Düsseldorf: Johanna Ey und ihr Kreis
VON KLAUS SEBASTIAN - zuletzt aktualisiert: 18.09.2007Düsseldorf (RPO). Zahlreiche Künstler verehrten und verewigten sie: die legendäre „Mutter Ey“. In einer Ausstellung bei Remmert und Barth ist derzeit eine dicht gehängte Ausstellung zu sehen, die auch die Mäzenin selbst in allerlei Facetten zeigt.
Einen Brief an Johanna Ey verzierte Otto Dix mit einer fröhlichen Karikatur: Da segelt die rundliche Kunsthändlerin als rettender Engel durch die Lüfte; in der Hand hält sie eine 2000-Mark-Banknote. Die legendäre „Mutter Ey“ (die Vermarktung als Altstadtoriginal gefiel ihr selbst überhaupt nicht) liebte und förderte ihre Künstler.
Im Schaufenster der Ey ausstellen
1910 – sie ist frisch geschieden und muss vier Kinder durchbringen – übernimmt sie an der Ratinger Straße eine Bäckereifiliale, die bald zum Treffpunkt von Studenten der nahegelegenen Kunstakademie wird. „Nach und nach kamen immer mehr Künstler“, schreibt Ey in ihren Erinnerungen. „Es wurde bekannt, dass der eine oder andere pumpen konnte. Des Morgens wurde eine Unmenge Brötchen mit Wurst, Käse, Schinken zubereitet.“ Die Geschichte der mutigen Kunsthändlerin wird im Katalog zur Ausstellung („Großes Ey wir loben dich!“) bei Remmert und Barth bildhaft erzählt. Noch anschaulicher wird die Zeit der rheinischen Künstler-Avantgarde dann in den 200 Arbeiten von 50 Künstlern, die seinerzeit in der Galerie „Neue Kunst Frau Ey“ ausstellten oder sich vom Kraftfeld der unkonventionellen Mäzenin angezogen fühlten.
Max Ernst gehörte zum Beispiel dazu. 1921 organisierte Johanna Ey die erste Einzelschau seiner Werke in Deutschland. Oder Otto Pankok: Er ist in der Bilderschau gleich mit sieben Arbeiten vertreten. Darunter eine makabre Radierung mit dem Titel „Hier liegt er“. Als Zukunftsvision malt sich Pankok da in expressionistischer Manier sein eigenes Grab aus. Die Inschrift auf dem Grabstein verrät immerhin, dass er 100 Jahre alt werden wollte. Das war 1919. In Düsseldorf wird gerade die Künstlervereinigung „Das junge Rheinland“ gegründet. Das konservative Publikum reagiert verstört auf die „brechenden Formen und krachenden Farben“. Pankok und Gert Wollheim dürfen dennoch im Schaufenster der Ey ausstellen, und sie wecken das Verständnis der Kunsthändlerin „für diese ungewohnte, aus der Tradition ausbrechende Kunst.“ Die künstlerische Aufbruchsstimmung mit ihrer stilistischen Freiheit lässt sich in der dicht gehängten Ausstellung gut nachvollziehen. Werner Gilles malt schon 1926 wie ein junger Wilder, Bruno Gollers Kompositionen erscheinen dagegen still und luftig, in Pankoks Holzschnitten klingen noch die Grauen des Kriegs nach. Ein Gipsrelief von Robert Pudlich stammt als echtes Bruchstück aus einer Wand der Ey-Galerie („Atelierszene“, 1931).
Porträt mit „wilden Locken“
Fast alle wollten die Mäzenin malen. Porträts in der Ausstellung zeigen die Ey mal mit „wilden Locken“, mal als Nero oder als Schachspielerin. Sie zeugen von einer Beziehung zwischen Künstlern und ihrer Galeristin, die man sich heutzutage kaum noch vorstellen kann.
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