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Spaziergänger sind empört: Jagdszenen in Himmelgeist

VON BERND BUSSANG - zuletzt aktualisiert: 10.02.2011 - 15:50

Düsseldorf (RPO). Ein neuer Jagdaufseher im Rheinbogen, der in Schloss Meierhof eine private Jagdschule unterhält, gerät in Konflikt mit Spaziergängern. Wer in Himmelgeist Ruhe sucht, wird häufig durch Schüsse und das Auftreten von Jägern irritiert.

Der Rheinbogen ist ein wichtiger Anlaufpunkt für Erholungssuchende im Düsseldorfer Süden. Durch vermehrte Jagdaktivitäten in dem Naturschutzgebiet fühlt sich mancher Spaziergänger gestört und irritiert.  Foto: Christoph Goettert
Der Rheinbogen ist ein wichtiger Anlaufpunkt für Erholungssuchende im Düsseldorfer Süden. Durch vermehrte Jagdaktivitäten in dem Naturschutzgebiet fühlt sich mancher Spaziergänger gestört und irritiert. Foto: Christoph Goettert

Seit 20 Jahren geht Frank Weidenbach im Himmelgeister Rheinbogen spazieren, doch was er in den vergangenen Wochen dort erlebt hat, macht ihn zornig: „Ich finde das empörend“, sagt er. Es war an einem Sonntagvormittag, Ende Oktober, als er mit seiner Frau auf dem Kölner Weg, unweit der alten Kastanie, zwei Jäger beobachtete, die ihre Gewehrläufe in die Luft hielten. Dann fielen Schüsse. Ein Vogel stürzte vom Himmel. Der Spaziergänger vernahm „Jubelgeschrei“.

Er wurde neugierig, denn er vermutete, dass die Jäger soeben einen geschützten Greifvogel erschossen hatten. Er näherte sich den Männern, sprach sie an und ist sicher: „Es war ein Bussard.“ Auf seine Vorwürfe hin habe ihn einer der Männer, der sich als Revierleiter vorstellte, rüde beschimpft und ihn angewiesen, das Privatgelände zu verlassen und „lieber am Rhein spazieren zu gehen“, so Weidenbach. Bei weiteren Spaziergängen an Samstagnachmittagen im Januar sei er wiederholt Jägern begegnet, die Hasen aus dem Unterholz trieben und mit Schüssen erlegten.

Info

Der Rheinbogen

Der Himmelgeister Rheinbogen wurde 1996 als Naturschutzgebiet ausgewiesen und wird von Naturfreunden als Naherholungsgebiet genutzt. Die Ländereien mit Schloss Mickeln – das von der Universität erworben wurde und als Gästehaus genutzt wird – und dem früheren Wirtschaftshof, Schloss Meierhof, gehören der Familie Arenberg.
Die Auenlandschaft erstreckt sich über 214 Hektar und ist ein außergewöhnlicher Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen.

Seit der langjährige Jagdaufseher und Naturfilmer Otto Kieker 2008 Schloss Meierhof verlassen hat, ist es im Rheinbogen mit der Ruhe dahin. Das beklagen Anwohner und Erholungssuchende, die namentlich aber lieber ungenannt bleiben wollen. Übereinstimmend berichten sie von vermehrten Schüssen – auch zu Zeiten, in denen das Naturschutzgebiet von Spaziergängern besucht wird – von Autokarawanen und von nächtlichen Fuchsjagden. „Es knallt überall“, berichtet eine Frau aus Itter. „Jeden Tag höre ich dort Schüsse.“

Im Rheinbogen, der zu weiten Teilen der Familie Arenberg gehört, aber durch öffentliche Wege erschlossen ist, hat inzwischen Gerolf Blittersdorf die Jagdaufsicht übernommen. In den Räumen von Schloss Meierhof und im angegliederten Forsthaus in der Himmelgeister Jücht hat der Revierjäger und Diplom-Pädagoge eine private Jagdschule eröffnet. Dort bietet er laut seiner Homepage „Eigenjagd direkt am Rande der Landeshauptstadt“ an. Neben Kompakt- und Wochenendkursen können Interessenten dort auch „exklusive Managerkurse“ (5500 Euro) buchen.

Der neue Revierjäger weist sämtliche gegen ihn erhobenen Vorwürfe mit Nachdruck zurück. „Wir halten uns streng an das Landes- und Bundesjagdschutzgesetz und nehmen Rücksicht auf die Belange von Spaziergängern“, sagt Blittersdorf. An die Begegnung mit Spaziergänger Weidenbach Ende Oktober erinnert er sich, schildert sie aber ganz anders. Er selbst sei von dem Ehepaar „übelst beschimpft“ worden, und bei dem abgeschossenen Vogel habe es sich keineswegs um einen Bussard, sondern um eine Rabenkrähe gehandelt.

Der Revierjäger räumt ein, dass sich die Jagdaktivitäten seit dem Personalwechsel erhöht hätten. Ein vermehrter Abschuss von Räubern wie Iltis, Marder oder Fuchs diene dem Schutz heimischer Bodenbrüter wie Kiebitz und Flussregenpfeifer. Nächtliche Kontrollfahrten durch die Jücht sollen Müllsünder, die teilweise alte Schrott-Autos im Naturschutzgebiet abstellen, sowie Prostituierte und ihre Freier abschrecken.

Quelle: RP

 
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