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Herzstillstand nach langer Krankheit: Jörg Immendorff - Malerfürst und Kanzlerfreund

zuletzt aktualisiert: 28.05.2007 - 16:49

Er gilt als einer der bedeutendsten Maler Deutschlands: Jörg Immendorff ist am Montagmorgen in seinem Haus in Düsseldorf gestorben. Er erlag nach jahrelangem Leiden der unheilbaren Nervenkrankheit ALS. Schon zu Lebzeiten wurde er als "Malerfürst" geadelt.

Der Gesundheitszustand von Jörg Immendorff hat sich gebessert.  Foto: AP
Der Gesundheitszustand von Jörg Immendorff hat sich gebessert. Foto: AP

Immendorffs großformatige Bilder waren seinen Bewunderern zig-tausende Euro wert. Zu seinen Freunden zählte der Beuys-Schüler so mächtige Männer wie Altkanzler Gerhard Schröder (SPD). Doch auf das Leben des Düsseldorfer VIP-Künstlers fielen in den letzten Jahren lange Schatten: Wegen eines Drogen- und Sexskandals geriet Immendorff, bei dem 1998 die unheilbare Nervenkrankheit ALS diagnostiziert wurde, zuletzt mehr in die Schlagzeilen als durch sein künstlerisches Schaffen.

Ins Rampenlicht trat der todkranke Maler zuletzt im September 2005, als er in Berlin an der Eröffnung einer großen Retrospektive seines Werks teilnahm. Damals war der 61-Jährige bereits an den Rollstuhl gefesselt - seit Jahren schon litt Immendorff an Lähmungen als Folge der bei ihm festgestellten Amyotrophen Lateralsklerose (ALS).

Immendorff wurde wenige Wochen nach Kriegsende im Juni 1945 in niedersächsischen Bleckede geboren. Sein künstlerisches Talent bewies der Sohn eines Offiziers und einer Sekretärin bereits als 16-jähriger Schüler mit einer ersten Ausstellung im einem Bonner Jazzkeller. 1963 nahm Immendorff ein Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie auf. Ein Jahr später wechselte er in die Klasse von Joseph Beuys und wandte sich wie sein Lehrer der Politik zu: 1968 beteiligte sich Immendorff an den Studentenprotesten, attackierte mit Bildern unter Titeln wie "Hört auf zu malen" den bürgerlichen Kunstbetrieb und wurde schließlich wegen provozierender Aktionen der Kunstakademie verwiesen.

Von 1968 bis 1980 war der bekennende Maoist als Kunsterzieher an einer Düsseldorfer Hauptschule tätig. In dieser Zeit begann er die Arbeit an seiner bekanntesten Bilderguppe: In seinem 1983 vollendeten "Cafe Deutschland"-Zyklus setzte Immendorff die deutsche Nachkriegswirklichkeit und seine Vision von der Wiedervereinigung ins Bild. Zugleich etablierte er sich mit der 19-teiligen Serie als wichtigster politischer Maler seiner Generation.

Freilich fand der den damaligen "Jungen Wilden" zugerechnete Immendorff zunächst im Ausland mehr künstlerische Anerkennung als in der Bundesrepublik. Während er als Maler, Grafiker und Bildhauer in den 80er Jahren bei Gastprofessuren unter anderem in Stockholm, Zürich und Trondheim hohe Wertschätzung erfuhr, widmete ihm sein Heimatland erst 1996 eine erste große Werkschau im Kunstmuseum Wolfsburg. Ein Jahr später wurde Immendorff mit dem höchstdotierten Kunstpreis der Welt geehrt, dem vom Museum im mexikanischen Monterrey verliehenen Marco-Preis. Damals war der frühere KPD-Aktivist längst auch gesellschaftlich aufgestiegen - in der High Society war Immendorff, der seit 1996 an der Düsseldorfer Kunstakademie lehrte, ein begehrter Gast.

Dass Immendorffs Name zuletzt häufiger auf Sex-and-Crime-Seiten auftauchte als im Feuilleton, war zumindest indirekt der fortschreitenden ALS-Erkrankung des Künstlers geschuldet. Nachdem er im August 2003 in der Suite eines Düsseldorfer Nobelhotels bei einer von insgesamt 27 Sex- und Drogen-Partys erwischt wurde, zitierte die Justiz den schwer Kranken ein Jahr später wegen Kokainbesitzes vor Gericht. Elf Monate Haft auf Bewährung lautete schließlich das milde Urteil für Immendorff, der seit Juli 2000 mit der 30 Jahre jüngeren Künstlerin Oda Jaune verheiratet war.

In dem Verfahren hatte Immendorff, dessen Tochter Ida im August 2001 zur Welt gekommen war, die Sex-Partys als Ausdruck der "Lebensgier" eines Mannes bezeichnet, der um seinen baldigen Tod weiß. Im März 2005 machte Immendorff noch einmal bundesweit Schlagzeilen, als er sich in China im Kampf gegen seine Krankheit Zellen von abgetriebenen Föten ins Gehirn spritzen ließ. Er überlebte die umstrittene Therapie nur um gut zwei Jahre.


 
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