Monumentale Serie „Silikat“: K20 bekommt Richter-Zyklus für 3,2 Millionen Euro
zuletzt aktualisiert: 08.05.2007 - 13:39Für 3,2 Millionen Euro hat die Kunstsammlung NRW vier große Gemälde von Gerhard Richter gekauft. Der Silikat-Zylus ergänzt die sieben Werke des Künstlers, die sich bereits in der Kunstsammlung befinden. Mit der 2003 entstandenen Serie gelangt nun eines seiner Hauptwerke in öffentlichen Besitz. Kein anderes öffentliches Museum in Deutschland verfügt damit nach Angaben der Kunstsammlung über vergleichbar herausragende Werke Richters.
Gerhard Richter (geb. 1932) zählt zu den international bedeutendsten und teuersten Malern der Gegenwart. Er begann seine Karriere Anfang der 60er Jahre in Düsseldorf, wo er lange lebte und an der Akademie unterrichtete. Sein Werk umfasst gegenständliche und abstrakte Darstellungen. Abgesehen von Gemälden und Graphiken ist er mit Fotografien, Skulpturen und Rauminstallationen hervortreten.
Ausgangspunkt aller vier Bilder ist der atomare Aufbau von Silikat, das zu den wichtigsten Bestandteilen der Erdkruste zählt. Bei seinen Gemälden handelt es sich um extrem vergrößerte, aneinander gereihte und zu Flächen formierte Elemente aus dem Nanobereich. Schon das monumentale Format von 290 x 290 cm lässt den besonderen Stellenwert erkennen, den der Künstler seiner Bildfolge "Silikat" zuschreibt.
Ganz auf Grautöne gestimmt, sind bei allen vier Arbeiten zwei Momente auffällig: Wiederholungen und eine Unschärfe, die beim Betrachter Schwindelgefühle auslösen kann. Sie ist für Richters Schaffen seit den 60er Jahren charakteristisch und Ausdruck seines Erkenntniszweifels. „Ich misstraue nicht der Realität, von der ich ja so gut wie gar nichts weiß, sondern dem Bild von Realität, das uns unsere Sinne vermitteln und das unvollkommen und beschränkt ist", sagte Richter schon 1972.
Betrachtet man alle Bilder im Zusammenhang, dann bildet sich ein Parcours heraus: vom Einfachen zum Komplexen, vom Statischen zum Dynamischen, vom Klaren zum Unklaren, vom Gleichmäßigen zum Ungleichmäßigen. In unterschiedlicher Intensität erzeugen die Bilder Unsicherheit, da der Blick sie nicht wirklich erfassen kann. Die Bilder sind Richter zufolge auch eine Metapher für Tod und Auflösung bis hin zum Elementaren und den „fürchterlichen Strukturen der Atome“.
Die Folge der Silikat-Bilder steht im Œuvre Richters nicht allein, sondern berührt sich thematisch und formal mit vergleichbaren Werken wie z.B. Uran (1989), Erster Blick (2000), Strontium (2004), Haut (2000), Graphit (2004) u.a.
Der Aufkauf der Werkfolge "Silikat" wurde durch Mittel des Landes Nordrhein-Westfalen, der Kulturstiftung der Länder, der Kunststiftung NRW, der Ernst von Siemens Kunststiftung und der Gesellschaft der Freunde der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen e.V. ermöglicht
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