Initiative "Herzwerk": Jenny Jürgens hat ein Herz für Alte
VON REGINA GOLDLÜCKE - zuletzt aktualisiert: 16.10.2009 - 08:06Düsseldorf (RPO). Gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz gründete die Schauspielerin die Initiative "Herzwerk". Damit werden alte und bedürftige Menschen unterstützt, die sich selber nicht helfen können. Es ist auch ein Engagement gegen die Einsamkeit.
"In mir tobt ein kleiner Sturm", gab Jenny Jürgens zu. "Dies ist ein großer Tag. Dass auch Oberbürgermeister Elbers hierher gekommen ist, bedeutet mir viel." Im Theater an der Kö in den Schadow Arkaden präsentierte die Schauspielerin gestern ihr neu gegründetes Projekt "Herzwerk – Aktiv gegen Armut im Alter."
Es soll Menschen ab 75 Jahren, die durch ihre Lebensumstände auf Hilfe angewiesen sind, einen würdigen Alltag ermöglichen. Bereits seit 2005 engagiert sich Jenny Jürgens als Seniorenbotschafterin des Deutschen Roten Kreuzes in Düsseldorf.
Viele Begegnungen und Gespräche hinterließen Spuren. "Armut und Alter bekamen für mich plötzlich ein Gesicht", sagt sie. "Lange keimte in mir der Wunsch, aktiv zu sein und zu helfen. Auch, um meiner Aufgabe als Botschafterin mehr Ausdruck und Glaubwürdigkeit zu verleihen. Selbst vom Leben beschenkt, möchte ich ein Bewusstsein dafür schaffen, dass finanzielle Not und Einsamkeit für erschreckend viele alte Menschen allgegenwärtige Realität sind. Selbst in dieser reichen Stadt."
Jenny Jürgens sucht engagierte Mitbürger für „Herzwerk“, ihr gemeinnütziges Projekt mit dem Deutschen Roten Kreuz. Sie bittet um finanzielle und materielle Unterstützung sowie „Zeitspenden“.
Wer helfen will: Spendenkonto 1005470149, Stadtsparkasse Düsseldorf, BLZ 300 501 10.
Internet www.herzwerk-duesseldorf.de
Thomas Jeschkowski vom DRK lieferte die Zahlen: In Düsseldorf leben 6611 Menschen über 64 Jahre unterhalb der Armutsgrenze, Tendenz steigend. Ihre so genannte Grundsicherung beträgt 361 Euro im Monat. Mehr als ein Viertel dieser Senioren wohnt in Pflegeeinrichtungen und verfügt über ein Taschengeld von drei Euro täglich. Jenny Jürgens: "Wir sammeln Spenden, um ihre oft sehr kleinen Wünsche zu erfüllen."
Dazu gehören der extra Apfel, die Taxifahrt zum Arzt, die neue Brille oder der Friseurbesuch. "Wer auf der Sonnenseite lebt, kann sich kaum vorstellen, welche Bedürftigkeit herrscht. Da ernähren sich Menschen tagelang von mit Wasser gestreckten Tütensuppen oder müssen sich eine einzige Scheibe Brot übers Wochenende einteilen."
Aber die Schauspielerin weiß auch sehr genau: "Geld besiegt nicht die Einsamkeit. Ebenso wichtig sind Zeitspenden und menschliche Nähe. Deshalb kümmern wir uns mit ehrenamtlichen Helfern um Patenschaften." Mitstreiter seien dabei nötig und willkommen.
"Man hat immer die Wahl", sagt Jenny Jürgens. "Tue ich etwas oder lasse ich es bleiben? Für mich ist Mitmenschlichkeit eine moralische Pflicht. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir alle eines Tages unausweichlich alt werden und diesen Weg gehen. Wohl dem, der dann sozial abgesichert ist, familiäre und emotionale Unterstützung hat und sich nicht um einen leeren Kühlschrank sorgen muss."
Fingerspitzengefühl nötig
Ihr bekannter Name wird "Herzwerk" zweifellos nützen. Das damit verbundene Dilemma verschweigt sie nicht: "Es braucht viel Fingerspitzengefühl, um nicht den Eindruck zu erwecken, als würde man sich selber in den Vordergrund spielen."
Zum hochkarätig besetzten Kuratorium von "Herzwerk" gehören neben anderen Stefan Fischer, Geschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes Düsseldorf, die Unternehmer Suzanne Oetker-von Franquet und Enno Onken sowie der Sozialwissenschaftler und Vermögensforscher Thoma Druyen. Er hat seine Frau Jenny Jürgens von Beginn an tatkräftig unterstützt. "Intellektuell war es allein ihre Idee", sagt er. "Sie hat zuerst auch reichlich Gegenwind gespürt. Dieses Projekt erfordert Mut und Charakter. Beides hat sie im Übermaß."
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