2008 schon 102 Menschen verletzt: Immer öfter Unfälle mit der Bahn
VON S. GEILHAUSEN, J. TÜFFERS UND G. STENZEL - zuletzt aktualisiert: 05.11.2008 - 09:09Düsseldorf (RPO). In diesem Jahr sind schon 102 Menschen bei Straßenbahnunfällen verletzt worden. Die Zahl ist gegenüber dem ersten Dreivierteljahr 2007 deutlich gestiegen – seinerzeit waren es 62. Eine Verkehrspädagogin fordert mehr Verkehrserziehung in den Schulen.
Nach dem Tod des 14-jährigen Gymnasiasten Youssef R., der vergangene Woche auf dem Schulweg von einer Straßenbahn erfasst worden war, fordert Verkehrspädagogin Maria Limbourg, Professorin an der Universität Duisburg-Essen, mehr Verkehrserziehung in den Schulen. „Das gibt es in Kindergarten und Grundschule, aber in der Sekundarstufe wird auf diesem Gebiet nichts mehr getan.“
Die Professorin rät, auch die Rheinbahn ins Boot zu holen. Bus- und Bahntrainings, die das Unternehmen für kleinere Kinder anbietet, reichten nicht. Gerade Jugendliche sollten lernen, wie man sich an Haltestellen verhält, wie man Gleise sicher überquert. „Und man muss ihnen klar machen, was für ein Gewicht so eine Bahn hat, wie die Bremswege sind. Damit sie verstehen, in welche Gefahr sie sich begeben.“
In diesem Jahr sind schon 102 Menschen bei Straßenbahnunfällen verletzt worden, die meisten von ihnen Fußgänger, die achtlos über die Gleise liefen. Die Zahl ist gegenüber dem ersten Dreivierteljahr 2007 deutlich angestiegen – seinerzeit waren es 62.
Auch die Gesamtzahl der Unfälle, in die Straßenbahnen verwickelt waren, liegt mit 110 in den ersten neun Monaten 2008 deutlich über der vergangener Jahre – seit 2005 wurden jeweils um die 70 Unfälle registriert. Eine der Hauptursachen dafür sind laut Polizei Fehler von Autofahrern, die unerlaubt abbiegen oder wenden und dabei Straßenbahnen ignorieren. Ein oft folgenschwerer Fehler, der besonders häufig auf der Berliner Allee zu beobachten ist.
Navigationsgerät als Gefahrenquelle
Oft hören die Polizeibeamten nach solchen Unfällen von den Autofahrern, sie seien der Abbiege-Anweisung ihres Navigationsgeräts gefolgt. „Die gesprochene Anweisung wiegt offensichtlich stärker als die Wahrnehmung der Schilder“, mutmaßt Verkehrsexpertin Limbourg.
Sie hat selbst schon mehrfach erlebt, dass vor allem junge Fahrer dem Navi folgen und dabei weder Ampelsignale noch Verbotsschilder beachten. „Das ist ein Phänomen, das uns sicher noch häufig beschäftigen wird“, so Limbourg. Eine Lösung hat sie nicht. „Die Leute müssen begreifen, dass ein Navi sie nicht von ihrer Sorgfaltspflicht am Steuer entbindet.“
Polizei und Rheinbahn haben keine Erklärung für die steigende Unfallzahl. Besondere Unfallbrennpunkte gebe es nicht, sagt Werner Krause im Verkehrsdezernat der Polizei.
Und auch das gesamte Unfallgeschehen in der Stadt spiegele die Entwicklung bei den Bahnunfällen nicht wieder: Die Zahl ist mit knapp unter 20.000 gegenüber dem Vorjahr fast gleich geblieben, die der dabei verletzten Personen ging sogar leicht zurück.
Manchmal werden auch Warnblinker zu einer Gefahrenquelle – wenn sie nämlich nicht genau funktionieren: An der Straßenbahnhaltestelle Alte Landstraße blinken die Leuchten, die Autofahrer und Fußgänger warnen sollen, oft Minuten, bevor die Bahn auftaucht.
„Die Folge“, erzählt eine Autofahrerin, die die Gleise an der Stelle regelmäßig passiert, „ist, dass die Fahrer trotz Blinkern fahren, weil sie denken, dass die Lichtanlage defekt ist.“ Sie selbst auch: Gerade in dem Moment, in dem die Stadtbahn auftauchte, fuhr sie los. „Ich konnte mich schnell retten. Aber gefährlich bleibt die Stelle.“
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