Düsseldorf: Im Seminar erfahren, wo die Schokolade herkommt
VON JENNIFER KOCH - zuletzt aktualisiert: 28.12.2009 - 11:31Düsseldorf (RPO). Zu Beginn eines Seminars serviert Claudia Hürten den Teilnehmern erst einmal eine heiße Schokolade – um sie auf das Thema einzustimmen. In dem Geschäft „Gut und Gerne“ von Bettina Dahl am Burgplatz bietet Hürten Schoko-Seminare an.
Dort können sich die Gäste nicht nur an außergewöhnlichen Tafeln satt essen, sondern auch viel Wissenswertes über die Süßigkeit erfahren. Zum Beispiel den Ursprung des Wortes: Xocolatl – bitteres Wasser – nannten die Azteken ein Getränk, das bei ihnen nur die Könige trinken durften. Nur für diese wurde Wasser mit Kakao gemischt. Man erzählt sich, dass Montezuma, der letzte König der Azteken bis zu 50 Becher am Tag trank – dem bitteren Saft wurden große Kräfte zugeschrieben.
Auch wenn heute die Schokolade nicht mehr den Herrschern vorbehalten ist, gilt sie noch immer als Genussmittel. „Für mich bedeutet Schokolade Entschleunigung“, sagt Claudia Hürten. Dabei macht sie einen Unterschied zwischen dem Konsum von Supermarkt-Schokolade und dem Genuss wahrer, zuweilen bis zu 100-prozentiger Tafeln. „Wahre Schokolade fordert die Geschmacksnerven heraus, kann nach Tabak, Blüten oder nussig schmecken, während Konsumschokolade einfach nur süß ist.“
Diesen Unterschied möchte Hürten in den Seminaren deutlich machen. „Oft kommen zum Beispiel Leute in den Laden und fragen, wie eine einzelne Tafel so teuer sein kann“, erzählt sie. Eine Tafel aus der Kakaobohne „Porcelana“ etwa kostet vier bis fünf Euro – für 25 Gramm. „Da muss man erklären, dass die Bohne weniger als vier Prozent des Gesamtertrags an Kakaobohnen weltweit ausmacht.“
Um diesen Unterschied zu beschreiben gibt Hürten den Teilnehmern in den Seminaren auch ein Vokabular an die Hand. „Oft weiß man nicht, wie man diesen oder jenen Geschmack beschreiben soll“, sagt sie. Sie zeigt, worauf zu achten ist und welche Nuancen es gibt. Die Kostproben einzelner Stücke erinnern nicht zufällig an Weinproben, denn Hürten sieht durchaus eine Ähnlichkeit zwischen den beiden Genussmitteln. Deshalb bietet sie Fortgeschrittenen auch kombinierte Wein- und Schokoladenseminare an. Zur Süßigkeit den richtigen Wein zu finden, ist selbst für die Kennerin eine Herausforderung. „Mein Mann und ich machen meist auch auf unseren Urlaubsreisen Wein- oder Schokoproben“, erzählt sie. So lernen sie die Arbeit verschiedener Chocolatiers und Winzer kennen.
Für die Zukunft kann Hürten sich vorstellen, noch ungewöhnlichere Proben zu veranstalten. Vielleicht wird es einmal ein Seminar zu den Ursprüngen der Schokolade geben. Ob das „bittere Wasser“ der Azteken den Europäern schmecken wird, ist aber fraglich.
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