15 Jahre Regierungspräsident: Jürgen Büssows letzter Arbeitstag
VON HANS ONKELBACH - zuletzt aktualisiert: 16.08.2010 - 08:17Düsseldorf (RPO). 15 Jahre war er Düsseldorfer Regierungspräsident, jetzt übernimmt die Grüne Anne Lütkes das Amt: Jürgen Büssow (SPD) geht in den Ruhestand, will aber politisch aktiv bleiben. Das werden manche Parteigenossen mit gemischten Gefühlen betrachten.
Der Mann ist das Spiegelbild seiner Partei, der SPD, schlechthin: Hin- und hergerissen zwischen einem ausgeprägten sozialen Bewusstsein und dem Bemühen, den Schwachen zu helfen einerseits. Andererseits der mit den Jahren gewachsenen, pragmatischen Einsicht, dass Geld erst verdient werden muss, bevor man es ausgibt.
Nicht zuletzt ist es das Amt des Regierungspräsidenten, das wenig Spielraum lässt für politische Ambitionen und Visionen. Aber einen Blick und Ehrgeiz hatte Jürgen Büssow (64) immer: Wer näher an ihn heran kam, spürte: Büssow sieht sich nicht am Ende seiner Karriere,er ist überzeugt davon, mehr zu können, auch für hohe oder höchste Ämter geeignet zu sein. Dabei ist die Karriere des früheren Orthopädiemechanikers und (nach dem zweiten Bildungsweg) Diplom-Pädagogen durchaus herausragend: Mehrere Jahre SPD-Vorsitzender in Düsseldorf, Mitglied verschiedener Gremien, 20 Jahre für seine Partei im Landtag, schließlich 1995 Regierungspräsident Düsseldorf, noch von Johannes Rau ernannt.
Den kannte er schon lange, wie so viele Genossen, mit denen er den langen Marsch durch die Partei, aber auch durch die Institutionen gegangen war. "Ich bin einer der letzten 68er," hat er mal über sich selbst gewitzelt. In der Denke vielleicht, aber Jürgen Büssow voller Leidenschaft in einer Demo gegen irgendwas – schwer vorstellbar.
Dafür ist er zu besonnen, ruhig, zurückhaltend, wortkarg, überlegt. Vielleicht war es das, was ihn die ganz große Karriere nie hat machen lassen. Minister wäre er gern geworden, und hat sich – so heißt es in seinem Umfeld – mindestens einmal sehr bemüht, als ein SPD-Mann an der NRW-Spitze stand. Geklappt hat es nicht – vielleicht stimmte die Chemie nicht, oder der Proporz.
In der SPD findet sich jedenfalls so schnell keiner, der die Gründe darlegt, gar was Schlechtes über den Mann sagt, der für alle nur "der Jürgen" ist. Tatsache ist: Die Partei tat nicht immer das, was "der Jürgen" gern gehabt hätte. Als er 2002 für den Bundestag kandidieren wollte und der SPD-Verband Mühlheim (Ruhr) ihn aufs Schild heben sollte, verweigerten die dortigen "Freunde" ihm die Gefolgschaft. Das dürfte ihn hart getroffen haben. Noch heute spricht er ungern über diese Erfahrung.
Überhaupt reagiert er dünnhäutig, wenn ihm Kritik entgegenschlägt, die ihm nicht gerechtfertigt scheint. Oder wenn er über sich Dinge liest, die er lieber nicht läse. Zum Beispiel das Gerücht, er habe sich bemüht, länger als Regierungspräsident im Amt bleiben zu dürfen. Voller Zorn wies er das zurück, aber viele, die ihn zu kennen glauben, hätte es nicht gewundert
Zumal er angekündigt hat, der SPD weiterhin zur Verfügung zu stehen. Das werden manche mit gemischten Gefühlen gehört haben. Sie schätzen zwar seine Erfahrungen und seinen scharfen Verstand, fragen sich aber, wo ein solches Alpha-Tier partei-kompatibel eingesetzt werden könnte. Als er zuletzt für den Landtag kandidierte, war er zuvor von der SPD im Düsseldorfer Süden (eigentlich Stammland der Roten) nicht gerade mit einem überschwänglichen Ergebnis nominiert worden. Und bei der Wahl ließ ihn sein CDU-Kandidat weit hinter sich.
Am Ende gelang es keinem der vier Düsseldorfer SPD-Kandidaten, ins Landesparlament zu ziehen – eine Tatsache, die Büssow sehr verbittert. In seiner Partei hieß es seinerzeit unter der Hand, ein Mann deutlich über 60 solle nun auch mal Jüngere ranlassen. Da kann der durchtrainierte Schlacks mit Marathon-Erfahrung nur breit grinsen – zugegebenermaßen sieht er nicht aus wie 64, er fühlt sich eh viel jünger.
Heute verabschiedet sich Jürgen Büssow von seinem Amt an der Cecilienallee. Zum letzten Tag hat er eingeladen zu einem Empfang – und die Namen der Gäste hat er selbst ausgesucht. Weil er sehr genau weiß, wen er sehen will, und wen nicht.
Seine Nachfolgerin wird die Grüne Anne Lütkes aus Köln, sie bezieht übermorgen ihr Büro. Die 62-Jährige steht den Grünen in der Domstadt vor, ist Juristin und eine bundesweit anerkannte Expertin für Familienrecht. Gemeinsam mit ihrem Mann betreibt sie eine Kanzlei. Unter Ministerpräsidentin Heide Simonis war sie Ministerin für Justiz, Frauen und Jugend in Schleswig-Holstein. Ihren Wohnsitz will sie nicht nach Düsseldorf verlagern, kündigte Lütkes kürzlich in einem Interview mit der RP an. Sie wolle weiter in Köln-Ehrenfeld leben.
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