Konzert in der Tonhalle: Jetzt kann Schöneberger auch noch singen
VON BERND SCHUKNECHT - zuletzt aktualisiert: 28.09.2007 - 09:21Düsseldorf (RPO). „Jetzt singt Sie auch noch!“ - Selbstironie war von jeher die beste Angriffstaktik von Barbara Schöneberger, deren Bekanntheitsgrad schlagfertige TV-Auftritte maßgeblich erhöht haben. Aktuell hat das multitalentierte blonde Gift die Musik entdeckt und verspricht mit der Rückendeckung des Pops Orchestra: „One Night To Remember“.
Das Versprechen einer Nacht, die man nie vergisst, kann Verheißung und Drohung zugleich sein. Rund 1200 begeisterte Fans beim NRW-Konzert in der Düsseldorfer Tonhalle beweisen indes, dass es die frühere Soziologie-Studentin versteht, die emotionalen Bedürfnisse des Publikums zu treffen - auch die nach sorgenfreier Unterhaltung.
Mit dem Gordon-Lightfoot-Klassiker „If You Could Read My Mind“ eröffnet die 33-Jährige das mehr als zweistündige Konzert. Um es gleich vorweg zu sagen: Der Spross einer musikalischen Familie singt nicht nur besser als die selige Marilyn, sondern auch besser als viele Schauspiel-Kolleginnen, die glauben, sie könnten die Musik als zweites Standbein nutzen.
„S‘Wonderful“ - der Titel von George Gershwin bringt ihre optimistische Stimmung auf den Punkt. Aufgrund ihres Selbstbewusstseins, das stets mit vorgeblicher Naivität kokettiert und mit dem Klischee der üppigen Blondine nichts zu tun hat, sieht sie keine Veranlassung, die musikalische Messlatte auf bescheidenes Niveau zu hängen. Titel von Größen wie Ella Fitzgerald, Eartha Kitt, Diana Ross oder Barbra Streisand erreichen natürlich nicht die Klasse der Originale - dazu sind die Sängerinnen viel zu unterschiedlich - , aber Schöneberger ist weit davon entfernt, sich bis auf die Stimmbänder zu blamieren.
Das inklusive sechs Bläsern sowie Chorsängerin und -sänger 16-köpfige Berlin Pops Orchestra unter Joris Bartsch Buhle begleitet mit eingängig swingendem Revue-Jazz. Während ein Teil des Repertoires populären Klassikern des Great American Songbook vorbehalten ist, füllt sie den anderen mit eigenen Liedern, darunter auch Schlager wie „Das bisschen Haushalt“, vor Jahrzehnten gesungen von Johanna von Koczian. Dieser rote Faden der ironisierenden Analyse der Geschlechterbeziehungen - an die Adresse von Eva Herman richtet sie mit rollendem „r“ ein harsches „von nun an wird zurückgeputzt“ - zieht sich auch durch Liedtitel wie „Männer muss man loben“, „Nicht, dass du denkst“ oder „Glücklich in acht Tagen“.
„Drücken Sie mir die Daumen, dass ich nicht zurück zu Pro 7 muss“, bittet sie nach der letzten Zugabe ihr Publikum, das sie im Stehen jubelnd verabschiedet. Da das gesangliche Potenzial stimmt, kommt man der Bitte gern nach.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum





