Neuer Schauspielhaus-Chef: "In Deutsch bin ich besser als Trapattoni"
VON ANNETTE BOSETTI - zuletzt aktualisiert: 29.09.2009 - 07:54Düsseldorf (RPO). Die Intendantenfrage war in der Landeshauptstadt das bestgehütete Geheimnis der vergangenen Tage. Selbst der frischgewählte Niermeyer-Nachfolger hat es erst gestern Morgen definitiv erfahren, dass er ab 2011 das Düsseldorfer Theaterleben maßgeblich beeinflussen wird.
Einstimmig hat nun der Aufsichtsrat des Schauspielhauses den bald 51-jährigen Schweden Staffan Valdemar Holm unter 21 Mitbewerbern ausgewählt. Gestern wurde der neue Chef am Gustaf-Gründgens-Platz von Oberbürgermeister Dirk Elbers und Staatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff der Presse vorgestellt. Kurz bevor Holm wieder ins schwedische Stockholm jettete, hatten wir Gelegenheit zu einem ersten Gespräch.
Herr Holm, wieso sprechen Sie so gut Deutsch?
Holm Das habe ich bei Goethe, Schiller, Lessing und Kleist gelernt. Wenn es auch manchmal Probleme gibt, so bin ich doch in Deutsch besser als Trapattoni.
Was wissen Sie schon über das Düsseldorfer Theater?
Holm Eine ganze Menge. Ich habe sehr viele Inszenierungen hier gesehen, und ich habe manchmal sehr gutes Theater gesehen.
Wann waren Sie das erste Mal hier?
Holm Ich glaube, das war 2002; damals war Anna Badora noch Intendantin. Man hat sich kennengelernt durch die Arbeit in der UTE (Union der Theater Europas), in der unsere Häuser beide aktiv waren.
In der Spielzeit 2010 hat Sie die jetzige Intendantin Amélie Niermeyer für eine Produktion engagiert. Was werden Sie inszenieren?
Holm Ich weiß es noch nicht. Es kann gut sein, dass es ein Klassiker wird.
Und kennen Sie schon Ihr künftiges Publikum?
Holm. Nicht so genau. Aber ein Publikum ist immer eine gemischte Gesellschaft und es ist insbesondere der Spiegel seiner Region.
Was wissen Sie denn über das Rheinland?
Holm Ich halte es für halb französisch geprägt, leichtlebig und doch aufrecht. Für mich kann es nur von Vorteil sein, dass ich mit meinen fremden Augen darauf schauen werde. Ein Experiment wird es in jeder Hinsicht werden – für beide Seiten.
Was meinen Sie mit Experiment?
Holm Als Fremder kann man auch einiges in Frage stellen.
Sie sind auch als Opernregisseur hervorgetreten. Wo inszenieren Sie lieber – im Schauspiel- oder im Opernhaus?
Holm Das ist für mich fast dasselbe, nur, dass das eine mit Musik funktioniert.
Frischluftzufuhr verspricht man sich von Ihnen für die dichte Theaterlandschaft an Rhein und Ruhr und für Düsseldorf. Wie blickt einer aus dem Hohen Norden, der außerdem in Chile, Wien und Berlin gearbeitet hat, auf seine neue Wirkungsstätte?
Holm Für mich ist Düsseldorf nicht ganz Provinz. Aber ein internationaler Anspruch kann der Stadt gut tun. In Deutschland gibt es die größten Kultursubventionen der Welt, was wunderbar ist, und so muss man sich auch vor dieser Welt ein wenig verbeugen.
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