Bevölkerung kann helfen: Kampf gegen professionelle Cannabis-Plantagen
VON BIRGIT KRANZUSCH - zuletzt aktualisiert: 27.03.2007 - 12:10Wer glaubt, dass Haschisch nur in den Niederlanden produziert wird, irrt. Immer häufiger entdecken Einsatzkräfte der Polizei oder Nachbarn professionelle Hanfplantagen in der Stadt oder in leeren Lagerhallen auf dem Land oder in Bauernhöfen. In Düsseldorf hatten Ermittler unter anderem auf der Talstraße eine Plantage mit 300 Pflanzen entdeckt. Und auch in Ratingen wurden im vergangenen Jahr mehrere Fälle bekannt.
Nicht immer führt ein eigentümlich süßer Geruch die Polizei zu illegalen Hanfplantagen. Zu professionell sind inzwischen die Lüftungsanlagen der Anbauer. Doch einsame Bauernhöfe, an denen reger Verkehr herrscht oder illegale Stromkappungen zur Erstellung von Wärme sind Hinweise, die die Polizei zu den professionellen Plantagen führen.
Nach einer aktuellen Statistik des Landeskriminalamtes NRW haben Fahnder im vergangenen Jahr 21 Profiplantagen (ab 1.000 Pflanzen) enttarnt. Das sind doppelt so viele wie im Vorjahr. Außerdem wurden 36 Großplantagen (100 bis 1000 Pflanzen) von der Polizei entdeckt. Im Vorjahr waren es 31. Insgesamt wurden mehr als 50.000 Pflanzen beschlagnahmt. Durchschnittlich ernten die illegalen Plantagenbesitzer vier Mal pro Jahr. 100 getrocknete Pflanzen ergeben vier Kilo Marihuana, das auf der Straße einen Marktwert von circa 32.000 Euro hat.
"Die hohe Gewinnspanne bei den professionell aufgezogenen Hanfplantagen verführt viele, trotz hoher Haftstrafen Marihuana anzubauen", sagt Innenminister Dr. Ingo Wolf. "Der Wirkstoffgehalt von Cannabis ist in den letzten Jahren stark angestiegen und ein Joint heute fünf mal so intensiv wie vor zehn Jahren", erklärt Wolf. Der Wirkstoffgehalt der Haschischpflanzen sei durch Zucht so verändert worden, dass eine körperliche Abhängigkeit viel schneller erreicht sei.
Der Druck für holländische Drogenproduzenten in ihrer Heimat wird offenbar immer größer. Deshalb weichen sie laut Landeskriminalamt nach Nordrhein-Westfalen aus. In die Städte und in ländliche Gegenden. In Düsseldorf hatte ein Mieter auf der Talstraße eine Plantage mit 300 Pflanzen aufgebaut. "Kommissar Zufall" hatte 2005 der Polizei zu dem Drogenfund verholfen. Eigentlich wollten die Beamten in der Talstraße einen Haftbefehl vollstrecken. Ein süßlicher Geruch führte sie zu der Marihuana-Plantage mit rund 300 Pflanzen sowie 3,6 Kilogramm fertig abgepackten Drogen. Die Pflanzen befanden sich in fünf separaten Räumen, wurden professionell beleuchtet und bewässert.
Im November 2006 wurden an der Düsseldorfer, Breslauer und Lintorfer Straße in Ratingen mehrere Fälle bekannt. Dort konnten nach Hinweisen drei kleine Hanfplantagen mit jeweils bis zu 20 Pflanzen von der Polizei abgeerntet und Strafverfahren eingeleitet werden. Auch in diesem Fall hatten sich Anwohner nur über die ungewöhnliche Geruchsbelästigung aus den nachbarlichen Räumen beschwert.
Weil die Drogenproduzenten immer professioneller werden, die Ort für die Plantagen oft nicht einsehbar sind, hoffen die Ermittler des LKA auf die Mithilfe der Bevölkerung. Wenn Bauernhöfe plötzlich umzäunt und Überwachungskameras installiert würden, sei dies ein eindeutiger Hinweis. Auch wenn ein reger Autoverkehr vor einsamen Höfen herrsche, könnte das ein Hinweis auf den Abtransport der Drogen sein.
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