Hoffnung durch Experiment: Immendorff lässt sich Fötus-Zellen ins Gehirn spritzen
zuletzt aktualisiert: 06.03.2005 - 11:21Düsseldorf/Hamburg (dto). Maler Jörg Immendorff leidet an der unheilbaren Nervenkrankheit ALS und erhofft sich durch eine ungewöhnliche und noch nicht auf Wirksamkeit untersuchte Methode Heilung. In China ließ er sich Zellen von abgetriebenen Föten ins Gehirn spritzen. Das soll angeblich den Selbstheilungsprozess der kranken Zellen aktivieren.
"Ich betrachte mich als Teilnehmer eines Experiments und ich weiß um die Gefahren," sagte Immendorff dem "Spiegel". Wie das Blatt berichtete, spritzten ihm die Ärzte im Pekinger West-Berge-Krankenhaus zwei Millionen Nasenzellen an zwei Stellen ins Gehirn. Diese sollen angeblich den Selbstheilungsprozess der durch ALS betroffenen Zellen aktivieren können.
Der vom Tod durch Atemlähmung bedrohte Immendorff berichtete gegenüber dem Magazin von einer Besserung. "Ich kann ein paar Finger an der rechten Hand wieder besser bewegen und die Hand wieder auf die Höhe des Kopfes heben." Auch sei seine Balance wieder besser.
Der behandelnde deutsche Arzt des 59-Jährigen, Thomas Meyer von der Berliner Charité, kritisierte den Eingriff gegenüber dem Blatt. Er halte das Vorgehen seines chinesischen Kollegen Huang Hongyun, der als erster Arzt dieses Verfahren praktiziert, für "unseriös und unethisch". Aus wissenschaftlicher Sicht sei zudem völlig unklar, was die Zellen im Gehirn ALS-Kranker bewirken können. Dass Immendorff Besserungen spüre, verwundere ihn nicht. "Es ist bekannt, dass gerade bei Operationen starke Placebo-Effekte auftreten können", sagte Meyer.
Immendorff war im August wegen Kokainbesitzes zu einer elfmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Er hatte vor Gericht gestanden, bei 27 Sexpartys mit Prostituierten und Mitarbeiterinnen von Begleitservice-Agenturen in einem Düsseldorfer Nobelhotel Kokain bei sich geführt zu haben.
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