Rosenmontag in Düsseldorf: Auch das Ende des Zuges wird bejubelt
VON THORSTEN BREITKOPF - zuletzt aktualisiert: 21.02.2012 - 08:11Düsseldorf (RP). 71 Wagen hatte der Rosenmontagszug 2012. Einer muss der Letzte sein. Diesmal stellten die Düssel-Narren das Schlusslicht dar. Als Präsident Wolfgang Königs und seine Jecken um 14.21 Uhr starten, ist der Zug schon fast zwei Stunden alt. Doch die Straßenkarnevalisten bleiben treu. In der Altstadt wird auch der letzte Wagen mit Jubel der Massen empfangen.
Pünktlich um 12.30 Uhr startet der Düsseldorfer Rosenmontagszug an der Tonhalle. Zu dieser Zeit setzt sich Wolfgang Königs mit seinen Mitgliedern der KG Düssel-Narren an einen Klapptisch an der Rheinpromenade und löffelt eine Erbsensuppe. Königs ist Präsident der Düssel-Narren. Und die Stellen dieses Jahr den letzten Wagen im Zug.
Ein Problem, der Letzte im Zoch zu sein? "Kein Problem, der Zoch ist vorne, in der Mitte und eben hinten schön", sagt Königs. Und der späte Start hat ja auch sein Gutes, denn wenn die anderen schon durch die gedrängte Altstadt ziehen, können die Karnevalisten des letzten Wagens noch entspannt biwakieren. Die Stimmung ist fröhlich, die Düssel-Narren sind gemütlich und gut gelaunt. Der Letzte im Zug zu sein ist wohl nur ein scheinbarer Makel.
Das Biwak der Spätstarter beginnt mit der Begrüßung durch den Präsidenten, bevor die zahlreichen Ehrengäste begrüßt werden, gibt es ein Hoch auf eine Frau, die so was wie die Mutter der Kompanie ist. "Ein dreifaches Düsseldorf Helau auf unsere Brigitte Zowislo, die uns allen die Erbsensuppe gestiftet hat", sagt der Präsident, und die Suppe löffelnde Narrentruppe stimmt ein.
Seit mehr als 20 Jahren verpflegt die heute 68-Jährige die Düssel-Narren. Beliebt seien auch ihre Bratkartoffeln und ihre Kartoffelsuppe, die bei Karnevalsumzügen eigentlich verträglicher sei, sagt sie, aber diesmal war halt Erbsensuppe gewünscht. Den Narren schmeckt's. Und nicht nur denen. "Eigentlich sind wir ja gar nicht der letzte Wagen", sagt Königs. "Das sind die Männer von der Awista mit ihren Kehrmaschinen und Müllwagen." Aber Erbsensuppe von Brigitte kriegen die natürlich auch. "Die machen schließlich unseren Dreck weg", sind sich die Zugletzten einig. Und auch Gregor Diederichs, der mit seinem Trecker den Wagen der Düssel-Narren zieht, wird kulinarisch versorgt.
Vor 16 Jahren waren die Düssel-Narren auch das Schlusslicht im Zug, erinnert sich Königs. "Als wir damals noch nicht einmal gestartet waren, kam der Wagen der Toten Hosen vom vorderen Zugabschnitt schon an uns vorbei. Die waren schon fertig", sagt Königs. Wer wo im Zug sei, das rotiere von Jahr zu Jahr. "Und einer muss halt den Abschluss machen."
1966 wurde der Derendorfer Karnevalsclub gegründet. Vor allem der Vorstand trifft sich das ganze Jahr. Höhepunkt neben dem Zoch ist die eigene Sitzung. Seit 1970 sind die Düssel-Narren beim Zoch dabei. "Wir frieren Karneval", singen einige der Jecken den abgewandelten Text eines rheinischen Schlagers. Die Musik läuft während der Wartezeit. Auch wenn sich um 14 Uhr am hinteren Zugende immer noch kein Rad dreht. Die ARD hat zu diesem Zeitpunkt ihre Aufzeichnung vom Rosenmontagszug bereits eingestellt.
Über die Lautsprecher röhrt ein Lied mit der bezeichnenden Textstelle "Einmal kommt der Tag", doch der Wagen der Düssel-Narren steht noch immer. Der Stimmung tut das keinen Abbruch. Die Jecken wirken nicht wie Wartende, sondern wie Karnevalsgenießer. Auch wenn die meisten Lieder vom Alkohol handeln. Bei den Düssel-Narren wird nur mäßig genossen. Vorsitzender Günter Simons etwa hält sich am Apfelsaft fest. Andere teilen sich eine Flasche Alt für die ganze Zugstrecke ein. Richtig gefeiert wird am Abend, im "Derendorfer Fass".
Um 14.21 Uhr ruft der Präsident endlich: "Et jeht loss!" 18 Karnevalisten besteigen den letzten Wagen des Zuges. Die Fahrt beginnt.
Hinter dem Wagen der Düssel-Narren ist die Flotte der Awista am Werk, Kamellereste, Müll und Glas zu beseitigen. Im fast menschenleeren Rheinpark tollt ein Hund. Publikum ist kaum an diesem Zugabschnitt. Noch wird jeder Zugbesucher einzeln begrüßt. Ist der Zoch etwa schon vorbei, die Jecken schon wieder zu Hause?
Keineswegs. Spätestens ab der Tonhalle stehen die Jecken dicht gedrängt am Straßenrand. Jetzt ist Wolfgang Königs in seinem Element. Auf sein "Dreimal Düsseldorf ..." antworten nicht nur die Vereinsmitglieder, sondern dutzende, manchmal hunderte Jecken mit "Helau".
Die Stimmung auf dem Wagen ist spitze. Nur dass man nun sein eigenes Wort kaum noch versteht, so laut sind die Helau-Rufe. Als der letzte Wagen des Zugs in die Altstadt einbiegt, werden Königs und seine Leute von vielen per Lautsprecher begrüßt. "Die letzten werden die ersten sein", heißt es, "Wolfgang, da seid Ihr ja endlich" oder "Das Beste kommt zum Schluss". Der Präsident wirkt froh und ein bisschen erleichtert. Die Jecken haben bis zum letzten Wagen gewartet, bis zu den Düssel-Narren, Trotz der Kälte. "Das war ein wunderbarer Rosenmontagszug", sagt Wolfgang Königs zum Schluss. "Aber beim nächsten Mal sind wir wieder weiter vorne dabei". Hinter ihm rotieren die Kehrmaschinen.
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