Düsseldorf: Jungs entdecken ihr Kochtalent
VON SAINAB SANDRA OMAR - zuletzt aktualisiert: 06.04.2010 - 07:45Düsseldorf (RPO). Patrick und Georg tragen vorsichtig bunt verzierte Sushi-Rollen vor sich her. Die fernöstlichen Speisen sollen von einer Jury bewertet werden. "Wir sind gerade so mit unserem Budget hingekommen", sagt Georg, "denn Fisch ist ganz schön teuer." Die Elfjährigen scheinen sich auszukennen.
20 Euro hat jede Gruppe zum Einkaufen für das Kochduell bekommen, das das Jugendamt zum sechsten Mal organisiert hat. Es ist eines der vielen Angebote, die alljährlich in den Osterferien anlässlich der Jungenaktionstage laufen. 70 Jungen im Alter von acht bis 14 Jahren haben sich diesmal hinter den Herd gestellt, um sich der Welt des Kochens anzunehmen und anzunähern, denn für viele ist dies ein ganz neues Erlebnis.
Florian und seine Gruppe haben sich auch für ein asiatisches Gericht entschieden: Eine schmackhafte Gemüsepfanne mit Putenbruststreifen wollen er und die anderen vier Jungs für die Jury auf die Teller zaubern. Eine anspruchsvolle soll es sein. Zwiebeln, Paprika, Möhren liegen sorgfältig geschnitten in den einzelnen Schalen, Chinakohl und Kokosmilch sollen den Geschmack verfeinern. Dazwischen allerlei Gewürze.
Ein anderes Rollenbild vermitteln
Der Betreuer der Gruppe, Jude Richard, schaut seinen Jungs über die Schulter, damit sie vorsichtig mit den Küchengeräten umgehen und sie die hygienischen Vorschriften einhalten. Denn auch darauf hat die Jury – bestehend aus Klaus Martin Becker von der Jugendeinrichtung Kiefernstraße, Michael Hein vom Jugendamt und Grünen-Ratsfrau Angela Hebeler – ein Auge.
Und wer meint, die Jungen stellten sich albern an oder fanden das Einkaufen, Kochen und Waschen irgendwie peinlich, der liegt völlig falsch. Gewissenhaft und mit vollem Einsatz waren die Jugendlichen konzentriert bei der Sache. Wolfgang Weiß vom Jugendamt und Organisator der Jungenaktionstage ist nicht überrascht. Bewusst bietet er das Programm nur für Jungen an: "Wir wollen damit ein anderes Rollenbild vermitteln. Jungen haben ganz viele Kompetenzen, die im Verborgenen liegen."
Beim Kochduell gehe es nicht darum, der Beste zu sein, erklärt Weiß weiter, sondern vielmehr um die gemeinsame Sache. Dass keine Mädchen dabei sind, hilft den Jungen, ihr Verhalten zu kontrollieren und sich auf das Kochen zu konzentrieren: "Wenn sie unter sich sind, müssen sie sich nicht ständig beweisen und stehen so nicht unter Druck", so Weiß. Und tatsächlich herrschte in der Jugendeinrichtung Icklack eine ganz entspannte Ruhe, stolz erklärten die einzelnen Gruppen der Jury ihre Gerichte, dieser schien es zu munden – und selbst das anschließende Abwaschen verlief ohne jedes Murren.
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