Lohausen: Im Schatten des Flughafens
VON UWE REIMANN - zuletzt aktualisiert: 03.07.2010 - 14:31Düsseldorf (RPO). Lohausen ist untrennbar mit dem Airport verknüpft. Ein schwieriges Verhältnis. Der drittgrößte Stadtteil hat aber mehr zu bieten: Pferde, einen tollen Park und ein unerschütterliches Gemeinschaftsgefühl.
Flughafen und Lohausen. Lohausen und Flughafen. Kaum etwas gehört so fest zusammen wie der Stadtteil zwischen Rhein, A 44 und eben diesem Flughafen. Wie zwei Nachbarn, die irgendwie miteinander müssen, sich oft genug streiten, aber, weil's eben nicht anders geht, auch schon mal miteinander tun.
Ein schwieriges Verhältnis, das den Stadtteil seit Jahrzehnten prägt und der den Lohausern auch den Kitt gibt, der sie zusammenhalten lässt. "Vor 30 Jahren kam ich hierher, und ich war von Anfang an begeistert von den standhaften Menschen. Mit denen wollte ich leben", sagt Jürgen Gocht, Leiter der Düsseldorfer Jugendberufshilfe, Grünen-Bezirksvertreter und "zugezogener überzeugter Lohausener".
Doch wie man beim Wort Flughafen an Lohhausen denkt, so denkt man an den Stadtteil beim Stichwort Pferde. In keinem anderen Düsseldorfer Stadtteil gibt es so viele Reiterhöfe: Allein 200 Pferde grasen in Lohausen, es gibt sechs Vereine. Alleine am Leuchtenberger Kirchweg reihen sich einige Reiterhöfe aneinander. Ein Zeichen dafür, dass Lohausen eine Art Puffer zwischen der hektischen Stadt und dem ländlich geprägten Norden der Stadt ist. Etwas, das sich in den Jahrzehnten nie geändert hat.
Wissenswert
Einwohner: 4011
davon Frauen 2056
Einwohner unter 18: 870
davon weiblich: 436
Einwohner über 60: 851
davon Frauen: 472
Ausländer: 520
davon weiblich: 276
Schüler: 433
davon weiblich: 189
Hartz IV Empfänger: 99
Fläche: 11,66 km2
Einwohnerdichte je km2: 344
Wohnungen: 1864
öffentlich gefördert: keine
Zahl der Kfz: 2477
davon privat: 1797
Parkanlagen
Lantz’scher Park: 14,5 Hektar
Historisches:
Lohausen wurde 1147 erstmals urkundlich erwähnt. Die Herren von Kalcheim (heute Kalkum) besaßen zwei Rittersitze: Lohausen und Leuchtenberg. Beide wurden Anfang des 19. Jahrhunderts von Heinrich Balthasar Lantz erworben, der nahe dem Hof Lohausen ein Herrenhaus errichten und einen großen Park anlegen ließ: den Lantz’schen Park. 1972 erwarb die Stadt die Anwesen der Familie
Im Gegensatz zum eigentlichen Geschäftszentrum Lohausens. Durch die Abbindung zu Unterrath ist davon heute nur noch ein kümmerlicher Wurmfortsatz, genannt Alte Flughafenstraße, übriggeblieben. Doch dort treffen sich die Spotter. Das sind die Hobby-Fotografen, die eine stattliche Sammlung mit Fotos verschiedener Flugzeugtypen ihr Eigen nennen.
Seit dem Bau des Kreisverkehrs wachsen an der Niederrheinstraße Kleingewerbe und Einzelhandel. Dort handelt zum Beispiel seit 20 Jahren der "Weichholzpeter" mit restauriertem Mobiliar. Nun möchte die Bezirksvertretung aber den Branchenmix fördern. Und sie entwickelt sich, die Niederrheinstraße. Sie wird die Infrastruktur-Mitte mit Supermärkten, Kleingewerbe, Autohäusern, Handwerksbetrieben. "Das müssen wir steuern, nur dann geht das in die richtige Richtung", sagt Gocht.
Wohnungsmieter sind an der Niederrheinstraße in den vergangenen Jahren ohnehin immer rarer geworden. Jedem, der wegzieht, bietet der Airport gute Konditionen für sein Haus oder sein Grundstück. Im Laufe der Jahre hat der Flughafen rund 100 000 Quadratmeter zusammengekauft. Neue Mietverträge schließt der Airport nicht mehr ab. Das Ziel: Weniger Bewohner sind weniger Klagen. Außerdem erweitern sich so seine Handlungsmöglichkeiten.
So wie die Niederrheinstraße wachgeküsst wird, darf auch das Kleinod Lohausens, der Lantz' sche Park, auf Neuerweckung hoffen. Ruhe und Besinnung findet der Besucher dort, und die 14,5 Hektar große Grünanlage wird künftig wieder in ihre alte Form gebracht. "Ein Prozess, der sicherlich 15 Jahre dauert", sagt Gocht. Doch da sind die Lohausener ja standhaft, bleiben an den Dingen dran, die ihnen wichtig sind.
Wenn der Lantz'sche Park mehr und mehr aufblüht, ist er der zweite große Anziehungspunkt in Lohausen. Schon jetzt lockt die alte Rheinschleife im Westen, an deren Ufer sich der Lohausener Deich mit Rad- und Flanierwegen etabliert hat. Drachen steigen lassen, Sonnenbaden, Spazierengehen: Die herrliche Uferlandschaft nördlich der Messe und Esprit-Arena braucht sich nicht hinter der in Oberkassel oder in Golzheim verstecken. "Da kann man auch schon mal grillen – wenn man den Abfall danach auch wieder mitnimmt", sagt Gocht und lacht.
Vor allem aus dem Umland kommen Menschen, die das Rhein-Areal im Westen Lohausens genießen. Kein Wunder: Obwohl er flächenmäßig der drittgrößte Stadtteil ist, hat Lohausen nur eine sehr geringe Bevölkerungsdichte. "Viele sind weggezogen, haben aufgegeben. Doch der Kern, der geht nie", weiß Gocht.
Der Kern lebt auch etwas abseits der Niederheinstraße. Rüber und ran an den Rhein: Lohauser Dorfstraße, Nagelsweg, Neusser Weg und Im Grund. Die heimelige Idylle rund um die Kirche St. Mariä Himmelfahrt macht Geschmack auf das alte, traditionelle Lohausen. Hier lebt der bodenständige Lohausener. Der Flughafen scheint da ganz weit weg zu sein – wenn er nicht zu hören wäre.
Lärm hin oder her: Natürlich leben nicht wenige in Lohausen vom Flugverkehr und der Messe. Überall liegen sie, die kleinen Hotels und Pensionen, die vor allem mit einem Pfund wuchern: der Nähe zum Airport und zu den Messehallen in Stockum. "Manche laufen direkt zur Messe oder zum Flughafen. Die brauchen gar kein Taxi, Bus oder Bahn", sagt Gocht. Wundert es da, dass beispielsweise ein "Hotel zur Luftbrücke" die auswärtigen Gäste begrüßt?
Nein, nur etwas anderes stört: der rasante Anstieg der Kriminalität in Lohausen in den vergangenen Jahren. Der Grund: Die Polizeiwache Lohausen ist vor fünf Jahren aus dem Stadtteil in den Bereich Flughafen gewechselt. Zur Kriminalitätsstatistik Lohausens kommt nun noch die Zahl der Fälle im Airport dazu. Statistisch ist Lohausen auch hier an den Airport "herangerückt". Wie gesagt, sie müssen miteinander. Ob sie wollen oder nicht.
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