Schweinegrippe: Impf-Praxen weisen Patienten ab
VON ANDREAS PANKRATZ UND STEFANIE WINKELKEMPER - zuletzt aktualisiert: 07.11.2009 - 10:17Düsseldorf (RPO). Nur in der Zentralen Impfstelle des Gesundheitsamtes verringern sich die Wartezeiten. Die niedergelassenen Ärzte können vor dem Ansturm nur noch die Tür schließen, weil sie nicht genügend Impfstoff zur Verfügung haben.
Immer mehr Impfwillige müssen in Düsseldorfer Arztpraxen vertröstet werden. "Überall hat man mir gesagt, ich solle demnächst wieder anrufen", sagt Werner Küching, Schulpsychologe der Bezirksregierung. Er wollte sich möglichst bald impfen lassen, um bei seinen Schulbesuchen sich und andere zu schützen. Zwölf Impfärzte rief er an, bekam nirgendwo einen Termin. Frustriert probierte er es bei weiteren zehn Praxen seiner Heimatstadt Essen. Nun hat er für kommenden Freitag einen Termin in einer entlegenen Praxis am Stadtrand bekommen.
Impf-Touristen aus Hamburg
So wie Werner Küching geht es vielen – sogar denen, die wegen ganz anderer Probleme ihren Hausarzt brauchen. Martina Scheuren konnte mit einer Lungenentzündung ihre Ärztin Gabriele Fischer nicht mehr erreichen, um ein neues Rezept zu bestellen. "Es war immer besetzt", sagt sie frustriert.
Clemens Schmidt, Apotheker des Gesundheitsamtes Düsseldorf bestätigt: "Wir können im Moment nicht alle Wünsche erfüllen." Nach wie vor müssten die Risikogruppen zuerst geimpft werden. Ihnen rät er, am Telefon sofort darauf hinzuweisen, ob beispielsweise eine chronische Erkrankung vorliegt.
Dabei läuft der Impfbetrieb zumindest in der Zentralen Impfstelle an der Erkrather Straße inzwischen ohne große Verzögerungen. Nach Aufstockung des Personals und Verbesserung der Infrastruktur in den vergangenen Tagen konnten gestern mehr als 1500 Patienten versorgt werden. Das Niveau entspricht damit dem Rekord-Donnerstag, als rund 1900 Patienten zur Anlaufstelle des Gesundheitsamtes kamen. "Zumindest standen die Menschen nicht wieder bis in den Hof", sagt Stadtsprecher Michael Bergmann. Zunehmend zum Problem wird jedoch, dass immer mehr Menschen aus dem Umland zum Impfen nach Düsseldorf kommen. Bergmann berichtet von einem Patienten, der für die Impfung extra aus Hamburg angereist sei, weil er zur Risikogruppe zählt und dringend in die USA fliegen musste.
Bei der Stadt schürt das Unsicherheiten, ob die H1N1-Rationen in Zukunft ausreichen. "Düsseldorf ist eine Pendlerstadt, in der sich viele Arbeitnehmer aus Krefeld, Mettmann oder Köln in der Mittagspause impfen lassen. Das wurde bei der Verteilung des Impfstoffs nicht mitbedacht", sagt Bergmann.
Die Verantwortlichen des Gesundheitsamtes hoffen nun, dass der Impfstoff bis nur nächsten Lieferung am Donnerstag ausreicht. "Sollte es knapp werden, kümmere ich mich selbst beim Land darum, dass wir mehr bekommen", sagt Heiko Schneitler, Leiter des Gesundheitsamtes. Er will so schnell wie möglich viele Patienten impfen, um die Bevölkerung zu schützen.
Derweil hat sich der Zustand der Patientin, die in der Uniklinik beatmet wird, weiter verschlechtert.
Eine Übersicht über die Praxen, in denen Sie sich gegen die Schweinegrippe impfen lassen können, finden Sie hier.
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