Studie: Jeder Dritte will bis 2020 umziehen
VON JAN SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 04.02.2011 - 09:13Düsseldorf (RPO). Laut einer repräsentativen Studie der Landesbausparkasse planen 36 Prozent aller NRW-Bürger im nächsten Jahrzehnt einen Wohnungswechsel – in Düsseldorf also etwa 200 000 Menschen. Das sind deutlich mehr als vor zwei Jahren. Umzugsfirmen reagieren unterschiedlich auf diese Prognose.
Düsseldorf wächst nicht nur um 3000 bis 4000 Einwohner pro Jahr, so dass schon 2014 die 600 000-Einwohner-Marke geknackt werden dürfte. Auch innerhalb der Landeshauptstadt wird viel umgezogen.
Statistisch gesehen planen bis 2020 190 000 Düsseldorfer einen Tapetenwechsel. Dies geht aus der repräsentativen Studie "Wohnwünsche NRW" der Landesbausparkasse hervor. Eine tatsächliche Hochrechnung speziell für Düsseldorf ist dies zwar nicht – die LBS hat lediglich die 36 Prozent umzugswilligen NRW-Bürger auf die Einwohnerzahl der Stadt heruntergebrochen.
Dennoch wird deutlich: "Die Umzugswilligkeit nimmt deutlich zu", sagt LBS-Sprecher Christian Schröder. Seit 2008 erfasse man die Werte, damals hätten nur 27 Prozent aller Befragten angegeben, für das nächste Jahrzehnt einen Umzug zu planen. 2009 seien es 34 Prozent gewesen, nun, bei der jüngsten Erfassung 2010, 36 Prozent. Befragt wurden dafür 4600 NRW-Haushalte.
Einwohnerzahlen
Lange waren Experten davon ausgegangen, dass die Einwohnerzahl Düsseldorfs erst um 2020 die Marke von 600 000 erreicht.
Aus der jüngsten Erhebung aus dem vergangenen Juni geht nun hervor, dass dies bereits 2014 der Fall sein dürfte. Für 2026 wird dann bereits eine Einwohnerzahl von 638 000 prognostiziert.
Die Krise scheint überwunden
Dass die Tendenz in Richtung Wohnungswechsel steigt, habe mit dem Ende der Wirtschaftskrise zu tun, sagt Schröder. "Die Leute spekulieren wieder auf neue Jobs, die Bereitschaft zu mehr Mobilität wächst." Laut LBS-Gebietsleiter Manfred Ruckes zieht es die Umzugswilligen in erster Linie in die Nähe des Zentrums, gefolgt von ruhigen Stadtteilen. Das ländliche Wohnen folge an dritter Stelle.
190 000 Umzüge in zehn Jahren – spinnt man dieses Gedankenspiel weiter, kommt man auf 19 000 im Jahr und 52 pro Tag beziehungsweise 61 pro Werktag. Eine gesteigerte Umzugslust kann Christiane Mente vom gleichnamigen Umzugsunternehmen derzeit zumindest noch nicht feststellen. "Wir machen zwei, drei Umzüge pro Tag – das Niveau ist gleichbleibend", sagt sie.
Etwas optimistischer formuliert es Sven Nolte von Nolte Umzüge. "Wir haben derzeit etwa 120 Anfragen pro Monat – früher waren es 80." Gegenüber zum Vorjahresmonat habe man im Januar 2011 zehn Prozent mehr an Umzügen durchgeführt. "Der Markt zieht gerade an", sagt Nolte – nicht zuletzt, weil in den Unternehmen wieder mehr Versetzungen anstünden als in den vergangenen zwei Jahren und damit mehr Leute umzögen.
Eine Sprecherin von Toni Adam Umzüge hingegen glaubt nicht, dass die steigende Bereitschaft zum Umzug sich positiv auf die Auftragslage auswirken wird. "Der Umzugsmarkt ist kaputt", sagt sie. "Gerade junge Leute machen das doch heute alles selbst". Dem widersprechen Mente und Nolte: "Junge Leute gehörten noch nie wirklich zur Zielgruppe von Umzugsunternehmen." Dies verändere sich gerade aber sogar etwas hin zum Positiven, hat Nolte beobachtet: "Wir müssen in dem Bereich derzeit keine Preisnachlässe anbieten."
Die Gründe für einen geplanten Umzug sind laut der Studie unterschiedlich. Bei Singles und Paaren sind es zumeist berufliche Veränderungen oder zu kleine Wohnungen, bei Familien mit Kindern die Eigentumsbildung und bei der Generation 55 plus das Verlangen, rechtzeitig auf ein barrierefreies Umfeld umzusteigen.
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