagert hat, lässt die Befürchtungen vieler Düsseldorfer, die um den Ruf der Modehauptstadt bangen, unbegründet. Das Zusammenschrumpfen der Messe bedeutet keinen Statusverlust Düsseldorfs. "Düsseldorf war schon immer ein Vorzeige-Ort für Eleganz", sagt Model Sarah Kern.
Modemesse ein Wahrzeichen
Trotzdem muss der heimischen Modemesse weiter geholfen werden: "Die Igedo ist ein Wahrzeichen für Düsseldorf, wie Killepitsch und Kö. Es wär schade, wenn das nicht mehr so wäre", sagt Verena Malta. Dass die Igedo trotz der zahlreichen Reformen wieder ihre alte Größe erreichen wird, ist allerdings unrealistisch. Das liegt nicht an der Messe selbst, sondern an den äußeren Faktoren. In der Industrie gibt es die Politik der Vertikalisierung: man produziert selbst, man verkauft selbst. Ein Beispiel dafür ist etwa Esprit. Gleichzeitig verschwinden in den Innenstädten kleine private Boutiquen. "Das Einkaufspotential aus den 70ern gibt es nicht mehr", sagt Gerd Müller Thomkins, Chef des Deutschen Mode-Instituts DMI. Die Messe von heute mit der Messe von damals zu vergleichen sei unmöglich. Angesichts dieser Branchenentwicklung ist die CPD sehr gut aufgestellt.
Für das medienwirksame Berlin, gilt übrigens: Mehr Schein als Sein."Nach unseren Informationen wird in Berlin sehr wenig geordert", sagt Müller-Thomkins.
Weitere Bilder von der Aftershow-Party gibt es im Nightflash von TONIGHT.de!
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