Krisengeschüttelte Mittelstandsbank: IKB streicht 200 Stellen
VON THORSTEN BREITKOPF - zuletzt aktualisiert: 07.02.2012 - 08:34Düsseldorf (RP). Die krisengeschüttelte Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB kommt nicht zur Ruhe. Insidern zufolge wird jetzt mindestens jede sechste Stelle gestrichen. Derzeit verhandeln Vorstand und Betriebsrat über einen Sozialplan.
Die Krise der IKB
Traditionell vergibt die IKB Industriekredite. 2007 drohte der Bank wegen hoher Verluste durch US-Subprime-Wertpapiere die Zahlungsunfähigkeit. Sie wurde von der staatlichen Bank KfW gerettet und 2008 an den Investor Lone Star verkauft. Dieser würde die IKB gern veräußern, findet aber offenbar keinen Käufer.
Wieder einmal rumort es bei der Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB. Unter den 1200 Mitarbeitern, die in der Zentrale des Instituts in Golzheim arbeiten, geht die Angst um: Mindestens 200 Stellen sollen wegfallen, das erfuhr die Rheinische Post aus unternehmensnahen Kreisen. Denen zufolge hat der Vorstand mit dem Betriebsrat bereits Verhandlungen über einen Sozialplan aufgenommen. Einen festen Zeitplan gebe es nicht. Allerdings läuft der IKB die Zeit davon.
Nächste Möglichkeit für eine Kündigung von Mitarbeitern ist sechs Wochen vor Quartalsende. Das ist genau in der Woche vor Karneval. Daher erwarten viele Mitarbeiter, dass die Entscheidung darüber, wer gehen muss, und wer bleibt, in dieser oder der nächsten Woche fällt. Darauf deutet auch hin, dass der IKB-Betriebsrat die traditionelle Karnevalsfeier der Belegschaft in der kommenden Woche abgesagt hat. In Zeiten, in denen rund jeder sechste Mitarbeiter die Bank verlassen muss, ist den Kollegen offenbar nicht nach karnevalistischem Feiern zumute. Ein Sprecher der IKB wollte sich auf Anfrage nicht zu den Vorgängen äußern.
Wie der Sozialplan aussehen könnte, ist noch nicht bekannt. Bereits im Jahr 2009 waren mit Hilfe eines Sozialplans insgesamt 370 Stellen bei der IKB abgebaut worden. Aus dem Umfeld der Mitarbeiter war zu hören, dass der alte Sozialplan zum Vorbild für den gerade auszuhandelnden gewählt wurde. Dabei würden Betriebszugehörigkeit und Lebensalter überproportional gewichtet, was vor allem die jüngeren Kollegen verärgert.
Experten bezweifeln, dass der Jobabbau die IKB wieder nach vorn bringen kann. "Das Problem der IKB waren ja nicht die Mitarbeiter, sondern die Zockerei in den Jahren vor 2008", sagte Wolfgang Gerke, Professor für Bankwirtschaft und anerkannter Branchenkenner. "Die Formel, schlicht die Kosten zu senken, anstatt an der Ertragsschraube zu drehen, gehe nicht immer auf", warnte Gerke im Gespräch mit der Rheinischen Post. Die IKB werde es schwer haben, im Kerngeschäft mit Industriekrediten wieder Fuß zu fassen, weil sie mit starken Konkurrenten wie Volksbanken, Sparkassen und der Commerzbank in einem harten Wettbewerb stehe.
Die IKB schreibt seit Jahren tiefrote Zahlen. Weil sie mit Staatshilfe gerettet wurde, gibt es Auflagen der EU, unter anderem musste die Bilanzsumme auf die Grenze von 33,5 Milliarden Euro gesenkt werden.
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