Schon fünf Fälle: Illegales Schächten: Täter gesucht
VON HANS ONKELBACH - zuletzt aktualisiert: 19.08.2009 - 07:19Düsseldorf (RPO). Fast 20 Jahre war das nicht vorgekommen, jetzt gab es innerhalb weniger Wochen fünf Fälle: In mehreren Stadtteilen wurden Kadaverteile von Ziegen und Schafen gefunden. Experten stellten fest: Die Tiere waren geschächtet, also mit einem Schnitt durch die Kehle getötet worden. Das ist verboten.
Mitarbeiter des Amtes für Verbraucherschutz (früher: Veterinäramt) sind derzeit dabei, über verschiedene Kontakte nach Moslems zu suchen, die in den vergangenen Wochen mehrfach Tiere geschächtet und Kadaverteile in mehreren Stadtteilen weggeworfen haben.
Anwohner aus Eller, Lierenfeld und Oberbilk informierten die Behörden, weil sie größere Mengen Tierreste gefunden hatten. Allein in Eller waren das Felle, Eingeweide und Hufe von mindestens 20 Schafen, an einer anderen Stelle in der Nähe einer Kleingartenanlage tauchten die Überreste von 15 Schafen und zwei Ziegen auf.
Ausländerbeirat soll helfen
Die Kadaverteile waren offenbar nicht etwa mit der Absicht entsorgt worden, sie zu verstecken, sondern lagen offen herum. In einem Fall war klar, dass sie tagsüber und kurz nach der Tötung abgeladen worden waren: Als man sie fand, waren sie noch sehr frisch, fast noch körperwarm, bestätigte Peter Steinbüchel, der Leiter des Amtes für Verbraucherschutz. In einem anderen Fall zeugte Madenbefall davon, dass sie schon länger lagen.
Steinbüchel sagte, seit fast 20 Jahren sei das in Düsseldorf nicht mehr aufgefallen. Man habe den hier lebenden Moslems in früheren Jahren immer angeboten, auf einem Bauernhof in Hubbelrath legal zu schächten. Dort wurden die Tiere von einem Fachmann per Elektroschock betäubt, so dass sie nicht litten, wenn ihnen dann die Kehle mit einem sehr scharfen Messer durchtrennt wurde. Nach einiger Aufklärung hätten die Moslems das auch akzeptiert.
Dass es nun neue Fälle von illegalem Schächten gibt, führt Steinbüchel darauf zurück, dass die Betroffenen nichts von der Möglichkeit wissen, ihren Ritus in Deutschland den Regeln des Tierschutzes konform auszuüben. Steinbüchel drückt es sehr diplomatisch aus und spricht von Gruppen, die noch nicht wirklich integriert sind.
Dennoch will man sie finden. Und zwar mit Hilfe des Ausländerbeirates oder über die Imame der hiesigen Moslems. Man hofft, über diese Schiene die Information transportieren zu können, wie hier die Rechtslage ist und dass das Schächten von Tieren gegen das Tierschutzgesetz verstößt, also strafbar ist. Daher ist auch die Polizei eingeschaltet und wird bei den Ermittlungen helfen. Sie kann allerdings nicht sagen, wie viele Fälle sie in den vergangenen Jahren registriert hat, da sie bei Tierquälerei nicht differenziert, sagte gestern ein Polizeisprecher.
Auch in diesem Jahr will man den hier lebenden Moslems zum Opferfest wieder Alternativen anbieten. Dieses Jahr wird das Fest vom 27. November bis 1. Dezember begangen. Wie in den Vorjahren will man anbieten, dass die dabei zu schächtenden Tiere bei einem Landwirt in Velbert oder einem Schäfer in Grevenbroich fachgerecht betäubt werden können. Die Kontaktdaten wird das Amt noch bekannt geben. Mit dem Bauern in Hubbelrath kooperiert man nicht mehr.
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