Gottesdienste möglichst nicht in Platt: Kardinal ermahnt die Jecken
VON HANS ONKELBACH - zuletzt aktualisiert: 10.01.2008 - 08:27Düsseldorf (RPO). Das Erzbistum scheint es für nötig zu halten, an die Regeln zu erinnern: Fröhlichkeit gehöre zwar zum Glauben, aber die Messe dürfe nicht zum Karneval werden. Und Gottesdienste sind nur in Teilen auf Platt gestattet.
Wenn Joachim Decker, Pfarrer des Gemeindeverbundes Eller-Lierenfeld, am übernächsten Sonntag (19.Januar) die Messe zelebriert, dann tut er das auf Platt. Gemeinsam mit dem Karnevalsverein Hötter Jonges und der Interessgemeinschaft Veedelszoch Eller veranstaltet der humorige Gottesmann diesen Gottesdienst schon seit Jahren und bewegt sich damit im Rahmen dessen, was die katholische Kirche erlaubt - sofern er sich an die eng gesteckten Regeln hält.
Und das wird in Köln, in der engeren Umgebung von Joachim Kardinal Meisner, offenbar sehr genau überwacht. Jedenfalls kam jetzt ein entsprechender Hinweis des Erzbistums zu den Pfarrern. Titel des mehrseitigen Papiers: „Liturgie und Leben. Handreichung zu Brauchtums- und Mundartmessen.“ Es basiert auf Vorschriften, die seit vielen Jahren feststehen und z.B. im Sommer 1979, damals noch unter Kardinal Höffner, im Amtsblatt veröffentlich wurden. Danach gehört die Fröhlichkeit zwar zum Glauben, aber Kostüme in der Kirche sind nicht erwünscht, Platt darf zwar gepredigt werden, liturgische Texte und bestimmte Gebete oder die Wandlungsformel in Mundart sind jedoch nicht gestattet. Bistumssprecher Stephan Schmidt erklärt dazu, in einer der jüngsten Sitzungen eines Beratergremiums beim Kardinal sei das Thema aufgekommen und man habe sich daher veranlasst gesehen, die Pfarrer nochmals auf die Regeln hinzuweisen. In Düsseldorf hat das einige Unruhe ausgelöst, denn nicht nur im Karneval, sondern übers gesamte Jahr gibt es hier Messen oder Gottesdienste auf Platt.
Pfarrer Decker aus Eller kennt diese Vorschriften und akzeptiert sie, hält aber ein fröhliches Helau in der Kirche für keinesfalls unpassend. Zumal da, so Decker, das Wort Helau den gleichen Ursprung hat wie das Halleluja. Bei ihm werden, wie er es sagt, auch „gute katholische Lieder“ auf Platt gesungen.
Pfarrer Paul Ludwig Spies (St. Antonius und St. Peter, Bilk) hat zum Karneval eh eine enge Bindung: Er steigt gerne selbst und viel beklatscht in die Bütt. Schlau wie er ist, geht er jedem Konflikt mit Köln aus dem Weg und nennt seine Andacht am kommenden Sonntag (16Uhr, St. Antonius, Fürstenplatz) „Wortgottesdienst“. Auch da wird Platt gesprochen, gepredigt. Die Prinzengarde kommt in ihren Uniformen und das Kinderprinzenpaar im Ornat. Würde man die bunten Kleider Kostüme nennen, wäre es übrigens nicht im Sinne des Kardinals - und daher verboten.
Einer der Sprecher am Sonntag ist übrigens der Narren-Chef Engelbert Oxenfort. Messen auf Platt kennt er lange: Seit 29 Jahren gestaltet er sie zusammen mit Stadtdechant Rolf Steinhäuser in St. Lambertus in der Altstadt. Und zwar zweimal im Jahr: In der Fastenzeit eher besinnlich, und im Sommer im Rahmen anderer kultureller Veranstaltungen.
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