Demenz ist immer noch ein Tabuthema: "Ist heute Weihnachten oder Mai?"
VON BIRGIT KRANZUSCH - zuletzt aktualisiert: 06.09.2005 - 14:47Düsseldorf (dto). „Gestern bin ich in den Keller gegangen und wusste nicht mehr, was ich dort sollte.“ Eine Situation, die wahrscheinlich jedem schon einmal passiert ist. Bei älteren Menschen bekommt dieser Satz jedoch eine andere Bedeutung, denn genau diese Situation bekommt Silke Lua häufig geschildert und meist bleibt es nicht dabei. „Meine Mutter hat neulich mehrfach die Herdplatte angelassen, und mich Nachts angerufen, weil sie sich gewundert hat, dass es draußen dunkel ist“. Diesen Satz hat die Diplom-Psychologin auch schon oft gehört. Die Mitarbeiterin des Demenz-Servicezentrums kennt die Sorgen und Nöte von den Angehörigen, die sich um ihre demenzkranken Eltern, den Ehemann oder die Schwester kümmern. Demenz ist immer noch ein angstbelastetes Tabuthema, aber die Auseinandersetzung mit dieser Krankheit ist wichtig. Und so lädt anlässlich des Weltalzheimertages das Demenz-Servicezentrum am 16. September zu einem Informationstag ein.
Demenz ist immer noch ein angstbelastetes Tabuthema, aber eine Krankheit, mit der Angehörige und Kranken lernen müssen zu leben. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist Demenz zusätzlich ein aktuelles Thema, mit dem sich auch die Menschen beschäftigen müssen, die noch im mittleren Alter sind. Etwa 300.000 Menschen sind in Nordrhein-Westfalen demenzkrank, in Düsseldorf sind es 7.800 Menschen. Und mit steigendem Alter, steigt auch die Gefahr an Demenz zu erkranken.
Betroffene leiden an einer fortschreitenden Leistungsstörung des Gehirns, die die Erkrankten tiefgreifend verändert und auch das Leben der Angehörigen beeinflusst, denn Demenz bedeutet eine einschneidende Veränderung der Persönlichkeit, das Sozialverhalten des Erkrankten ändert sich, es zu kommt zu Antriebs- und emotionalen Störungen, und auch zu Konflikten mit Angehörigen. "Mutter ist in letzter Zeit immer so starrköpfig. Wir zanken dauernd" beschreiben viele Angehörige die Situation. Oft fehlt das Wissen über die Krankheit und ihren Verlauf, Pflege- und Therapieangebote sind nicht ausreichend bekannt, Familienangehörige überschreiten im Umgang mit den Erkrankten häufig ihre eigene Belastbarkeit.
„Die Leute kommen zu uns, wenn das Dach über dem Kopf bereits zusammengebrochen ist und sie in einer Notsituation sind,“ sagt Silke Lua und meint damit die Angehörigen, die sich aufopfernd um ihre kranken Eltern kümmern, bis sie an ihre eigenen Grenzen kommen und dnan plötzlich eine Pflegeinrichtung gesucht wird. Dabei ist Demenz kein Schicksal, mit dem man sich abfinden muss. „Es gibt Formen von Demenz, die heilbar sind“, sagt Silke Lua. Und für die Menschen, die nicht geheilt werden können, ist die Behandlung genauso wichtig, denn die Krankheit kann mit Medikamenten hinaus gezögert werden. Entscheidend ist bei der Erkrankung die richtige Diagnose, eine passende Therapie und das richtige Betreuungsangebot, wenn die Krankheit schon fortgeschritten ist und Angehörige arbeiten und sich nicht alleine kümmern können. Hier möchte das Demenz-Servicezentrum ansetzen.
Das Demenz-Servicezentrum für die Region Düsseldorf ist als Teil der Landesinitiative "Demenz-Service NRW" ein Modellprojekt des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW und der Landesverbände der Pflegekassen. Seit dem 1. September 2004 gehört es zu den wesentlichen Aufgaben des Zentrums Betroffene und Angehörige zu beraten und ein Serviceangebot aufzubauen. Bestehende Angebote, Konzepte und Erfahrungen aus der Region werden hier miteinander vernetzt und Hilfsangebote gemeinsam mit den Anbietern, die Demenzkranke betreuen, weiterentwickelt. Nächstes Ziel des Demenz-Servicezentrums ist die Schaffung einer trägerübergreifenden Betreuungsagentur, in der Ehrenamtliche ausgebildet und begleitet werden, um Demenzerkrankte stundenweise in ihrer eigenen Häuslichkeit zu betreuen.
Demenz ist aber nicht nur eine Krankheit, die bereits Erkrankte und deren Betroffene angeht. "Es geht auch darum Verständnis zu entwickelt, wenn die alte Frau an der Kasse vor einem etwas länger braucht das Geld aus der Börse zu holen", sagt Jutta Giersch, Leiterin der Abteilung Senioren, Behinderte und Pflegebedürftige. Jeder solle sich zudem frühzeitig Gedanken darüber machen, wie er sein Leben im Alter plant und auch darüber nachdenken, was passieren soll, wenn man selbst erkrankt.
Anlässlich des Weltalzheimertages am 21. September lädt das Demenz-Servicezentrum für die Region Düsseldorf am Freitag, 16. September, von 15.30 Uhr bis 19.30 Uhr, im Stadtmuseum, Berger Allee 2, zu einem Informationstag ein. Unter dem Titel "Ist heute Weihnachten oder Mai?" referieren Spezialisten verschiedener Fachrichtungen über wesentliche Aspekte dieser Erkrankung. Zusätzlich informieren Düsseldorfer Einrichtungen über ihre Angebote für Demenzkranke. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei. Anmeldungen werden unter Telefon 892 22 29 entgegengenommen.
Das Demenzzentrum befindet sich in der Kölner Straße 186 und ist unter der Telefonnummer 0211/89 22 22 8 erreichbar.
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