Bilker Straße: Juwel am Rande der Altstadt
zuletzt aktualisiert: 08.06.2009 - 16:28Die Bilker Straße führt bis in die Altstadt. Von der längsten Theke der Welt ist jenseits des Carlsplatzes allerdings nichts zu spüren. Das Bild prägen Galerien, kleine Geschäfte und grüne Innenhöfe.
Die Carlstadt ist Monika Knuts Schicksal. Von ihr kommt die Düsseldorferin einfach nicht los. Erst arbeitete sie dort 20 Jahre in einer Werbeagentur, die Pläne für den eigenen Laden schon in der Schublade. Das Ergebnis heißt „Hundestolz“, liegt an der Bilker Straße und ist ein Ort, wo es alles gibt, was der beste Freund des Menschen zum Leben braucht. Und durchaus noch ein wenig mehr, wie die außergewöhnliche Auswahl an Leinen, Halsbändern, Kostümen, Körbchen und Näpfen beweist. „Als ich vor fünf Jahren das passende Ladenlokal gesucht habe, bin ich mit meinem Terrier bewusst nur in der Carlstadt Gassi gegangen“, sagt Knut. Bis sie endlich fündig wurde.
Was ihr so gut gefällt? Da ist der quirlige Wochenmarkt. Die historischen Häuser frisch herausgeputzt, mit Plaketten an der Wand, die Spaziergänger auf prominente Bewohner früherer Tage aufmerksam machen. Ein Viertel mit unheimlich viel Charme. „Wie ein kleines Dorf.“ Ein wenig abseits der Altstadt prägen auch die Schilder der Galerien das Bild der Straße, so mancher Innenhof weckt Erinnerungen an den letzten Urlaub in der Toskana.
In einer der Oasen versteckt sich zwischen sattem Grün ein tönerner Igel, erschaffen von Alena Lorencová. Die gebürtige Pragerin teilt sich ihre Töpferei mit Uli Wagner, die dort ihren Schmuck ausstellt. „Wir sind hier vielleicht ein wenig zu versteckt“, sagt Wagner, die selbst seit 30 Jahren an der Bilker Straße heimisch ist. „Selbst Leute von hier sind manchmal noch erstaunt, was es in ihrer nächsten Umgebung so alles gibt.“
Die Kneipen- und Partymeile ist um die Ecke und doch fühlt man sich jenseits des Carlsplatzes unendlich weit davon entfernt. Die Destille – ein Ort für Jazz-Konzerte und Lesungen – ist das Gegenteil von Ballermann. Die Bilker Straße zieht nicht die Massen an, es sind Kunstliebhaber, die – sofern es nicht ein Montag ist und fast alle Ausstellungsräume geschlossen sind – über das Kopfsteinpflaster flanieren. Besucher des Marionettentheaters oder des Heine-Instituts kennen die Bilker Straße. Auf der anderen Straßenseite hat das Institut Français seine Räume. Richtig laut wird es nur, wenn ein klappriges Auto auf der unebenen Fahrbahn durchgeschüttelt wird.
„Das Viertel liegt mitten in der Großstadt und ist doch sehr kleinstädtisch, im positiven Sinn provinziell“, sagt Patrick Bérézowsky von der Markenagentur Punktzwei. Gemeinsam mit Händlern und Anwohnern hat er einen kleinen Reiseführer über die Carlstadt entwickelt, der nun in den Geschäften ausliegt. „Durch die Arbeit an der Broschüre haben sich viele im Viertel kennen gelernt, man grüßt sich, geht Kaffee trinken“, berichtet Bérézowsky.
Bezahlt wird die hohe Lebensqualität mit den entsprechenden Mieten. Trotzdem wechseln die Wohnungen und Geschäftsräume, wenn überhaupt, weitgehend geräuschlos – von Mund zu Mund vermittelt – die Besitzer.
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