Gefahr für Fußgänger und Radfahrer: Immer mehr Unfälle beim Abbiegen
VON STEFANI GEILHAUSEN - zuletzt aktualisiert: 17.01.2012 - 07:35Düsseldorf (RP). Mangelnde Konzentration und wachsende Rücksichtslosigkeit führen zu steigenden Unfallzahlen in der Stadt. Falsch-Abbieger riskieren dabei häufig bloß Blechschäden. Aber sie bringen Fußgänger und Radfahrer in Lebensgefahr. Nur selten sind die Kommandos von Navigationsgeräten schuld.
Allein die Rheinbahn zahlt im Vierteljahr um die 300.000 Euro für die Fehler von Autofahrern. Wenn die abbiegen, ohne auf die Schienen zu achten – gerne da, wo es sowieso verboten ist – oder gar wenden, ohne über die Schulter zu schauen, ist das die Hauptunfallursache beim Nahverkehrsunternehmen.
37 Mal ist das allein im vergangenen Jahr passiert, und erst am Freitag musste ein Wuppertaler schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert werden. Er hatte beim Linksabbiegen von der Anhalter- auf die Gumbertstraße eine Bahn übersehen, mit der sein Seat zusammengeprallt war. Bereits Anfang der Woche waren vier Insassen eines Pkw teils schwer verletzt worden, dessen Fahrer von der Neusser Straße abbog ohne die neben ihm fahrende Bahn zu beachten.
Grundregel der StVO
Paragraph 1 der Straßenverkehrsordnung lautet: (1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht. (2) Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.
Gefahr für Fußgänger und Radler
Unfälle aus der Kategorie "Fehler beim Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren" haben zwar in der Regel nicht ganz so schwerwiegende Folgen wie diese Beispiele oder gar wie Unfälle, die durch zu schnelles Fahren oder Vorfahrtsmissachtung verursacht werden. Aber ihre Zahl steigt ständig, sagt Polizeisprecher André Hartwich. Vor allem die Falschabbieger sorgen in der Stadt für immer mehr Zusammenstöße. Mit 43,1 Prozent sind sie für fast die Hälfte aller Unfälle im Stadtgebiet verantwortlich. 2226 Blechschäden beim Abbiegen im Jahr 2010 sind rund 600 mehr 2007. Das ist keine statistische Zufälligkeit, denn auch 2011 ist die Zahl deutlich gestiegen.
"Abbiegeunfälle passieren nicht", sagt Martin Vonstein, Leiter der Verkehrsdirektion bei der Polizei. "Sie werden verursacht." Und keineswegs sei das Navigationsgerät daran so oft schuld, wie es die Verursacher behaupten. "Gute Geräte wissen, wo man abbiegen darf und wo nicht." Mehr noch: Gute Geräte mit aktueller Software erleichtern nach Ansicht der Experten gerade Ortsfremden das Autofahren in der Stadt. Weil sie auch auf akute Verkehrsstörungen reagieren, könnten sie die Straßenlage sogar entspannen. "Man darf nur nicht die Verantwortung an das Gerät abgeben und blind den Ansagen folgen", so Vonstein. Er appelliert an Autofahrer, sich doch wieder mehr des ersten Paragrafen der Straßenverkehrsordnung zu erinnern, der Vor- und Rücksicht verlangt. "Würde das jeder beherzigen, gäbe es keine Probleme."
Vor- und Rücksicht mahnt auch die Rheinbahn an, und das nicht nur der hohen Kosten wegen. Jeder Stillstand nach einem Unfall – oder auch nur wegen eines falsch geparkten Autos – führt zu Verspätungen im Straßenbahnnetz. "Das ist für unsere Fahrgäste ärgerlich, die im Regen an der Haltestelle stehen, Anschlüsse verpassen oder sich zu Terminen verspäten", sagt Rheinbahnsprecher Eckhard Lander.
Weit schlimmer als das sind die Folgen der Achtlosigkeit für Radler und Fußgänger. Wo sie von einem unvorsichtigen Abbieger-Fahrzeug touchiert werden, kommt es zu teils schwersten Verletzungen. Die Polizei will deshalb mit Kontrollen die Vorsicht erzwingen, die Autofahrer zu oft außer Acht lassen. Gestern startete eine Schwerpunktaktion, an der auch die Stadt beteiligt ist.
Bei dem Düsseldorfer, der unlängst auf der Berliner Allee den Blinker setzte, um – trotz Verbots – nach links zum Graf-Adolf-Platz abzubiegen, könnte der Kontrolldruck Erfolg haben. Halb auf der Kreuzung stehend, blockierte er den nachfolgenden Verkehr, ungerührt vom Hupkonzert. Aber als er im Gegenverkehr einen Motorradpolizisten entdeckte, da fuhr er plötzlich ganz brav geradeaus.
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